Eurosport - Do 13.Mrz. 15:02:00 2008
Rolf Dohmen ist momentan einer der meistbeschäftigten Manager der Bundesliga. Als Verantwortlicher des KSC muss Dohmen nächste Saison viele Abgänge verkraften. Neben Leistungsträger Hajnal (Dortmund) verlässt nun auch Abwehrchef Eggimann (Hannover) den Verein. Dohmen nimmt das Ganze jedoch gelassen.
Aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt hat Dohmen den despektierlichen Spitznamen "Schuhverkäufer", weil er zuvor als Geschäftsführer eines US-Sportartikelherstellers tätig war. Der Manager des Karlsruher SC trägt's mit Humor: "Als Schuhverkäufer habe ich es weit gebracht", sagt der 55-Jährige. Beim KSC soll er den Ausverkauf, stoppen. Doch Dohmen sieht das vor der Partie am gegen Frankfurt ganz gelassen: "Es gibt in der Bundesliga derzeit nur sechs Mannschaften, die besser sind als wir. Es ist mittlerweile für uns leichter geworden, an Spieler ranzukommen. Und es ist ja auch nicht so, dass wir mit Butter und Nüssen bezahlen."
Wer den so erfolgreichen Bundesliga-Aufsteiger zum Saisonende noch alles verlässt - das beschäftigt die KSC-Fans derzeit mehr als die Frage, ob ihr Verein die UEFA-Cup-Teilnahme schafft. Trainer Edmund Becker ärgert sich, dass ihm seine wichtigsten Stützen wegbrechen, weil sie woanders das Doppelte verdienen können. Dohmen hat dafür "Verständnis", doch Becker wettert: "Wir bringen für alles und jeden Verständnis auf und haben dann nächstes Jahr keine Mannschaft mehr."
Der Manager verweist darauf, dass der KSC im vergangenen Jahr selbst einen Top-Torjäger wie Giovanni Federico (Dortmund) ersetzen konnte. "Ich sehe es etwas nüchterner als Ede Becker. Jetzt sind wir gefordert, für adäquaten Ersatz zu sorgen", sagt Dohmen. Die Binsenweisheit, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg das schwierigste sei, gelte zwar, aber: "Kürzlich habe ich mal gelesen, dass die Mannschaften, die in gleicher Besetzung zusammengeblieben sind, dann auch wieder runter mussten. So gesehen tut uns ein personeller Wechsel ganz gut."
Der Ex-Profi des KSC, von Eintracht Frankfurt und SV Darmstadt 98, der damals auch "Disco-Dohmen" genannt wurde, verweist darauf, dass sich die Badener in einer einfacheren finanziellen Situation befinden als in den vergangenen Jahren. Da kämpften sie ums finanzielle Überleben: "Es gab hier auch Zeiten, da wussten wir nicht, ob wir uns montags Druckerpatronen kaufen können."
Dohmen: ,,Wir sind noch nicht über denBerg''
Diese Woche hat der Verwaltungsrat den Finanzplan für 2008/2009 genehmigt und Dohmen geht davon aus, dass der Bundesligist die Lizenz ohne Auflagen erhält. Zumal der sportliche Aufschwung wirtschaftlich einiges abgeworfen hat. "An Fernsehgeldern hatten wir für diese Saison 13 Millionen eingeplant, das wird nun ein erklecklicher Betrag mehr. Aber wir hatten natürlich auch mehr Ausgaben", sagt er und verweist auf die Prämienzahlungen. Über dem Berg sei der KSC jedoch noch nicht.
Dohmens Vertrag läuft bis 2010 und bis dahin stehe das Bestreben, den Club in der ersten Liga zu halten, an vorderster Stelle. "2011 müssen wir uns in der Bundesliga etabliert haben. Dann steht hoffentlich das neue Stadion und wir können die Teilnahme am UEFA-Cup anstreben. Wenn uns das vorher gelingt, hat natürlich auch niemand etwas dagegen."
dpa / Eurosport