WM in Berlin - Der öffentliche Blick unter den Rock

Eurosport - Sa 12.Sep. 10:53:00 2009

Die Medien. Kritik an der Presse wird meistens mit "die Medien" eingeleitet. Das ist wie mit "die da oben", wenn es um eine undifferenzierte Pauschalkritik an politischen Entscheidungsträgern geht. Die Medien sind im Alltag omnipräsent. Sie artikulieren Meinungen und geben Richtungen vor.

ATHLETICS 2009 Semanya Kommentar - 0

Durch ein Übermaß an Sensationsgier sind sie moralisch oft schuldbehaftet. Die Medien bilden die Realität nicht nur ab, sie erzeugen sie auch selbst. Ursache und Wirkung in einem. So liest sich die bekannte Kritik.

Der Griff an die Wäsche

Und manchmal treffen diese Vorwürfe wohl den Kern. Speziell, wenn es persönlich und intim wird. Wenn moralisches Denken einer möglichen Quote zum Opfer fällt, mit dem Argument, dass das Angebot nur auf eine Nachfrage reagiert. Der Schwarze Peter wird weitergereicht.

Wie im Fall Caster Semenya. Die südafrikanische 800-Meter-Weltmeisterin von Berlin wurde nach ihrem Sieg umgehend auf den virtuellen Seziertisch gelegt. Männlein oder Weiblein, das ist hier weiterhin die Frage. Man geht Semenya im übertragenen Sinn an die Wäsche, ein öffentlicher Blick unter den Rock.

Nun posaunt der australische "Daily Telegraph" angeblich neue Details über die 18-jährige Athletin hinaus. Angebliche Details, die global über den Ticker rattern. Selbst wenn sich aus dem Angeblichen etwas Tatsächliches entwickeln sollte, bleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.

Pathologische Intimschau

Rechtfertigt der Verdacht, Semenya habe bei einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft betrogen, indem sie ihr wahres Geschlecht verheimlicht habe, eine dermaßen pathologische Intimschau? Mann oder Frau oder beides. Es bedarf keiner Labortests und internationaler Diskussion um eines mal grundlegend festzuhalten: Semanya ist ein Mensch.

Ob selbst verschuldet, oder nicht: Ihre Rolle in dem Schmierentheater ist menschenunwürdig. Auch beim südafrikanischen Verband lief in der Vergangenheit eine ganze Menge schief, wurde ein heimlicher Geschlechtstest gegenüber der Athletin als regulärer Doping-Test verkauft. Und Sportminister Makhenkesi Stofile übernimmt einen fragwürdigen und wenig hilfreichen Part, wenn er ohne viel nachzudenken von einem "Dritten Weltkrieg" spricht, der sich da anbahnen würde.

Der wahre Skandal liegt woanders

"Gott hat mich gemacht, wie ich bin", liefert die 18-Jährige selbst die scheinbar naheliegendste Erklärung. "Ich akzeptiere mich, wie ich bin." Beim Leichtathletik-Weltverband gibt es keine Akzeptanz für Sportler, die nicht ins offizielle biologische Raster passen.

Seit 2005 habe es acht vergleichbare Fälle gegeben, erklärt IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss. Vier der betroffenen Athleten haben die peinliche Hilflosigkeit des Weltverbandes zu spüren bekommen: "Die betroffenen Aktiven wurden gebeten, ihre Karriere zu beenden", verrät Weiss doch tatsächlich die IAAf-"Lösung" des "Problems".

Da stellt sich dann schon mal die Frage, ob bei der ganzen Thematik ein unglaublicher Skandal nicht an falscher Stelle gewittert wird.

Ein Kommentar von Michael Wollny / Eurosport

Kommentare 12 - 31 of 31

Kommentare sortieren: Aktualität
  1. Nunja, diese Frau hat eine Mutation, die ihr (zumindest­ im Sport) einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen­ Frauen einbringt...

    Das Wort Mutant ist aus etlichen­ Horrorfilmen sehr negativ belastet, und ich meine damit­ auch keine sabbernden verunstalteten Monster, aber­ Mutanten für sein Land antreten zu lassen ist ganz­ einfach Betrug.

    Ich schicke auch keinen Autisten mit­ aussergewöhnlicher Zahlen-Begabung zu einem­ Mathe-Wettbewerb...

    Von talimore, am Fr 18.Sep. 17:24
  2. @Hubert S.

    "das schwarz/weiss bzw­ mann/frau­ denken gehört nicht in unsre zeit.
    jemand­ dafür zu­ bestrafen, dass er/sie eben grau, also etwas­­ dazwischen ist, ist wohl das allerletzte, um nicht zu­­ sagen rassismus. wo bleibt denn da die­ ethik?­"

    Ich würde es an deiner Stelle­ zwischendurch mal mit Denken versuchen. Selten einen­ solchen Unsinn gelesen. Wenn in einem Wettbewerb für­ Frauen eine Nichtfrau teilnimmt, dann ist das Betrug.­ Wenn sie deshalb anschließend disqualifiziert wird, was­ hat das mit Rassismus und Unethik zu tun? Seit wann ist­ Betrug ethisch?

    Lernt man denn in der Schule heute gar­ nichts mehr?

    Von Peter R, am So 13.Sep. 2:45
  3. Leute, lieber schon mal darüber nachdenken, sich einen­ gewissen (Lebensmittel)Vorrat anzulegen - SÜDAFRIKA­ stellt uns den III. Weltkrieg in Aussicht... Alles­ wg.SEMENYA !

    Von drop_schott, am Sa 12.Sep. 23:30
  4. Sollte es sozusagen legalisiert werden,dass­ "Fastmänner" bei den Frauen teilnehmen­ dürfen,dann wissen wir ja was demnächst herangezüchtet­ wird.....da jauchzt Dr.Mengele im Grab vor Freude!

    Von holger, am Sa 12.Sep. 13:29
  5. wo ist das problem?
    muss man eben auch wettbewerbe für­ hermaphroditen veranstalten.
    das schwarz/weiss bzw­ mann/frau denken gehört nicht in unsre zeit.
    jemand­ dafür zu bestrafen, dass er/sie eben grau, also etwas­ dazwischen ist, ist wohl das allerletzte, um nicht zu­ sagen rassismus. wo bleibt denn da die ethik?­
    ausserdem gab es in der vergangenheit schon viele­ weltmeisterinnen und olympiasiegerinnen, bei denen man­ berechtigte zweifel haben konnte ob sie wirklich eine­ frau sind. was passiert dann mit denen? in den 60ern­ gabs zB eine skifahrerin, die gold bei den­ olympischenspielen gewann und die heute als mann lebt.­ die medaille durfte sie/er trotzdem behalten. gleiches­ recht für alle, oder??

    Von Hubert S, am Sa 12.Sep. 10:52
  6. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    @ Cvcbvcbcb C
    Deine Kommetare lesen sich wie die von­ einem Sesselfurzer, der selbst nie Sport betrieben hat.­ Oder wie die von einem Presseheini, der alles besser­ weiß. Oder - noch schlimmer: wie die von einem­ katholischen Pfarrer. So scheinheilig hört sich das­ alles an. Klasse finde ich, dass Du alles (besser)­ weißt und diese Weisheit leider nie der IAAF oder­ sonstwem mitgeteilt hast. Bei Leuten wie Dir könnte ich­ das K.otzen bekommmen.

    Von birne111, am Sa 12.Sep. 10:31
  7. "Semanya ist ein Mensch."
    Ich finde, dieser­ Satz ist das Kernstück der ganzen Angelegenheit. Was da­ getrieben wird, wie da von allen Seiten mit einem­ Menschen umgegangen wird, das ist allerunterste­ Schublade. Man muss die IAAF schon mal fragen, warum­ sie Menschen diskriminiert, indem sie sie bittet, nicht­ mehr an Wettkämpfen teilzunehmen und ihre Karriere zu­ beenden. Ich habe Hochachtung davor, wie dieses Mädchen­ (oder auch nicht) mit seinen 18 Jahren sich solch einer­ Situation stellt, die extremer gar nicht sein könnte.­ Und wenn denn tatsächlich ein Verstoß gegen die ach so­ heiligen Statuten vorliegt: Lasst ihr um Gottes Willen­ die Goldmedaille - sie hat sie sich spätestens nach­ diesem Spießrutenlauf verdient!
    Wie scheinheilig die­ Sportwelt heute ist, sieht man im Übrigen daran, dass­ Claudia Pechstein wieder trainieren darf. Dass Lance­ Armstrong wieder bei der Tour mitfährt. Und dann­ zerreißt man sich das Maul über einen Menschen, der­ nichts dafür kann, dass er ist wie er ist.
    Einfach nur­ traurig.

    Von birne111, am Sa 12.Sep. 10:23
  8. Eigentlich ist es unfair den anderen Frauen gegenueber.­ Es war doch schliesslich ein Wettbewerb der Frauen.­ Semenya sollte ihre Goldmedaille verlieren. Sie ist­ doch schliessslich ein Mann, sie wird das schon­ verkraften... Nein. Im ernst, sie sollte echt ihre­ Karriere beenden, es waere nicht fair als Mannfrau­ gegen Damen anzutreten. Das ist meine Meinung, obwohl­ Semenya mir Leid tut weil sie nicht dafuer kann das sie­ ist wie sie ist.

    Von raftrojan, am Sa 12.Sep. 10:15
  9. Skandalös an der ganzen Sache ist, dass bis heute kein­ offizielles Ergebnis feststeht. Merken die Offiziellen­ nicht, dass sie dadurch das öffentliche Schaulaufen­ erst produzieren? So schwer kann es doch nicht sein,­ ein klares und verlässliches Ergebnis zu produzieren,­ speziell dann, wenn der Fall so klar ist, wie es jetzt­ in der Presse gerüchteweise behauptet wird.

    Bei den­ Frauendisziplinen dürfen nur biologische Frauen­ teilnehmen. Alle Grenzfälle müssen dann leider in den­ sauren Apfel beißen und sich mit den Männern messen.­ Eine Abweichung von dieser Marschroute aus­ Gutmenschendenken heraus hätte fatale Auswirkungen für­ den Frauensport. Im Grunde könnte man den dann­ einstellen und Frauen bitten, doch gleich bei den­ Männern anzutreten. Tschüs Fußballfrauen.
    Am 800m­ Endlauf der Frauen haben bei der WM auch andere Frauen­ teilgenommen. Zweite wurde eine tiefschwarze­ Kenianerin. Hat die nicht ein Anrecht darauf zu­ erfahren, dass sie die eigentliche Weltmeisterin ist?­ Ich halte jedes weitere Verzögern dieses Falles für­ unmenschlich.

    Von Peter R, am Sa 12.Sep. 9:20
  10. man muss sich das auch vorstellen, dass man beim­ südafr. verband gewusst hat, dass sie ein zwitter ist.­
    diese schummler haben darauf gehofft, dass keiner was­ merkt. den streit um das geschlecht haben sie im­ endeffekt selbst ausgelöst, man hätte ihr diese­ hexenjagd ersparen können, indem man sie nicht­ nominiert.
    aber diese geldgeilen heuchler haben drauf­ einen haufen gesetzt und sie trotzdem nominiert, wohl­ wissend, dass bei einem test alle auffliegt.

    schimpft­ nicht auf die iaaf, sie schaut nur darauf, für alle­ gleiche vorr. zu schaffen.

    Von Mr.Pink vs Mr.Brown, am Sa 12.Sep. 1:19
  11. ihr müsst euch mal vorstellen, wie krass krank das für­ die familie und vor allem für die frau selbst ist,­ herauszufinden, dass man ein zwitter ist. da kommst dir­ doch vor wie der letzte dreck, wie etwas annormales,­ wenn dass auch noch in der presse sensationsgeil­ rausposaunt wird.
    man hätte hier wirklich diskreter­ unter ausschluss der öffentlichkeit den test machen­ können. das ist in der form wirklich­ menschenunwürdig.
    andererseits könnte ich kotzen, bei­ diesen heuchlern beim südafrikanischen verband.
    die­ sind im endeffekt nicht besser, als die­ medienvertreter. das einzige was die interesiert ist­ die gewonnene goldmedaille und dem damit verbundenen­ prestige.
    die frau selber ist denen völlig egal,­ wahrscheinlich ekelt man sich vor ihr.
    im endeffekt­ wird die familie noch mehr in den mittelpunkt gerückt,­ weil so egoistische pisser wie der sportminister im­ endeffekt einen machtkampf mit der iaaf in der­ öffentlichkeit austrägt.

    die sachlage ist zwar heftig­ für die sportlerin, aber wenn eine frau einen weitaus­ höheren testosteron wert hat als die anderen frauen ist­ das einfach ein unfairer vorteil. man muss sich auch in­ die anderen sportlerinen rienversetzen. die sind dann­ vor den kopf gestossen, weil sie einfach mit härtestem­ training wettkampf zeiten erreichen können, wie eine­ frau mit gemischtem geschlecht.

    Von Mr.Pink vs Mr.Brown, am Sa 12.Sep. 0:43
  12. 1. Wo liegt der Rassismus?
    Nur, weil der mutmassliche­ Betrüger Schwarz ist, liegt kein Rassismus­ vor.
    Schließlich wäre die neue WM dann auch Schwarz.
    Es­ würde keine Weiße profitieren.

    2. Haben sie es gewußt,­ ist es BETRUG ohne wenn und aber und haben sie dann­ noch die Chuzpe, das anzuprangern, dann ist das­ Chauvinismus pur.

    3. Die Messlatte muss der Gen-Code­ sein, denn alle anderen Merkmale lassen sich­ chirurgisch ändern, womit dann Betrug entsteht.
    Nils­ Schumann könnte sich dann umoperieren lassen und 2012­ als erste(r) sowohl Gold bei Frauen als bei bei Männern­ geholt haben.
    Wäre das etwa FAIR?

    4. Wenn Caster­ Semenya es wusste, ist Sperre noch gnädig.
    Und ein­ Täter muss bestraft werden oder etwa nicht?

    Von Ingo, am Sa 12.Sep. 0:42
  13. Die Europameisterinnen sind schon untersucht.
    FIFA hat­ Tests.
    Nur IAAF nicht.
    Aber jetzt haben die den Salat

    Von Ingo, am Sa 12.Sep. 0:30
  14. HMMMMM

    Von hsflaugehtgarnicht, am Fr 11.Sep. 22:47
  15. Welcher Rock denn?

    Von Ingo, am Fr 11.Sep. 22:35
  16. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    DISKRIMINIERUNG

    ASSIMILIERUNG!

    Von loserbernd, am Fr 11.Sep. 22:15
  17. vielleicht werden auch in zukunft unsere­ europameisterinnen untersucht???

    Von lester_hilton, am Fr 11.Sep. 22:13
  18. Bastian W, ein Mann ist eine Person mit einem einzelnen­ X Geschlechtschromosom oder X(X,XX,XXX,XXXXX)+Y.­ Jahrezehntelang wurde darauf getestet. Dann einfach so­ abgeschafft (warum?) und jetzt wird sich über ein Test­ aufgeregt? Blödsinn.

    Von Volker Armin H, am Fr 11.Sep. 20:52
  19. Cvcbvcbcb C: Da stimme ich zu. Bestrafen können sie die­ ja, WENN es klare FAKTEN gibt. Aber das soll dann alles­ offiziell juristisch passieren. Die Diskussion und­ dieses Sensationsgier ist abstoßben. Ich denke dass der­ Kommentar nicht darum geht dass sie unschuldig ist­ sondern um die Art und Weise wie der Fall behandelt­ wird. Es geht hier nicht dru, das man gleiches mit­ gleichem heimzahlt. Es geht um Anstand in der Sache und­ nicht dieses öffentliche Ausziehen, damit auch jeder­ zwischen die Beine schauen kann. Im Kommentar steht:­ "Rechtfertigt der Verdacht, Semenya habe bei einer­ Leichtathletik-Weltmeisterschaft betrogen, indem sie­ ihr wahres Geschlecht verheimlicht habe, eine dermaßen­ pathologische Intimschau? Mann oder Frau oder beides.­ Es bedarf keiner Labortests und internationaler­ Diskussion um eines mal grundlegend festzuhalten:­ Semanya ist ein Mensch." Da stimm ich voll zu!

    Von felimini74, am Fr 11.Sep. 20:49
  20. @"fe(l)minini74...was meinst du wenn du schreibst,­ dass du kritisierst wie mit Caster umgegangen wird?? Du­ weisst es doch selber nicht. Caster wusste, dass er ein­ Zwitter ist. Caster wusste vielleicht auch, dass er als­ eine Marionette eingesetzt wird vom Verband. Caster hat­ aber MITgemacht und scheinheilig gelogen vor der­ Presser und so getan als sei er eine Frau! Das­ kritisiere ich an ihm! Und da jetzt die menschlichen­ Aspekte wie Rufschädigung sct das ganze halt...­ auftauchen... denkst du, dass Caster nicht von doesem­ Risiko wusste? Natürlich! Und aufgrund dessen würde ich­ Caster nicht in Schutz nehmen, sondern bestrafen!­ Aufgrund des glasklaren Betrugs!
    Das die IAAF nicht­ weisst, wie damit umzugehen ist scheint wohl so...­ dennoch sind das komplett zwei verschiedene parr­ Schuhe! Die IAAf hat Regeln, und die wurden wissentlich­ von umd mit Caster und dem Verband gebrochen! Was soll­ jetzt passieren? Was willst du... Freispruch weil die­ IAAF Regeln hat die nicht 100% genau sind? Betrug­ bleibt betrug.
    hahaha,... ;) Bolt ist auch ne gaaanz­ andere Geschichte! Ih mwurde nichts nachgewiesen =­ Unschuldsvermutung.
    Und glaub auch nicht, dass ein­ Grund wie der aus den armen Verhätnissen eine­ Entschuldigung dessen ist was passierte. Nein, denn in­ Südafrika kommen bedeutend viele Menschen/Sportler­ daher!
    @nico, stimme dir vollkommend zu! :)

    Von Cvcbvcbcb C, am Fr 11.Sep. 20:36
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