Eurosport - Sa 12.Sep. 16:49:00 2009
Das Finale des Shanghai Masters ist ganz nach dem Geschmack der chinesischen Fans: Die Nummer eins der Weltrangliste gegen die neue Nummer eins des chinesischen Snooker, Ronnie O'Sullivan gegen Liang Wenbo. "The Rocket" besiegte John Higgins 6:1. Wenbo setzte sich gegen Shaun Murphy 6:5 durch.
Das mit hohen Erwartungen befrachtete Duell zwischen der Nummer eins in der offiziellen Weltrangliste und der Nummer eins im Provisional Ranking nahm einen sehr taktisch geprägten Verlauf. Ronnie O'Sullivan und John Higgins sind immerhin die Weltmeister der letzten beiden Jahre, beide haben auch großen Respekt voreinander.
Fast hatte man den Eindruck, beide würden sich mit ihrer jeweiligen taktischen Klasse neutralisieren. Hohe Breaks waren so nahezu ausgeschlossen. Ronnie O'Sullivan bewies aber sehr viel Geduld und taktische Disziplin. Dies zusammen mit seinem besseren Lochspiel machten ihn zum verdienten Sieger, auch wenn der Erfolg vielleicht etwas zu hoch ausfiel.
"The Rocket" lässt Higgins keine Chance
Frame eins hatte sich O'Sullivan mit einer 73 geholt. John Higgins schien auf dem Weg zum Ausgleich, als er in Frame zwei dank einer taktischen Meisterleistung aus einem unmöglich erscheinenden Bild ein 40er-Break konstruierte, doch dann ließ er Pink genau im Loch liegen. Auch in Frame drei hatte Higgins durchaus seine Chance, verschoss aber nach 24 Punkten Schwarz. Eine 53 war am Ende genug für O'Sullivan für das 3:0. Higgins zeigte hier schon Wirkung ob der unnötigen Frameverluste. Im vierten Durchgang hatte "The Rocket" dann sogar eine sehr gute Chance für ein Maximum, verschoss aber die elfte Schwarze. Trotzdem ging er mit einem beruhigenden 4:0 in die Pause.
Den ersten Frame nach Wiederbeginn holte sich dann aber John Higgins, als er Pink als Double lochte. Doch damit hatte der Schotte nur die Höchststrafe vermieden; ein Comeback sollte ihm nicht gelingen. Im sechsten Frame führte Ronnie O'Sullivan nach einer 41 schon mit 54:0 und Higgins brauchte Snooker. Als er dann aber nach Rot nicht auch Schwarz lochen konnte gab er den Frame auf. In Frame sieben hatten beide einige Einstiegsmöglichkeiten, doch ein Break wurde nicht daraus. Dann aber kam O'Sullivan in die Bälle und machte eine 84 zum Frame- und Matchgewinn daraus.
Murphy unterliegt im Krimi
Das 6:5 von Liang Wenbo über Shaun Murphy war ein spannendes Match voller Rasse. Der UK Champion war als Favorit in dieses Duell gegangen, hatte er doch an den letzten Tagen für die überragenden Leistungen gesorgt. Im Halbfinale hatte Murphy aber nicht mehr diese Lochsicherheit, die ihn in den Runden zuvor ausgezeichnet hatte. Liang Wenbo dagegen knüpfte an seine guten Leistungen an. Natürlich ritt der 22-jährige auch wieder auf spektakuläre Art die Abteilung Attacke, aber er ergänzte das mit gutem Safe-Spiel und über weite Strecken klugem taktischen Verhalten.
Mit Breaks von 41 und 59 Punkten war Liang Wenbo mit 1:0 in Führung gegangen und holte sich mit einer 102 auch Frame zwei. Bis zur Pause aber hatte Shaun Murphy mit einem Top-Break von 78 den Ausgleich wieder geschafft. Nach Wiederbeginn blieb es ein spannendes Rennen: Liang legte immer vor, aber Murphy schaffte ebenso immer der sofortigen Ausgleich. Im Entscheidungsframe kam Liang dank eines 40er-Breaks auf 64:8 bei nur noch drei Roten auf dem Tisch.
Murphy lochte zweimal rot-schwarz und versuchte dann auf die letzte Rote zu snookern. Nach einigen Versuchen schaffte es Liang, die hinter Gelb in einer Ecke versteckte Rote in die Tasche zu schneiden und räumte dann auch noch den Tisch komplett zum viel umjubelten Sieg ab. Bonus für Liang Wenbo: Im Provisional Ranking kletterte er durch den Sieg auf Platz 13 und ist nun direkt vor Ding Junhui der beste Chinese.
TV-Tipp:
Die Snooker-Saison beginnt mit dem Shanghai Masters und Eurosport ist LIVE dabei. Vom 7. bis 13. September kommentiert Rolf Kalb das Geschehen aus der Shanghai Grand Stage. Zusätzlich zum TV-Angebot können Sie im Eurosport Player wie gewohnt die Spiele am zweiten Tisch im Live-Stream verfolgen.
Kommentare 1 - 8 of 8
Wenn Ronnie so spielt, ist er nicht zu schlagen. Ich denke schon länger, wenn Ronnie diese Ruhe immer ausstrahlen würde, dann würde er perfektes Matchsnooker spielen. Nur Ronnie will halt ein "Crowdpleaser" sein, und damit lässt sich seine Form oft nicht vereinbaren. Aber gegen solche Klassegegner wie Higgins hat er meistens die Disziplin und genug Durchhaltevermögen, nicht einfach drauflos zu ballern. Und folgerichtig gewinnt ers dann auch. Gegen Liang bin ich mal sehr gespannt, der dürfte weniger Ruhe ausstrahlen, sein erstes Finale verliert man oft. Aber so cool wie der wirkt, traue ich ihm zu Ronnie ganz schön zu hetzen. Das ist auf jeden Fall ein klasse Matchup, ich hoffe beide zeigen ihr A-Game, dann wird das ein Snookerfestival mit irrsinnigem Tempo und Pots :).
Man muß bei so einem Snooker-Match auch ganz klar sehen,
daß das Ergebnis nicht nur allein von Können und Form
abhängt. Das sind zwar schon die hauptsächlichen Dinge,
aber wie im Verlauf dieses Halbfinals zu sehen, gibt es wie
überall sehr viele Imponderabilien, die ein Match so oder so
ausgehen lassen können.
Also für mich ist dieses Finale eine echte Sensation. Murphy wirkte so souverän und Wenbo schien mir trotz seines Könnens noch nicht sicher und beständig genug um im Halbfinale bestehen zu können. Nicht lange her, da wurde er noch aufgrund seiner Unsicherheit, seiner Schüchternheit und seines wilden und offensiven Lochstils belächelt. Aber ab jetzt ist er wohl wirklich als ernster Gegner zu sehen, und jeder Sieg macht ihn selbstbewußter und stärker. Ronnie`s Sieg ist für mich ebenso überraschend, Higgins war in dieser Woche doch wirklich erschreckend gut. Wer hätte gedacht, dass er auch mal nen schlechten Tag haben würde! Aber Ronnie verspricht für morgen ein Finale, das als Werbung für den Snookersport in Erinnerung bleiben soll-uns kann es nur recht sein. Denn bei einem Match mit diesen beiden Protagonisten, sollte sich an den Bällen wirklich kein Staub ansetzen.
aber ronnie wird auch keine geschenke verteilen siehe sieg gegen ding
er ist voll bei der sache
Schade, dass mit John. Frage mich was mit ihm los war.^^
Für das Finale wünsche ich mir Liang Wenbo als Sieger, zunächst weil ich absolut kein Ronnie-Fan bin und zum 2. weil ich es angemessen finde würde, wenn ein Chinesischer Spieler auch das Chin. Turnier gewinnen würde! :)
Ronnie O'Sullivan sagte letztens im Interview, ihn hätte der WM-Titel zu Beginn der neuen Saison beflügelt und und viel Schwung und Motivation mit auf den Weg gegeben. Davon ist beim amtierenden WM leider zurzeit nicht viel zu spüren. Woran mag das liegen? Klar, ein Halbfinale zu erreichen ist nicht ohne, aber wie John Higgins dorthin gekommen ist, war eher wenig schwungvoll, vor allem für einen Spieler von seinem Kaliber. Schade, aber es war ja schon befürchtet worden, dass dieses Spiel vom Respekt der beiden Kontrahenten voreinander geprägt sein würde. Hoffentlich spielt Liang Wenbo morgen unbekümmert auf und lässt sich nicht vom Finale und seinem Gegner einschüchtern. :-)
meinen Sie statt "rasse" vllt "klasse"? :) guter artikel, gefällt :
Ronnies Leistung war heut nicht phänomenal, aber ein positiver Wink für Morgen. Er hat nicht immer perfekt gelocht, oder gestellt, aber durch seine Ruhe und Disziplin (auf die des öfteren vergeblich hofft) hat ihm heute den Sieg gebracht. Vielleicht ist er nicht der perfekte Ronnie O'Sullivan, wie er ihn gerne haben würde, doch ist er ein Ronnie O'Sullivan dem man mit Taktik und Disziplin diesen Titel zutrauen kann.
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