Eurosport - So 12.Jul. 19:43:00 2009
Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft hat im Viertelfinale bei Titelverteidiger Spanien zum 2:2 ausgeglichen. Der Augsburger Philipp Kohlschreiber gewann in Marbella einen Fünf-Satz-Krimi mit 6:4, 6:2, 1:6, 2:6, 8:6 gegen Fernando Verdasco, so dass die Entscheidung im Schlusseinzel fallen muss.
Dank Kohlschreiber ist für die deutsche Tennis-Nationalmannschaft eine Davis-Cup-Sensation in Spanien wieder möglich geworden. Die Nummer eins im DTB-Team schaffte in Marbella gegen Verdasco den erneuten Ausgleich, so dass die Entscheidung in der glühend heißen Stierkampfarena erst im Schlusseinzel fällt. "Es war saueng", sagte Kohlschreiber nach dem zweiten Matchball zum Triumph über Verdasco. "Ein Sieg im 5. Satz ist immer ein geiler Sieg", meinte der Augsburger, der auch seinen zweiten Einsatz gewann, nachdem er am Freitag gegen Tommy Robredo bereits für das 1:1 gesorgt hatte.
Bei Sieg wartet Israel
"Ich bin total kaputt, doch die Stimmung war super. Im dritten und vierten Satz hat man gesehen, was ich manchmal schlechter mache", sagte Kohlschreiber selbstkritisch. Die letzte und entscheidende Partie bestreiten Juan Carlos Ferrero und Neuling Andreas Beck. Bei einem Sieg würde das DTB-Team vom 18. bis 20. September zum Überraschungs-Halbfinalisten Israel reisen, der Russland ausgeschaltet hat.
Die Chance auf eine erfolgreiche Revanche für das 1:4 im Viertelfinale vor einem Jahr in Bremen eröffnete erneut der starke Kohlschreiber, der Verdasco bändigte. Der Weltranglisten-Neunte hatte zuvor sein erstes Einzel gegen Neuling Andreas Beck gewonnen und siegte am Samstag auch im Doppel mit Feliciano Lopez gegen Nicolas Kiefer und Mischa Zverev. Beim dritten Einsatz binnen drei Tagen wirkte der Davis-Cup-Triumphator des Vorjahres aber zunehmend m\xC3\xBCde.
Sieg nach 3:58 Stunden
Kohlschreiber machte anfangs dort weiter, wo er gegen Robredo aufgehört hatte und holte sich den einstündigen ersten Satz nach dem Break zum 5:4. Unter der Mittagssonne wirkte Verdasco danach beim dritten Einsatz binnen drei Tagen sehr müde. Umso unerklärlicher war die Wende, nachdem Kohlschreiber einmal nicht aufpasste und sein Service abgab. Die Nummer 29 der Welt verlor zehn der nächsten elf Spiele, während Verdasco die zweite Luft bekam. Kohlschreiber fing sich jedoch im fünften Satz. Der Augsburger schaffte schließlich nach 3:58 Stunden im siebten Vergleich den vierten Sieg gegen den Linkshänder, dem er zuletzt in Monte Carlo auf Sand unterlegen war.
Am Samstag hatte DTB-Teamchef Patrik Kühnen in Zverev auch den zweiten Debütanten in die stimmungsvolle Arena von Marbellas Vorort Puerto Banús geschickt, wurde für seinen Mut aber noch nicht belohnt. Während der 23-jährige Beck gegen Verdasco sein Potenzial andeutete, fand sich Zverev nie zurecht. "Nichts hat gestimmt", bekannte der 21- jährige Hamburger nach dem 3:6, 6:7 (1:7), 7:6 (8:6), 3:6 an der Seite des stärkeren, aber nicht überragenden Kiefer.
11.000 begeisterte Fans
Beim World Team Cup in Düsseldorf hatte er mit dem Routinier vor heimischem Publikum noch alle seine vier Partien gewonnen, doch die keineswegs giftige Auswärtsatmosphäre vor 11 000 begeisterten Fans behagte Zverev nicht. "Es war nie ruhig bei den Aufschlägen. Es war laut, es war unangenehm", berichtete der Linkshänder. "Irgendwann wird man in so ein Match geworfen", meinte der enttäuschte Kiefer, der mit Blick auf die Stimmung von einem seiner größten Davis-Cup- Matches sprach und hoffte, dass Zverev daraus lernen kann.
Thomas Haas unterstrich, dass er sich nach zwei Jahren Auszeit eine Rückkehr ins Davis-Cup-Team vorstellen kann. "Ich habe das Thema noch nicht abgeschrieben. Aber ob und wann ich wieder Davis Cup spiele, kann ich noch nicht sagen", erklärte der 31-Jährige in der "Welt am Sonntag". Der Wimbledon-Halbfinalist ist auf Platz 19 wieder bester Deutscher in der Weltrangliste. Für das Viertelfinale hatte Haas frühzeitig mit der Begründung abgesagt, einen Einsatz auf dem ungeliebten roten Sand in Spanien tue er sich und seiner Schulter nicht an.
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