Golden League Rom - Hoch, höher, Issinbajewa

Eurosport - Sa 12.Jul. 12:38:00 2008

45 Minuten vor Mitternacht waren alle Augen im Stadio Olimpico nur auf sie gerichtet. Und als Jelena Issinbajewa in den Nachthimmel abhob, die Latte bei 5,03 Meter überquerte und mit einem Glücksschrei wieder landete - da gehörte der besten Stabhochspringerin der Welt auch der Beifall ganz allein.

ATHLETICS 2008 Russia's Yelena Isinbaeva reacts after setting the new World record at the pole vault competition at the Track and Field Golden Gala meeting in Rome - 0

Der Star war den Sternen wieder ein kleines Stück näher gekommen, die Russin aus der Heldenstadt Wolgograd ließ sich am späten Freitagabend beim Golden-League-Meeting feiern und posierte vor der Anzeigetafel: "503" - Weltrekord Nummer 22 für "Frau Bubka".

Fast drei Jahre mussten Issinbajewa, ihre Fans und ihr neuer Trainer Vitali Petrow auf diesen Sprung warten. Am 12. August 2005 hatte sie in einem anderen Olympia-Stadion 5,01 Meter gemeistert: WM-Gold mit Weltrekord in Helsinki. Danach folgten zwei Jahre voller Probleme, an die sich Jelena Issinbajewa nicht so gern erinnert. Den 11. Juli 2008 wird die in Monaco lebende und im italienischen Formia trainierende Athletin sicher nicht so schnell vergessen: Als die Latte beim zweiten Versuch über 5,03 Meter liegen blieb, fielen Zentnerlasten von der 26-Jährigen ab: "Ich bin so glücklich, so entspannt. Ich habe meine Technik umgestellt, meinen Trainer gewechselt, mein ganzes Leben verändert. Heute fühle ich mich wie die alte Issinbajewa."

Zwei magere Jahre

40 Tage vor dem olympischen Stabhochsprung-Finale in Peking dürfte der Konkurrenz um Jennifer Stuczynski (USA) klar geworden sein, dass Issinbajewa nicht die Luft ausgegangen ist. Nach zwei mageren Jahren, in denen sie im Freien nur 4,91 Meter meisterte, ist sie im Olympia-Jahr 2008 wieder da. Hallen-Premiere am 16. Februar in Donezk: 4,95 Meter - Weltrekord. Freiluft-Saisondebüt am 11. Juli in Rom: 5,03 Meter - Weltrekord. "Ich war so wütend, weil alle nach Stuczynskis 4,92 Metern gesagt haben: Issinbajewa ist am Ende, wir haben einen neuen Star."

Der neue Star ist der alte, und Issinbajewa ist mit ihrem Springer-Latein längst nicht am Ende. Immer wieder wird sie auf ihr sportliches "Lebensziel" angesprochen: Die Zahl der 35 Weltrekorde ihres Freundes, Vorbildes und Mentors Sergej Bubka (Ukraine) zu übertreffen. In Rom hat sie allen gezeigt, dass der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde kein Traum bleiben muss. "Ihr habt doch gesehen, dass ich die Latte nicht gestreift habe - ich war deutlich drüber. Mein Ziel ist es, 36 Weltrekorde zu springen", sagte Issinbajewa, die bis zur "Operation Gold" in Peking nur noch drei Wettkämpfe bestreiten will.

Aus Quintett wird Duo

Im Glanz des Superstars verblasste alles andere, denn neben dem Weltrekord gab es nicht eine Jahresweltbestleistung. Aus dem Quintett der Jackpot-Kandidaten wurde ein Duo, das nach der "Halbzeit" noch um die Dollar-Million kämpft: Hochsprung-Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien/2,00 Meter) und Kenias erst 18 Jahre alte 800-Meter-Läuferin Pamela Jelimo (1:55,69 Minuten). Aus dem Rennen sind dagegen die Spanierin Josephine Onyia (6. über 100 Meter Hürden), der US-Amerikaner Bershawn Jackson (2. über 400 Meter Hürden) und Hussein Al-Sabee aus Saudi-Arabien (3. im Weitsprung).

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg sorgte als Dritte für das beste Ergebnis im Mini-Team der lediglich vier deutschen Starter: Mit 4,70 Metern stellte die 22-Jährige aus Leverkusen eine persönliche Bestleistung auf. Zum deutschen Rekord von Annika Becker (Rotenburg/Bebra) fehlen der EM-Sechsten jetzt noch sieben Zentimeter - Issinbajewa schwebt längst in anderen Sphären.

dpa / Eurosport

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