Eurosport - Fr 13.Jun. 14:20:00 2008
Der Skandal um Tom Boonen hat die Radsportwelt in Aufruhr versetzt. Klaus Angermann, jahrelang am Eurosport-Mikrofon und insgesamt 41-facher Berichterstatter von der Tour de France, kommentiert die Kokain-Affäre des Belgiers.
Nun haben wir auch noch den "Fall Boonen"! Belgiens Radsport-Idol genügt anscheinend das "Pintje" nicht mehr - das kleine Bierchen wird durch Rauschgift ersetzt. Kokain. Ist das etwa "die geheime Peitsche", die den 27-Jährigen in Flandern und Roubaix zum Triumphator werden, den Weltmeistertitel und das Grüne Tour-Trikot gewinnen ließ?
Die Welt des Radsports ist um einen Zweifel reicher. Zu einem Zeitpunkt, wo da und dort, auch hierzulande, die Brandspuren, die Landis, Rasmussen, Winokurow und andere hinterlassen haben, einem ersten zarten Grün zu weichen scheinen.
Als "eine Jugendsünde" will Eric Boyer, Ex-Rennfahrer und Manager des Cofidis-Teams, Boonens Kokainspuren verstanden wissen. Ist der Franzose noch bei Trost? Einem 17-Jährigen ließe man das vielleicht noch durchgehen, als kleinen "Koks-Test" oder so ... aber keinem, der 27 ist, Monsieur!
Auch, dass "Tornado Tom" nicht im Rennen, sondern als Privatmann ertappt wurde, ist keine Entschuldigung wie sie Teamchef Patrick Lefevere gerne unters Volk bringen möchte. Dabei weiß der Quick-Step-Manager nur zu genau, welche Vorbildfunktion sein Edel-Renner gerade in Belgien hat. Die Flamen himmeln ihren Tom an, vergöttern ihn. Außerdem schien Lefevere vor gar nicht langer Zeit schon selbst von Zweifeln geplagt zu sein, als er - zu Doping befragt - sagte "nicht einmal für Tom kann ich die Hand noch ins Feuer legen" (in Het Nieuwsblad, Brüssel).
Nun hätte diese Hand tatsächlich Brandflecken bekommen. Nicht nur vom Kokain; nein Belgiens Radsportheld scheint auch ein Verkehrsrowdy zu sein. Anders kann ich einen, der statt 90km/h zu fahren mit 180 geblitzt wird und dazu noch ein Promille intus hat, nicht bezeichnen. Unsereinem, so enthemmt in Belgien erwischt, wäre an Ort und Stelle das Auto stillgelegt worden.
Taktisch klug hat Boonen ganz schnell die Flucht nach vorn angetreten und sich in einer Pressekonferenz bei Freunden und Verwandten entschuldigt; Lefevere verkündet am gleichen Tag stolz die Vertragsverlängerung mit dem Sponsor. Und ich Naivling hätte mir gewünscht, dass der Sünder, auch wenn er "nur" gegen die Moral verstoßen hat, erst einmal von der Teamleitung für die nächsten großen Rennen suspendiert würde. Das haben dafür ganz schnell die Direktoren von Tour de Suisse und Tour de France getan und Quick Step klar gemacht, dass sie ihre Traditionsrennen nicht mit dem Kokainsünder Tom Boonen belasten möchten.
Chapeau! Die Antwort kann deutlicher nicht sein. Aber wann endlich kapieren gewisse Rennfahrer und ihre Manager den Ernst der Lage? Mag Kokain auch nur eine Modedroge sein; im Sport darf sie nie und nimmer als "in" akzeptiert werden. Gerade in Belgien sollte man die Nase voll von solchen Dingen haben. Die Beispiele Vandenbroucke und leider auch Museeuw - dessen Verfahren die Langlebigkeit eines Bandwurms entwickelt - sind eigentlich Ernüchterung genug. Der eine als verglühte Sternschnuppe; der andere als entzauberter Stern. Und nun auch Tom Boonen? Eddy Merckx wird traurig sein.
Kommentare 1 - 10 of 10
es geht doch nur um's ganz grosse geld freunde, und da gehoeren kokain und ecstasy genauso dazu wie kaviar und champagner...........halt vorbild fuer die jugend von morgen...............
Ich weiss nicht was Koks mit Doping zu tun hat.Bonnen hat sich eineDroge einge-
pfiffen die strafrechtlich verfolgt wird aber mit EPOoder Testertrone und Asthma-
mittelnun garnichts zu tun hat.Die Langzeitwirkung ehlt doch irgendwie oder?
pits_bar
Es muss doch unterdessen jedem klar sein, dass der Radsport sich solche Dinge nicht mehr erlauben kann. Die Sponsoren, die Zuschauer, die Veranstalter, die Medien wenden sich ab. Das ist zumindest für den professionellen Teil des Radsports ganz übel.
Die Regeln des Sports und der Sportarten sind einzuhalten. Dazu gehören auch die Dopingregeln. Wer sich nicht daran hält, ob er Ullrich oder Boonen heißt, ist nach den Regeln des Sports zu bestrafen - natürlich auch nach dem Strafrecht des jeweils zuständigen Landes. Wenn die Regeln für Amphetamin auch beim (Ab-)trainieren eine Dopingsperre vorsehen, dann ist das eben so. Wenn Kokainkonsum in der Vorbereitungsphase eines Rennen sportrechtlich nicht geahndet wird, dann ist das eben so. Aber auch die privaten Veranstalter von Profiradrennen können und müssen diese Problembären des Sports ausschließen. Das war und ist bei den Astanas, bei Basso und bei Ullrich der Fall. Boonen ist folglich bei der Tour de Suisse und bei der Tour de France unerwünscht. Richtig so.
Ein bekannter Richter sagte einmal, die Dummen werden nicht alle.
Genauso ist es für die jenigen die Glauben das Sport mit Hochleistung ohne Zusatzstoffe geht.
Also sollte Boonen etwas gegen Regeln genommen haben, soll er nach Regeln bestraft werden.
Menschjägerei wie in Deutschland sollte vermieden werden, denn verdienen an dieser Angelegenheit tut nur die Presse.
Also man sollte die Angelegenheit sachlich behandeln
ah. Nun, vielleicht weil es am ENDE der Saison war und nicht wie bei Boonen mitten drin und Tage vor dem Start der Tour?
Und steht Schumacher schon im Aufgebot?
Zu Schumacher:
"Lefevere zeigte Verständnis für die “Null-Toleranz”-Politik der ASO, verglich den Fall seines Kapitäns aber mit dem von Stefan Schumacher (Gerolsteiner), der im vergangenen Jahr nach der WM in Stuttgart nach einem Autounfall unter Alkoholeinfluss Fahrerflucht begangen hatte und danach von der Polizei positiv auf Amphetamine getestet worden war. Wie bei Boonen war der positive Test aber nicht als Dopingfall gewertet worden"
was war denn nun genau mit Schumacher und wann?
Das war ja schon längere Zeit im Gespräch, daß Boonen oft im Schnee herumstöbert. Aber sein Team verstehe ich nicht. Warum reagieren sie nicht? Supersprinter hin oder her, aber in einem Sport haben unerlaubte Substanzen nichts verloren. Wo bleibt dann die Vorbildfunktion der Sportler, wie Boonen, der ja ein Volksheld ist. Ich wäre als Flame enttäuscht, verärgert, wütend. Wen kann man noch trauen? Die bisherigen Siege - hat man da überhaupt richtig reagiert und nicht schon vorher ein Fragezeichen gemacht. Und Schumacher wird überhaupt nicht belangt. Da hat Gerolsteiner genauso wie Quick Step jetzt alles unternommen, um zu beschönigen. Eine Farce!
links? So von wegen 'speed user'?
Aber nehmen wir doch mal Ullrich. Der war verletzt, konnte gar keine Rennen bestreiten, hat in einer Disko Pillen geschmissen ('eine') und wurde prompt erwischt und gesperrt. Wie paßt das?
Boonen ist 'fahrtüchtig' und wird nicht gesperrt, Ullrich war nicht fahrtüchtig und wurde. Das soll mal jemand verstehen.
Sehr interessant und auch begrüßenswert diese scharfen worte gegen Boonen.
Aber wo waren eben diese Worte bei Speed-User Stefan Schumacher?!
Leider werden heimische Sportler immer noch viel zu sehr unter Schutz genommen und politisch gedeckt. Für auffällige Blutwerte darf man zur Belohnung 3. bei der WM werden. Bei anderen Sportlern, bei denen keine Fakten sondern nur Vermutungen bestehen/bestanden (Bettini und andere), wurde mit allen Mitteln versucht, sie von der Teilnahme abzuhalten und somit ein eigentliches Sportspektakel in eine Farce zu verwandeln.
Der Sport steckt leider noch immer im klaten Krieg und jeder Staat versucht nur durch seine Sportler sich selbst ins Ramplenlicht zu stellen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Ich will hier nicht die Sportler in Schutz nehmen, letztlich sind sie es die Entscheiden.
Aber diese Heuchelei gegenüber anderer Sportler ist einfach nicht mehr ertragbar. Boonen wird nun von seinem Team unter Schutz genommen. Eigentlich nichts anderes, was auch bei Gerolsteiner passiert ist. Keine Suspendierung oder durchgreifende Strafe durch Dopingbekämpfer Holzer. Ich versteh die Welt nicht mehr!
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