Eurosport - Mo 12.Mai. 12:52:00 2008
Ferrari setzt in der Formel 1 weiter die Duftmarken, doch Jäger McLaren-Mercedes hat beim Großen Preis der Türkei die Witterung im WM-Rennen wieder aufgenommen. Felipe Massa schwang sich mit seinem Sieg-Hattrick im Istanbul Speed Park zum Herrscher am Bosporus auf.
Lewis Hamilton schob sich mit einer ungewöhnlichen Drei-Stopp-Strategie im Silberpfeil zwischen die roten Renner. "Insgesamt hat Ferrari noch die Nase vorn. Nur: Es ist ein Unterschied, ob die Nasenlänge ein halber Kilometer, ein Kilometer oder 100 Meter lang ist", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Vizeweltmeister Hamilton hatte den finnischen Ferrari-Champion Kimi Räikkönen auf Rang drei verwiesen.
Vierter wurde Robert Kubica vor seinem BMW-Sauber-Kollegen Nick Heidfeld. Der Mönchengladbacher war damit bester der fünf deutschen Piloten, die erstmals in dieser Saison alle ins Ziel kamen. Im WM-Rennen mit Ferrari und McLaren-Mercedes wähnen sich die Weiß-Blauen ebenfalls weiter auf der richtigen Fährte. "Ich sehe das weiter als Dreikampf", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, dessen Team nach dem Grand Prix in der Türkei den zweiten Rang (44 Punkte) in der Konstrukteurswertung hinter Ferrari (63), aber vor McLaren-Mercedes (42) verteidigte. In der Fahrerwertung behält Räikkönen mit 35 Zählern die Nase vorn, gefolgt von Massa und Hamilton mit je 28 Punkten.
McLaren ist Ferrari auf den Fersen
Vier Siege in den bisherigen fünf Rennen - doch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali trat an seinem 43. Geburtstag trotz des Auftritts von Pole-Mann Massa auf die Euphorie-Bremse. "Ich denke nicht, dass die Formulierung 'dominieren' korrekt ist. Man muss sich nur einmal die Gesamtwertung anschauen. Die Situation ist sehr eng. Das Rennen in der Türkei hat gezeigt, dass unsere Konkurrenten sehr nahe dran sind."
Zumindest McLaren-Mercedes. Die silbernen Strategiespielchen sorgten in einem eher faden Rennen in Istanbul für etwas Spannung. Dreimal fuhr Hamilton an die Box - geplant. Offizielle Begründung: Die Team-Verantwortlichen wollten kein Risiko eingehen, nachdem der Brite als einziger der 20 Piloten im ersten Rennen nach dem Aus von Rennstall Super Aguri Probleme mit den Reifen gehabt hatte.
Das Vorhaben ging nur halb auf, weil der Vizeweltmeister in der Qualifikation trotz weniger Benzin an Bord nur Dritter geworden war und nicht wie erhofft auf der Pole gestanden hatte. An Massa kam Hamilton im Rennen nicht heran, obwohl er ihn in der 24. Runde einmal überholen konnte. Dafür hielt er Räikkönen in Schach. "Ich glaube, das war mein bestes Rennen überhaupt", meinte Hamilton.
Wiederauferstehung für Massa
Großer Türkei-Triumphator war aber Massa. "Ich denke, ich kann jetzt den türkischen Pass beantragen", scherzte der Brasilianer nach seinem Hattrick am Bosporus. Drei Siege nacheinander auf derselben Strecke - das gelang zuletzt seinem einstigen Ferrari-Lehrmeister Michael Schumacher. Massa dachte im Moment des Erfolges aber an zwei andere Personen: "Ich möchte den Sieg zwei Menschen widmen: meiner Mutter wegen Muttertag und Stefano Domenicali, der Geburtstag hat."
Massa, dessen Ferrari-Team sah sich vor dem Rennen Verdächtigungen ausgesetzt sah, durch "Motortuning" ein paar PS mehr verschafft zu haben, erlebt indes so etwas wie seine sportliche Wiederauferstehung nach seinem desaströsen Saisonstart. Nullnummern in Australien und Malaysia riefen lautstarke Kritiker auf den Plan, die nach dem zweiten Saisonsieg des Südamerikaners erst einmal verstummt sind. Stattdessen gab es auch Lob von der internationalen Presse. "Massa ist der Sultan von Istanbul", titelte "La Gazzetta di Modena". "Massa ist auf seiner Glücks-Rennstrecke einfach unschlagbar", befand "El País" aus Spanien.
Erstmals alle Deutschen im Ziel
Am Duft des Erfolges darf aus der deutschen Fahr-Gemeinschaft nur Heidfeld schnuppern. Doch der von Heuschnupfen geplagte Gladbacher muss zunächst einmal seinen Teamkollegen Kubica in den Griff bekommen. "Das ärgert einen natürlich, wenn der Teamkollege vor einem ist", meinte Heidfeld, der am Samstag 31 Jahre alte geworden war.
Die anderen vier Kennzeichen-"D"-Piloten fuhren ebenfalls durchwachsene Ergebnisse ein. Immerhin kamen erstmals alle ins Ziel. Nico Rosberg durfte sich im Williams als Achter über einen Punkt freuen, Timo Glock wurde im Toyota 13.. Adrian Sutil schaffte im Force India zum zweiten Mal in dieser Saison eine Zielankunft und belegte den 16. Rang vor Sebastian Vettel. Das 20 Jahre alte Talent erlebte ein verkorkstes Rennen im Toro Rosso. Immerhin sah er das erste Mal in diesem Jahr die Zielflagge.
dpa / Eurosport