Eurosport - Mo 12.Mai. 11:36:00 2008
Selbst Jens Lehmann überraschte mit einer Huldigung seines langjährigen Erzfeindes. Oliver Kahn schwebt auf seiner Abschiedstournee auf einer Welle der Zuneigung.
Im "Aktuellen Sportstudio" ließ Kahn die Höhepunkte seiner einzigartigen Laufbahn im Anschluss an sein 428. Bundesliga-Spiel für Bayern München noch einmal Revue passieren. Beim Kapitel "Konkurrenzkampf Lehmann/Kahn", welches in der Degradierung des dreifachen Welttorhüters zur Nummer zwei bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gipfelte, meldete sich Jens Lehmann mit warmen und respektvollen Worten an seinen sichtlich bewegten Torwart-Kollegen:
"Hallo Oliver, jetzt hörst Du also auf. Ein wenig eher als ich, aber Du bist ja auch ein bisschen älter. Bei aller Rivalität muss ich sagen, dass mir Deine Einstellung immer sehr imponiert hat. Das hat mich nie den Ansporn verlieren lassen, super hart zu trainieren. Denn ich wusste immer, da ist jemand in München, der ebenfalls sehr hart oder sogar noch härter trainiert als ich, um das Ziel, der Beste sein zu wollen, zu erreichen. Das hat mir während unseres Konkurrenzkampfes seit 1998, als ich zur Nationalmannschaft gestoßen bin, sehr geholfen, mich selbst zu verbessern und auch mit der Konkurrenzsituation in meinem jeweiligen Verein fertig zu werden. Dafür danke ich Dir und wünsche Dir natürlich alles Gute für die Zukunft."
Kahn spielte den Ball zurück und erklärte, das Verhältnis der beiden besten deutschen Keeper im letzten Jahrzehnt sei "sicher nicht ganz so schlecht gewesen, wie es immer geredet wurde." Das eine oder andere Mal habe man sich gar über die Situation unterhalten. Kahn sah in Lehmann ebenfalls eine wichtige Stütze seiner Karriere, "das eigene Niveau immer noch ein Stück nach oben zu pushen". "So waren wir stets motiviert und das ist enorm wichtig. Ich habe jetzt wieder gemerkt, wie die Motivation in den letzten Spielen in den Keller geht, wenn man schon Meister ist", sagte Kahn.
Der Champions-League-Sieger von 2001 ließ die Geheimnisse der ehemaligen Konkurrenten nach der ehrlichen Laudatio Lehmanns mit einem typischen Kahn offen und konnte sich dabei ein spitzbübisches Lächeln nicht verkneifen: "Deshalb waren solche Sachen letztlich für unser beider Leistung auch förderlich" - was immer der sprachgewandte "Sympathikus" mit "solchen Sachen" auch gemeint hat.
Thomas Janz / Eurosport