2. Bundesliga - 1860: Ziffzer vor Rauswurf

Eurosport - Mo 12.Mai. 17:36:00 2008

Auch nach dem gesicherten Klassenverbleib kehrt bei 1860 München keine Ruhe ein - im Gegenteil: Der Konflikt zwischen Präsidium und Geschäftsführung ist eskaliert. Nach einer beispiellosen verbalen Attacke gegen Präsident Albrecht von Linde steht Geschäftsführer Stefan Ziffzer kurz vor dem Rauswurf.

FOOTBALL 2005-2006 Bundesliga 2 1860 München Ziffzer - 0

"Ich gehe davon aus, dass ich morgen meine Kündigung erhalte", sagte Ziffzer.

Der Geschäftsführer hatte Linde am Sonntag im Stadion in einer Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel heftig angegriffen und den Präsidenten bei seiner verbalen Abrechnung sogar als "Schande" für den Verein bezeichnet. Daraufhin hatte ihm Linde, der Ziffzers Rede im VIP-Bereich der Allianz Arena verfolgte, mündlich die "fristlose Entlassung" ausgesprochen. Ziffzer saß am Montag dennoch in der 1860- Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße an seinem Schreibtisch.

"Groß vereinsschädigend"

Die Kündigung des Vertrages, der bis zum 30. Juni 2010 läuft, ist erst rechtskräftig, wenn sie schriftlich erfolgt und von mindestens zwei der drei Präsidiumsmitglieder Linde, Karsten Wettberg und Franz Maget unterzeichnet wurde. Dies scheint nur noch Formsache zu sein. "Ziffzer hat nie gewusst, wer Koch und wer Kellner ist", sagte Linde am Sonntag. "Er ist gefeuert. Wir wissen auch, wie es ohne ihn weitergeht." Auf der Internetseite der Münchner Abendzeitung wurde Wettberg zitiert, dass es für Ziffzer "kein Zurück" mehr gebe. "Was er gemacht hat, ist groß vereinsschädigend." Ziffzer konterte, das Präsidium habe "vom ersten Tag an nichts anderes vorgehabt, als mich hier herauszuschießen".

Der Konflikt um die schlechte Rückrunde des Teams und die finanzielle Krise des Vereins ist eskaliert, nachdem das Fachmagazin "kicker" berichtet hatte, Stefan Reuter stehe als sportlicher Geschäftsführer bereits vor Ende seines Vertrages am 30. Juni 2009 vor der Ablösung. Diese Meldung nicht dementiert zu haben, wertet Ziffzer entweder als "schlampiges Verhalten" oder ein "frühzeitiges Distanzieren" von Reuter. "So, wie es der Herr Präsident und sein Stellvertreter machen, ist das eine Sauerei und zeugt von mangelndem Rückgrat und mangelndem Charakter", sagte Ziffzer.

Reuter überrascht

Reuter hatte die "Art und Weise" der verbalen Attacke seines Geschäftsführer-Kollegen Ziffzer "überrascht", wie er am Montag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in München erklärte. "Er hat emotional reagiert", meinte Reuter: "Es sind in der nächsten Woche extrem viele Gespräche nötig, um die Situation zu klären und die Weichen zu stellen." Der Manager bekräftigte nach der Pressekonferenz, dass er dem Verein treu bleibt: "Ich mache auf jeden Fall weiter."

Die Mannschaft knüpfte beim Remis gegen Osnabrück vor 32 000 Zuschauern in der Allianz Arena nahtlos an die enttäuschenden Ergebnisse und Leistungen der Rückrunde an. Den Führungstreffer der Niedersachsen durch Rouwen Hennings (38.) konnten sie durch Berkant Göktan wenigstens noch ausgleichen (55.).

dpa / Eurosport