Eurosport - Mo 12.Jan. 10:06:00 2009
Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für uns einen Blick hinter die Kulissen. Heute: Von wegen Ruhetag.
"Nach der Arbeit sollst Du ruh'n, oder tausend Schritte tun" rät der Volksmund. Als Tim und Tom Coronel gestern Abend ins Biwak fuhren, waren sie so müde, dass sie keinen einzigen Schritt mehr machen konnten. Zum Schlafen zu müde wäre eine weitere Beschreibung des Zustands der beiden. Dennoch hatten beide ein breites Grinsen im Gesicht.
Ihr Bowler Nemesis mit der Startnummer 354 war von oben bis unten mit Staub, Lehm, Sand und Mücken verdreckt. Ebenfalls ihre Gesichter, mit Ausnahme der Mücken. Tom lässt mich ins Auto steigen, damit ich mir selbst einen Überblick verschaffen kann, wie dreckig es da drin ist. Auf dem Bodenblech liegt soviel feiner Staub, dass man Hände voll daraus schöpfen kann.
Die Amaturen sind kaum zu lesen, im Auto zu atmen fällt schwer, dick ist die Luft. Dennoch sind die Zwillingsbrüder zufrieden. "Das ist der teuerste Urlaub meines Lebens", erzählt mir Tom vor meiner Kamera. "Man schläft kaum, man muss sein Auto ausgraben, man kann sich kaum waschen. Normalerweise bin ich um die Zeit beim Skifahren", beschreibt er seine erste Dakar. Sein T-Shirt trägt er verkehrt herum, damit musste er nämlich den feinen Staub von der Innenseite der Frontscheibe wischen.
Er hoffe, sie nicht noch einmal fahren zu müssen. Das Ziel ist einzig und allein Buenos Aires. In den Top 20 waren sie schon einmal auf einer Etappe, das reicht ihnen. Tom ist den Eurosport-Zuschauern aus der WTCC bekannt, wo er dieses Jahr seinen ersten Sieg im SEAT einfahren konnte. Sein Bruder Tim fährt schon länger Rallyes, der Bowler ist sein Eigentum. "Wenn ich ankomme, muss ich es nicht noch einmal versuchen. Schaffen wir es nicht, dann muss ich eventuell nochmals ran", meint Tom.
"Wir machen uns eine gute Zeit. Tom filmt immer mit seiner Digitalkamera und abends schauen wir uns dann die Videos an", erzählt mir Tim am Ruhetag. Sie werkeln fleißig am Auto mit den Mechanikern, geben ein paar Interviews und duschen endlich mal wieder. Auch Rasieren war eine Wohltat. Dann schauen wir uns gemeinsam seine Bilder auf dem Laptop an.
"Ich war noch nie in den Dünen", zeigt sich Tom begeistert und seine Augen strahlen. Bisher ist Tim da gefahren, weil er mehr Erfahrung hat. Man kann da richtig surfen, das Auto darf nicht zum Stehen kommen. Schafft man die Düne nicht, fährt man seitlich entlang und nimmt in einem Kreis nochmals Anlauf." Das alles braucht viel Erfahrung, die der WTTC-Fahrer noch nicht hat.
"Zweimal hat er mich sogar auf den Dünen-Kamm hochgejagt, der Tim. Das man hier als Beifahrer auch laufen muss, war mir nicht klar, sonst wäre ich nicht gekommen", lacht er. Ab morgen fährt er dann auch wieder, beide wechseln sich ab.
Da waren sie dann doch noch, die 1000 Schritte. Wenn auch nicht nach der Arbeit.
Eurosport-TV informiert Sie täglich live ab 19:15 Uhr und 23:00 Uhr aus dem Biwak der Dakar mit Interviews, News und allem Wissenswerten rund um die berühmteste Rallye der Welt. Während der Etappe können Sie das Geschehen zudem bei eurosport.yahoo.de im Live-Ticker mitverfolgen.
Kommentare 1 - 2 of 2
Einfach toll, aus kindheitstraum ist wahrheit geworde. Aber Tom hat sich das Bestimmt nicht so hart vorgestellt.
ich wünsche meinen lieblings zwillingsbrüdern alles gute. und viel ervolg in ihren Rennserien. Besonders Tom in der WTCC.Toller bericht
War ein sehr lustiger und stimmungsvoller Bericht. Tolle Typen. Hoffe Sie halten durch.
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