Eurosport - Mo 05.Okt. 15:58:00 2009
Die deutsche Spitzen-Leichtathletik wird von immer weniger Kraftzentren gespeist. Seit Anfang Oktober hat die Salamander AG das Sportsponsoring für die LAZ Kornwestheim-Ludwigsburg eingestellt und damit das Ende eines Standortes für Weltklasseathleten besiegelt.
"Auf der Ebene der Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spiele werden wir in den nächsten Jahren keine Leichtathleten aus Kornwestheim mehr vertreten haben", bedauerte Hanspeter Sturm, der seit 1955 die Leichtathletik-Abteilung führt, der bis zuletzt Topsprinter Tobias Unger angehörte. "Da bricht ein Stück meines Lebenswerks zusammen."
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sorgt sich um die immer kleiner werdende Zahl von starken Großvereinen. "Unser größtes Strukturproblem ist, dass wir zu wenige Großclubs haben, die Leistungssportler fördern und finanziell absichern können", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Diese Sorge teilt Paul-Heinz Wellmann, Vertreter der Spitzenvereine im DLV und Geschäftsführer des TSV Bayer Leverkusen: "Es gibt nur noch vier bis sieben Clubs, die dazu in der Lage sind." Dazu gehören Bayer, der TV Wattenscheid 01, Eintracht Frankfurt, LAZ Leipzig oder der SC Potsdam.
Traditionsvereine spielen keine Rolle mehr
"Traditionsvereine wie 1860 München oder der Hamburger SV spielen gar keine Rolle mehr", stellt Wellmann fest. "Und im Osten ist es noch schwieriger. Aus Chemnitz und Neubrandenburg kommt fast gar nichts mehr." Das ganz große Interesse an der Leichtathletik sei in diesem Land verloren gegangen, wobei die Heim-Weltmeisterschaften in Berlin mit neun deutschen Medaillen etwas Hoffnung geschürt hätten.
"Die Leichtathletik hat nach dem Olympia-Desaster 2008 in Peking an Stellenwert verloren. Deshalb hat die WM gut getan", sagte Michael Huke, Sportwart und 2. Vorsitzender des TV Wattenscheid 01. "Wir haben aber noch viel zu tun, um uns besser aufzustellen." Sein Club stehe auf einer soliden finanziellen Basis. "Wir haben keinerlei Schwierigkeiten, den Haushalt zu gestalten", so Huke.
TV Wattenscheid 01 positive Ausnahme
Rund 30 Athleten leisten sich die Wattenscheider, darunter eine Hand voll Stars wie die zweimalige London-Marathon-Siegerin Irina Mikitenko und 10 000-Meter-Europameister Jan Fitschen. Als einer der wenigen Verantwortlichen eines Leichtathletik-Clubs in Deutschland blickt er positiv in die Zukunft: "Ich bin absolut sicher, dass wir es schaffen werden. Wir haben genug Talente, um zehn bis 15 Medaillen bei einer WM zu gewinnen." Wie schnell es bergab gehen kann mit einem Verein, zeigte das Beispiel der benachbarten LG Olympia Dortmund, die einst zu den Top-Adressen zählte und heute keine Rolle mehr spielt. Skeptisch ist auch Sturm, ob die Berliner WM wirklich den Aufschwung bringen wird: "Von diesem Rückenwind merke ich nichts."
Um die sportliche Zukunft ringen muss auch das LAZ Leipzig. "Wir erfahren vor Ort große Unterstützung, sowohl durch die Stadt als auch durch unsere Sponsoren. Aber beide sind 'ausgeknietscht', es ist nicht mehr viel möglich", bekennt LAZ-Geschäftsführer Knut Iwan. "Wir stagnieren. Alles wird teurer. Wenn kein Wunder geschieht, werden wir den Leistungssport in dieser Form nicht mehr weiter betreiben können." Dies sei kein Gejammer: "Das ist Fakt." Vom DLV und Landesverband gäbe es Unterstützung für die LAZ, die drei Starter bei der WM in Berlin hatte, aber es reiche nicht. "Derzeit sind unsere Aushängeschilder fünf Hürdensprinter und zwei Werfer. Mehr können wir uns nicht leisten", sagte Iwan. "Aber irgendwann sind wir am Punkt X - dann geht's nicht weiter."
Dafür sorgte der größte unter den Leichtathletik-Vereinen, die TSV Bayer Leverkusen, für ein positives Signal. Nachdem die Bayer AG 2007 angekündigt hatte, die Förderung 2009 drastisch zu senken, sicherten Wellmann und Co. mit zusätzlich angeworbenen Sponsoren und Förderern den Spitzensport zumindest bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London. "Das Eis war dünn geworden, doch nun stehen wir wieder auf Packeis", sagte Bayer-Abteilungsleiter Joachim Strauss, dessen Club Heimstätte von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius und der WM- Zweiten im Siebenkampf, Jennifer Oeser, ist.
Kommentare 1 - 2 of 2
Die Verbandsoberen sitzen auf ihrem Amtsschimmel ,haben aber noch nicht gemerkt das der schon nicht
mehr lebt!
Vielleicht stört die "KRAFTZENTREN" die Hinterhältigkeit der LA, dass nun fast jeder dopt und sich trotzdem an Zeiten, Weiten und Höhen berauscht und keiner mehr wahrhaben will das alles Betrug ist.
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