Grand Prix - Kalbs Snooker Break

Eurosport - Do 11.Okt. 13:15:00 2007

Die Profis gehen wieder auf Tour. In seiner aktuellen Kolumne nimmt Eurosport-Kommentator Rolf Kalb den Grand Prix in Aberdeen unter die Lupe.

SNOOKER Robertson Neil - 0

Jetzt wird es heiß: Nach dem Shanghai Masters und dem Pot Black Cup steht mit dem Grand Prix der erste Klassiker in der neuen Saison und damit natürlich auch der erste Höhepunkt an. Da steigt die Fieberkurve bei den Fans, aber mit Sicherheit auch bei den Spielern.

Gruppenphase statt K.o.-System

Seit dem Vorjahr steht der Grand Prix ja unter einem neuen Stern: Er ist das einzige Turnier auf der Maintour, bei dem nicht im reinen K.o.-System gespielt wird, sondern mit einer Gruppenphase. Die Reaktionen bei den Spielern im Vorjahr waren gespalten. Während die einen es begrüßten, dass sie auf jeden Fall mehrere Matches bestreiten, haben es andere zum Teil als Lotterie empfunden. Vor allem Graeme Dott hatte sich da ja weit aus dem Fenster gelehnt.

Prinzipiell ist der Modus jeder gegen jeden sportlich sicher gerecht, werden doch da gegenüber dem K.o.-System Zufälle weitestgehend ausgeschaltet. Die Kritik entzündete sich denn auch mehr an der Distanz in der Gruppenphase. "Best of 5" wurde da im Vorjahr gespielt. Die World Snooker Association (WSA) hat auf die Kritik reagiert (das ist immer gut) und hat auf "best of 7" verlängert. Das ist sicherlich auch noch ein Kompromiss zwischen sportlicher Gerechtigkeit und organisatorischen Anforderung; schließlich muss das Ganze in überschaubarer Zeit über die Bühne gebracht werden.

Neue Rolle für Neil Robertson

Eine weitere Änderung gegenüber dem Vorjahr: Nun werden jeweils alle drei Matches einer Gruppe parallel ausgetragen. Damit wird eventuellen Manipulations-Gerüchten von vorneherein sämtlicher Wind aus den Segeln genommen. Wie heißt es schon im Vaterunser: "&hellip und führe uns nicht in Versuchung &hellip"

Eines wissen wir auf jeden Fall schon aus dem Vorjahr: Die Gruppenphase wird uns viele interessante und packende Momente bescheren. Verfolgt man Snooker nicht ganz so intensiv, so mag man anhand der TV-Übertragungen den Eindruck gewinnen, dass außer den Higgins, O'Sullivans, Hendrys und Konsorten da nicht allzu viele sind. Wer das glaubt, der wird beim Grand Prix eines Besseren belehrt. Und dann kann man gleich auch noch über das Niveau staunen, das in unteren Regionen der Weltrangliste gespielt wird.

Neues bringt der Grand Prix auch für Neil Robertson. Der Titelverteidiger findet sich erstmals in der Rolle des Gejagten. Wie "The Melbourne Machine" mit diesem Druck umzugehen versteht dürfen wir auch mit Spannung erwarten. Dass er zu den Top-Spielern gehört braucht der 25-jährige nicht mehr zu beweisen. Um zu den ganz Großen zu gehören muss er aber mit dem Druck umgehen können. Für Robertson wird das also sicherlich ein entscheidender Moment in seiner Karriere werden.

Spannung garantiert: Jeder kann jeden schlagen

Wie hart der Kampf auf der Maintour geworden ist hat Stephen Hendry in einem Interview schön beschrieben. Früher, so erzählte er, haben die Top-Spieler nur drei oder vier andere Gegner in den frühen Runden gefürchtet: "Heute dagegen ist der einzige Vorteil für Top 16 Spieler, dass sie für das Masters eingeladen sind und auf jeden Fall im Crucible Theatre dabei sind." Auf gut Deutsch: Jeder kann heutzutage jeden schlagen. Aber das ist ja keine neue Erkenntnis mehr.

Freuen wir uns also auf Snooker-Festtage. Eurosport berichtet ab dem ersten Tag live und ausführlich im TV und im Internet. Nehmt Euch also besser nicht viel anderes vor - it's Snooker time!

Viel Spaß und beste Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

Eurosport