Wimbledon - Kommentar: Der Mythos lebt weiter

Eurosport - Mi 11.Jul. 10:11:00 2007

Federer ist und bleibt der unbestrittene "Gott" auf Gras. Nadal dagegen ist der "Sandkönig" - ein Kommentar von Richard Rother

TENNIS Federer Nadal Mythos Wimbledon - 0

Roger Federer liebt das satte Grün des englischen Rasens, Rafael Nadal hat beeindruckende Fußspuren in den französischen Sand gesetzt. Mal ehrlich: Den Zuschauer fasziniert diese klare Kompetenzverteilung, denn der Mythos erlebte in Wimbledon seine Fortsetzung - und das ist gut so!

Sobald einer der Protagonisten den Bann bricht und ins "Tennis-Reich" des Anderen eindringt, wird der wunderbare Zauber verfliegen. Die einprägsamen Stereotype wie "Rasen-Titan" oder "Sandplatz-König" müssten durch neu kreierte Mischbegriffe ersetzt werden. Federer-Fans müssten befürchten, dass ihrem Liebling der Titel "Rasen-König" aberkannt wird, wenn der "Sandmann" irgendwann einmal zuschlägt.

Die Vorzeichen deuteten darauf hin, denn im Laufe des Turniers verwandelte sich der "Heilige Rasen" durch die ständige Belastung immer mehr zu einer Art Sandplatz. Doch Federer zückte im Finale das rote Tüchlein, so dass der spanische Stier nur mächtig Staub aufwirbeln konnte. Letztlich triumphierte - im Sinne des gesamten Publikums - der ästhetische Eidgenosse auf seinem Hoheitsgebiet, welches auch weiterhin fest in seiner Hand bleibt.

Solange die übrigen Spieler dem Zweikampf der beiden Stars nicht zu Leibe rücken, gibt die Faszination der unterschiedlichen "Reiche" dem Tennis-Zirkus die nötige Würze. In dem Jahr, in dem "Rasen-König" Federer einmal abdanken wird, sollte er Nadal in Paris bezwingen und dem Publikum und sich selbst ein "Happyend" bereiten. Dann wäre die klare Hierarchie zwar zerstört, doch der Weg für Nadal zum Wimbledonsieg frei.

Richard Rother / Eurosport

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