Neustift (dpa) - Ein leichtes Auslaufen, danach 20 Minuten Pressekonferenz und noch kurz zum Mannschaftsarzt wegen der beim Jubeln angeknacksten Finger - dann hatte Spaniens neuer Fußball-König die Pflichtaufgaben erledigt.
Rund 18 Stunden nach seinem entscheidenden Dreierpack beim 4:1-Triumph gegen Russland hatte David Villa endlich frei und konnte den Nachmittag mit seinen Angehörigen verbringen. «Ich freue mich auf meine Familie. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich werde die Stunden mit ihnen genießen», sagte der Top-Stürmer des FC Valencia im spanischen Medienzentrum in Neustift voller Vorfreude auf das Treffen mit seiner Frau, der gemeinsamen kleinen Tochter und seinen Eltern.
Was für eine berauschender Fußball-Abend für den mit einem Pokal geehrten «Man of the match»: Drei Tore auf einen Schlag hatte Villa in seinen zuvor 31 Länderspielen noch nie erzielt. Als letztem Spanier war dieses Kunststück dem Madrider Michel bei der WM '90 in Italien geglückt. Und bei einer Europameisterschaft schafften vor Villa erst sechs Spieler einen «Hattrick».
Der Super-Star des Auftaktspiels stellte jedoch bescheiden die Verdienste der Teamkollegen, vor allem die seines Sturmpartners Fernando Torres, in den Vordergrund. «Ich habe nur die Arbeit der anderen abgeschlossen. Entscheidend war, dass Fernando den Abwehrriegel der Russen geknackt hat», sagte er. «Deshalb habe ich ihm auch mein drittes Tor gewidmet. Er hat mir beim ersten und zweiten Tor die Räume verschafft.» Er freue sich natürlich riesig. «Aber die drei Punkte sind wichtiger als meine drei Tore. Wir müssen auf dem Boden bleiben», mahnte Villa.
Auch wenn keine Gefahr besteht, dass der bodenständige, im aragonischen Langreo geborene Instinktfußballer abheben könnte, sorgten der Nationaltrainer und sein Vater sicherheitshalber dafür, dass so etwas wie Star-Kult gar nicht aufkommen konnte. «David ist ein Torjäger. Er hätte heute sogar noch mehr Treffer erzielen können», urteilte Aragonés noch am Abend und wiederholte diese Einschätzung am Mittwoch: «Er hat auch von der Arbeit der anderen profitiert und zum Tore schießen gehört immer auch etwas Glück.» Der Papa meinte, sein Filius habe schon bessere Spiele gezeigt. Angesprochen auf diese Kritik, wusste Villa nicht so recht, ob dies nun seine «kompletteste» oder doch «beste» Leistung gewesen sei.
Egal: Villas auf 30 Millionen Euro geschätzter Marktwert ist durch die Tor-Gala weiter gestiegen. Angeblich buhlen Real Madrid, FC Barcelona, FC Arsenal und FC Chelsea längst um den «Burschen», wie sich sein Spitzname «el guaje» am ehesten übersetzen lässt. «Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken», verweigerte der 26-Jährige jeglichen Kommentar zu seiner Zukunft. «Ich konzentriere mich voll auf die EM.» Seine Tage als Timo Hildebrands Teamkollege beim FC Valencia, zu dem er im Sommer 2005 für zwölf Millionen von Real Saragossa gewechselt war, dürften aber gezählt sein.


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