Eurosport - So 11.Mai. 20:38:00 2008
Michael Ballack und der FC Chelsea haben den Titel in der Premier League verpasst. Manchester United genügte am letzten Spieltag ein 2:0 (1:0) bei Wigan Athletic. Chelseas 1:1 (1:0) gegen die Bolton Wanderers reichte nicht, auch ein Sieg hätte den "Blues" wegen der Tordifferenz nicht geholfen.
"Es war eine enge Geschichte", sagte Erfolgstrainer Sir Alex Ferguson nach seinem zehnten Meistertitel. "Wir waren in einigen Situationen nervös und dann hat es auch noch angefangen zu regnen. Aber dann kommt mit Ryan Giggs unter ältester Spieler und trifft zum 2:0. Phantastisch. Wenn wir jetzt noch die Champions League gewinnen, kann ich wirklich sagen, dass es die beste Mannschaft ist, die ich jemals hatte", freute sich der frisch gebackene Meistertrainer überschwänglich."
Zuvor hatte Chelsea im Fernduell den besseren Start erwischt: Ballack bediente Didier Drogba mit einem herrlichen flachen Zuspiel, doch der Ivorer schoss aus kurzer Distanz neben das Gehäuse (8.). Erneut Drogba vergab eine gute Möglichkeit für die Hauptstädter, als er einen Freistoß knapp neben das Tor schoss (19.). In der Folgezeit dominierten die "Blues" das Geschehen zwar, klare Torchancen blieben jedoch Mangelware.
Ferdinand im Glück
Auch ManU suchte in Wigan sein Heil in der Offensive: Zunächst verpassten Rooney (15.) und Scholes (19.) in aussichtsreicher Position, dann wurden die anfangs sehr defensiven Gastgeber mutiger: Jason Koumas schoss aus 18 Metern, Rio Ferdinand wehrte das Leder im Strafraum mit dem linken Arm ab. Die Pfeife von Referee Steve Bennett blieb allerdings stumm, der fällige Elfmeter blieb den Hausherren verwehrt.
Auf der Gegenseite riss Emmerson Boyce Rooney im Strafraum um - Bennett zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Punkt. Cristian Ronaldo verwandelte eiskalt flach rechts, Keeper Chris Kirkland sprang ins linke Eck und war chancenlos (33.).
ManU legt bereits zur Pause vor
Nach den ersten 45 Minuten lag der Titelverteidiger also im Fernduell in Front, während Ballack & Co, noch keinen Treffer erzielt hatten. Die "Blues" wollten es nicht dabei belassen und kamen mit neuem Dampf aus der Kabine. Zunächst scheiterte Florent Malouda mit einem Distanzschuss noch knapp (47.), der eingewechselte Andrej Schewtschenko machte es besser:
Hoffnung dank "Schewa"
Nach einer Ecke bekamen die Wanderers den Ball nicht weg, irgendwie gelangte Schewtschenko an das Leder und erzielte aus vier Metern den ersehnten Führungstreffer für die Hausherren (62.).
Die Mannschaft von ManU-Coach Alex Ferguson schien sich von der Führung des Konkurrenten etwas aus der Bahn brinegn zu lassen - Wigan konnte sich befreien, ohne jedoch zu klaren Möglichkeiten zu kommen.
Joker Giggs sticht
Der eingewechselte Ryan Giggs erlöste in seinem 758. Pflichtspiel für die "Red Devils" seine Mannschaft. Nach einem herrlichen Zuspiel von Rooney in die Spitze stand der Waliser im Strafraum frei und schob überlegt ins linke Eck ein (80.). Zudem bewahrte der neue Rekordspieler Manchesters in Nachspielzeit Wes Brown vor einem Eigentor, als er dessen Kopfball von der Linie kratzte.
Chelsea, dass zudem John Terry mit ausgekugelter Schulter verlor, war nun im Fernduell geschlagen. In der Nachspielzeit kassierten die Londoner sogar noch den letztlich bedeutungslosen Ausgleichstreffer durch Matthew Taylor. Wenigstens gab Terry nach einer ersten Untersuchung Entwarnung: "Ich mache drei Kreuze. Ich denke, dass ich im Champions-League-Finale dabei sein kann", sagte der Verteidiger.
Ein ähnlich knappes Titelrennen mit zwei punktgleichen Spitzenreitern hatte es in England übrigens zuletzt vor 40 Jahren gegeben. 1968 schlug Manchester City am letzten Spieltag Newcastle United mit 4:3 und wurde Meister, während United dem FC Sunderland 1:2 unterlag und leer ausging.
Tobias Pentzek / Eurosport