Masters Hamburg - Mutprobe für "Kiwi" und "Kohli"

Eurosport - So 11.Mai. 17:33:00 2008

Nervenkitzel zum Auftakt des Masters in Hamburg: Nicolas Kiefer und Philipp Kohlschreiber stürzten sich beim "Vertical Tennis" in die Tiefe - die richtige Mutprobe für ihre schweren Erstrundenpartien...

TENNIS 2008 Hamburg Masters Kiefer - 0

In 20 Metern Höhe wurde Nicolas Kiefer so richtig bewusst, worauf er sich da eingelassen hatte. Auf dem Dach eines Hamburger Kaufhauses stand er angeseilt wie ein waschechter Bergsteiger, neben ihm Philipp Kohlschreiber in gleicher Montur. "Wenn Philipp mitmacht, mache ich es auch", sagte Kiefer und wollte sich der Herausforderung stellen. Doch seine Knie zitterten merklich. Schließlich sollte es für beide nicht nur beim reinen Blick in die Tiefe bleiben.

Ein Sponsor hatte zu Beginn des Masters am Hamburger Rothenbaum zu einer spektakulären Aktion geladen und nun gab es für die beiden Protagonisten kein zurück mehr. "Vertical Tennis" hieß das Motto und vier durchtrainierte junge Damen demonstrierten schon mal, was sie dabei erwarten sollte. An der Hauswand hing ein Plakat mit einem aufgemalten Tennis Court in Originalgröße senkrecht herunter, darauf wurden sie nun abgeseilt und absolvierten also ein munteres Doppel in der Vertikalen.

Rein physikalisch wurde es mit Bällen natürlich schwierig, daher mussten Laserpointer diese ersetzen. Die Strahlen sollten die Augen jedoch nicht schädigen, daher spielten die Damen mit dicken verdunkelten Brillen und damit quasi blind.

Echte Mutprobe für coole Tennis-Profis

Ganze sechs Monate hatten sie für ihren zehnminütigen Auftritt und die perfekte Choreographie trainiert, da mussten sogar die beiden beunruhigten Herren auf dem Dach der Leistung Respekt zollen. Und schließlich wurde es auch für sie ernst. Kohlschreiber wurde als Erster abgeseilt und machte seine Sache nicht schlecht. Auch wenn er zugeben musste, dass der freie Fall "echte Überwindung" gekostet hatte. Kiefer fiel es dagegen ein bisschen schwerer, dem Seil und den Gurten, die zudem nicht wirklich komfortabel saßen, zu vertrauen. "Ich hatte echt Angst", gab er zu, stürzte sich dann aber doch tapfer in die Tiefe.

Ein Match brauchten die beiden nicht an der Fassade zu absolvieren, und schon nach wenigen Minuten "Hängepartie" wurden sie erlöst und hatten wieder sicheren Boden unter den Füßen. Für ihre Auftaktmatches am Rothenbaum kann die luftige Mutprobe nur von Vorteil gewesen sein. Denn mit Tommy Robredo wartet der Weltranglisten-16. und Sieger von 2006 auf Kohlschreiber in Runde eins. Ein Sandplatzspezialist noch dazu, gegen den er bereits eine Niederlage auf dem Konto hat..

"Spüre schon das besondere Kribbeln"

Kiefer erwischte auch kein sehr viel glücklicheres Los mit Paul-Henri Mathieu, obwohl er im direkten Duell mit 2:1 führt. Der Franzose rangiert an Position 20 der Welt und stand zuletzt in München im Halbfinale. Kiefer scheiterte dagegen in Monte Carlo in Runde zwei an Kohlschreiber und musste sich in Rom zum Auftakt Juan Carlos Ferrero geschlagen geben.

Dennoch sieht sich Kiefer auf dem richtigen Weg zurück zu seiner Bestform. Und die Auftritte vor heimischer Kulisse sind für den 30-jährigen Niedersachsen ohnehin ein Extra-Ansporn, um alle Kräfte zu mobilisieren. "Ich spüre schon wieder dieses besondere Kribbeln", sagte Kiefer und meinte damit nicht die Gefühlsregung seiner Magengegend nach dem freien Fall...

Aus Hamburg berichtet Petra Philippsen / Eurosport