Eurosport - So 11.Mai. 17:29:00 2008
Ein völlig absurdes Eigentor von Bielefelds Keeper Fernandez könnte die Arminia teuer zu stehen kommen. Konkurrent Nürnberg wittert die letzte Chance.
Die Älteren in der Schüco-Arena erinnerten sich in der 83. Minute mit Sicherheit an den 30.11.1991 als der Bremer Keeper Oliver Reck in München einen Abpraller vom Aluminium so unglücklich an den Kopf bekam, dass der Ball von dort ins eigene Gehäuse sprang.
Während sich damals bestimmt auch diese Fans vor Schadenfreude auf die Schenkel geklopft hatten, so blieb ihnen dieses Mal das Lachen im Halse stecken. Denn der "Pannen-Olli" von Bielefeld hieß Rowen und trug das Arminia-Trikot. Einen Freistoß von Borussias Alexander Frei prallte vom Pfosten gegen den Kopf von Fernandez und dann ins Tor.
Frust nach "Pannentor"
Lähmendes Entsetzen löste den frenetischen Jubel ab, der acht Minuten lang durch das Stadion geschwappt war, als Bielefeld 2:1 gegen Dortmund führte und Nürnberg 0:1 in Berlin zurücklag. "Da ist alles Unglück dieser Welt zusammengekommen", sagte Bielefelds Trainer Michael Frontzeck nach dem "Pannen-Tor", das den 2:2-Ausgleich besiegelte und die Abstiegsangst zurückbrachte.
Fassungslosigkeit statt Fass aufmachen war daher nach dem Schlusspfiff Trumpf auf der Alm. "Die Spieler lagen danach am Boden, als wären sie bereits abgestiegen", beschrieb Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch die Szenerie. Präsident Hans-Hermann Schwick versicherte im Anschluss, "dass es keinen Zweck macht, sie heute noch aufbauen zu wollen. Aber wir müssen bald damit anfangen".
Coach Frontzeck beschwor nach dem unglücklichsten aller 58 Saison-Gegentore höhere Mächte: Wenn es einen Fußball-Herrgott gibt, werden wir drin bleiben. "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Stuttgart die Klasse halten werden."
Nürnberg bekommt letzte Chance
Das Pech der Bielefelder war das Glück der Nürnberger. Der "Club" bekommt gegen Schalke trotz der eigenen 0:1-Pleite bei Hertha BSC "das Endspiel, von dem wir immer gesprochen hatten", wie es Sportdirektor Martin Bader formulierte. Allerdings musste der Manager zugeben, "ganz harte Minuten" gehabt zu haben, bis der Dortmunder Ausgleich in den Nürnberger Reihen die Runde machte.
Bei der Achterbahnfahrt zwischen Trauer und Hoffnung, hatte das mutlose Spiel der Nürnberger nach guter Anfangsphase wenig Hoffnung auf ein weiteres Jahr Bundesliga gegeben.
Schiri verweigert "Club" zwei Elfmeter
Allerdings zog sich Schiedsrichter Babak Rafati den Unmut der Nürnberger zu, weil der Unparteiische in der 25. Minute nach Handspiel Josip Simunic und zehn Minuten vor dem Abpfiff ein Foul des Berliners an Angelos Charisteas nicht als elfmeterwürdig wertete. "Alle Zuschauer haben es gesehen. Das waren zwei klare Elfmeter", wetterte Charisteas.
Ansonsten blieb das Spiel des FCN von der nackten Angst geprägt. "Es war für meine Mannschaft nicht leicht, sich wegen der Zwischenstände auf das Spiel zu fokussieren", bilanzierte Thomas von Heesen den gehemmten Auftritt seiner Elf. Der "Club"-Trainer ist aber "zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen."
Nur ein Sieg hilft dem "Club"
Dafür muss das Spiel gegen Schalke unbedingt gewonnen werden und Bielefeld darf aber auch nur höchstens einen Punkt in Stuttgart holen.
Während die Nürnberger und Schalker Fans seit vielen Jahren eine Fanfreundschaft pflegen, dürfen sich die Spieler der Franken von ihren um die direkte Champions League-Qualifikation kämpfenden Kollegen kaum Schützenhilfe erhoffen. Nicht mal vom einstigen "Pannen-Olli" Reck. Der sitzt dort seit vielen Jahren als Torwart-Trainer "nur" noch auf der Bank.
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