Eurosport - Di 11.Mrz. 10:05:00 2008
Sieben Punkte Vorsprung: Wer oder was kann den 21. Meistertitel der Bayern noch verhindern? Die Analyse von eurosport.yahoo.de gibt wenig Hoffnung für die Verfolger.
"Noch elf Spiele und sieben Punkte Vorsprung - das haben schon andere Mannschaften verspielt." Das Zitat stammt von Oliver Kahn nach dem 2:0-Sieg seines FC Bayern am Samstag über den Karlsruher SC. Sicher ist der Vorsprung noch kein Ruhekissen, doch fünf gewichtige Gründe sprechen dagegen, dass sich die Bayern die Butter noch vom Brot nehmen lassen.
1. Schwächelnde Konkurrenz
Während Bayern auch in einer Schwächeperiode regelmäßig punktet (nur eine Saisonniederlage), fehlt es der Konkurrenz an Mut (Hamburger SV), Konstanz (Bayer Leverkusen) oder Cleverness (Werder Bremen). Blauäuig rannten die Grünweißen beim 3:6 in Stuttgart ins Verderben. "Deutscher Meister wird man nur, wenn man sich auch entsprechend clever anstellt. Wenn man sich so naiv verhält, braucht man nicht über den Titel zu sprechen", raufte sich Manager Klaus Allofs die Haare. Was die Bremer zuviel an Risiko eingehen, macht der HSV zu wenig. Die "Stevensive" hat zwar dafür gesorgt, dass die Hamburger hinter Bayern die zweitbeste Abwehr stellen (17 Gegentore), doch der unbändige Wille, ein mittelmäßiges Spiel wie beim Abstiegskandidaten Nürnberg zu gewinnen, ist nicht zu erkennen. "Es hat uns vielleicht die letzte Entschlossenheit und der letzte Esprit gefehlt", gestand Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Bei Bayer Leverkusen ist zwischen Genie und Wahnsinn die gesamte Leistungspalette drin. Nach grandiosen Siegen wie gegen Galatasaray Istanbul im UEFA-Pokal (5:1), kann auch jederzeit - wie beim VfL Bochum (0:2) geschehen - nach schwacher Leistung verloren werden.
2. Hitzfeld'sche Rotation:
Einst vom Chef Karl-Heinz Rummenigge geächtet ("Fußball ist keine Mathematik"), jetzt allseits wieder als Erfolgsformel bewundert. Ottmar Hitzfeld mischt seine Stars wie beim Kartenspielen durch, wohlwissend, dass sein Kader von Trümpfen nur so gespickt ist und jeder Profi heiß darauf ist, seine Chance zu nutzen. Gerade Franck Ribery sprüht vor Spielfreude, wenn er zuvor mal draußen sitzen musste. Die Rotation ist zudem der Joker für das Klima in der Mannschaft, wenn auch Edelreservisten wie Lukas Podolski ("Euro-Poldi") wissen, dass sie ihre Einsätze bekommen. Keine andere Mannschaft hat so viele hochklassige Alternativen zur Startelf wie der FC Bayern. "Wenn sechs Spieler nicht dabei sind, dann spürt man das. Wir haben eben nicht einen Kader wie Bayern München", sagte HSV-Coach Huub Stevens nach der mauen Nullnummer in Nürnberg.
3. Abwehrbollwerk:
Die Schlagzeilen machen Ribery und Toni, das Fundament für das Sieben-Punkte-Polster legte aber die fast unbezwingbare Defensive der Münchner. Nur elf Gegentreffer in 23 Spielen - eine traumhafte Bilanz, die für sich spricht. Vor allem Martin Demichelis spielt eine überragende Saison, selbst der im Vorjahr so umstrittene Daniel van Buyten ist wieder solide in der Innenverteidigung.
4. Restprogramm:
Von den letzten elf Spielen bestreiten die Bayern sechs zu Hause. Die beiden einzigen Gegner aus dem oberen Tabellendrittel (Leverkusen und Stuttgart) hat der Rekordmeister zu Hause. Die Verfolger nehmen sich noch reichlich die Punkte gegenseitig weg. Bremen muss beispielsweise noch nach Hamburg, Leverkusen und Karlsruhe und hat auch noch Schalke zu Gast.
5. Wille & Sieger-Gen
Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld wollen ihren Abschied unbedingt mit Titeln vergolden. Vorrang hat die Meisterschaft. Neben Kahn und Hitzfeld steht auch Luca Toni für das Sieger-Gen. Alleine in der Bundesliga erzielte der Stürmerstar sieben Mal das wichtige 1:0. Die Konkurrenz übt sich in Demut - Kampfansagen Fehlanzeige. "Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen. Und ich glaube nicht, dass Bayern in dieser Saison noch mal schwächelt" , sagte HSV-Keeper Frank Rost.
Na dann, herzlichen Glückwunsch, FC Bayern!
Alexander Beisse / Eurosport