Schumacher glaubt nicht an WM-Titel
Sa 11.Feb. 15:16:00 2012
Der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher glaubt nicht, dass er 2012 zum achten Mal den Formel-1-Thron besteigen wird. Nach der Saison 2011, in der er den achten Rang belegt hatte, spricht er von einem langsamen Entwicklungsprozess. Seine Fans hingegen trauen dem 43-Jährigen den Titel zu.
Doch während seine treuesten Fans nach der Bestzeit am zweiten Trainigstag im spanischen Jerez in diversen Internetforen schon kollektiv in Euphorie verfallen, haben die Ergebnisse in Wahrheit nicht die geringste Bedeutung.
Denn erstens fuhr Mercedes bei den ersten Saisontests als einziges Topteam noch mit einem alten Chassis (also mit dem signifikanten Vorteil des angeströmten Diffusors) und zweitens konnten die Zeiten allein aufgrund unterschiedlicher Spritmengen und Reifen um bis zu sieben Sekunden pro Runde streuen.
Motorsport-Experte Hans-Joachim "Strietzel" Stuck sieht das Szenario ähnlich. "Das Team testet Komponenten, die im neuen Auto installiert werden sollen einfach am alten und gewinnt so wichtige Entwicklungstage", sagte der 61-Jährige im Interview mit eurosport.yahoo.de.
"Schumi ist noch immer bissig"
Daher bleibt Schumacher vor der Jungfernfahrt mit dem neuen Mercedes in Barcelona auf dem Boden: "Ich glaube realistisch betrachtet nicht, dass wir von unserer Ausgangsbasis, die wir im Vorjahr hatten, dieses Jahr direkt ein Weltmeister-Auto haben werden, sondern wir müssen da langsam hinkommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden, aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen", sagte der Kerpener.
"Der Rekordweltmeister ist immer noch willig und bissig. Wenn das Auto mitspielt, bringt Schumi alle Fähigkeiten mit, um noch einmal Weltmeister zu werden", sagte Stuck weiter und machte deutlich, wovon der Erfolg Schumachers in der kommenden Saison maßgeblich abhängt.
Dass der neue Silberpfeil eine Wunderwaffe sein könnte, die Mercedes nur nicht nach Jerez gebracht hat, um den prüfenden Blicken von FIA-Inspektor Charlie Whiting zu entgehen, ist natürlich völliger Unsinn. Gewonnen hat man durch die Verschiebung der Jungfernfahrt lediglich Entwicklungszeit, aber: "Wenn das das einzige Geheimnis wäre, dann hätten wir ja alle unsere Autos später vorstellen sollen", relativiert Schumacher.
Zufriedenheit mit den Reifen
"Wir betreiben unser Programm so, wie wir es für richtig halten", argumentiert der 43-Jährige. "Heute haben wir sehr gute Arbeit mit den Reifen geleistet, die aus Fahrersicht sehr viel angenehmer sind - viel konstanter und viel eher so, wie man sich einen richtigen Formel-1-Reifen vorstellt. Diese Reifen zu verstehen, ist für uns hier die wichtigste Aufgabe, und das haben wir mit unserem Programm ganz gut hinbekommen."
Schumachers Dreijahresvertrag läuft Ende 2012 aus. Wenn er also dieses Jahr nicht Weltmeister werden kann, wann dann? Und ist der achte WM-Titel überhaupt noch ein realistisches Ziel? "Absolut", gibt sich der Teamkollege von Nico Rosberg selbstbewusst. "Ich bin immer noch hier, um eine Weltmeisterschaft auszukämpfen. Ob wir das schaffen können oder nicht, wird sich dieses Jahr zeigen - oder wann auch immer..."
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