Bundesliga - Karabatic-Poker: Kretzschmar stichelt

Eurosport - Mi 11.Feb. 18:48:00 2009

Provokant wie zu seinen besten Zeiten hat Stefan Kretzschmar im Fall Nikola Karabatic Stellung bezogen und gegen den THW Kiel gestichelt. "Ich bin kein großer Freund der Löwen. Aber die Kieler haben das jahrelang so gemacht und irgendwann kriegt jeder das, was er verdient", so Kretzschmar.

HANDBALL 2007-2008 Bundesliga Magdeburg Kretzschmar - 0

"Ich finde es nicht schlimm, wenn das dem THW jetzt auch mal passiert", sagte der Sportdirektor des SC Magdeburg mit Blick auf den bisher beispiellosen Poker um den Welthandballer aus Frankreich. Menschlich habe er Verständnis für den Wunsch Karabatics, seinem Ziehvater und alten Trainer Noka Serdarusic zu folgen. "Doch wenn dann Vid Kavticnik auch zu den Löwen will, weil er so an Karabatic hängt, dann hört's bei mir auf", meinte "Kretzsche".

Der Kampf zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem THW um den Olympiasieger, Welt- und Europameister Karabatic geht in die nächste Runde - Ausgang völlig offen. Zwar haben die Löwen dem deutschen Rekordmeister eine neue Offerte unterbreitet, doch ein erneutes Ablehnen der "Zebras" scheint vorprogrammiert. "Es wurde kein Ablöseentgelt angeboten. Vielmehr soll ein Sponsor der Löwen bei uns einen Werbevertrag zeichnen. Wir werden das Angebot in unseren Gremien besprechen, aber ich bin sicher, dass es nicht unseren Vorstellungen entsprechen wird", sagte THW-Manager Uwe Schwenker. Löwen-Manager Thorsten Storm erklärte dem "NDR Info": "Wir werden sicherlich nicht über die Grenzen gehen, um uns sportlichen Erfolg zu erkaufen, das ist nicht unser Ziel."

THW denkt an Millionentransfer

Vor allem die Vorgehensweise des Ligakontrahenten stößt Schwenker unangenehm auf. "Wir haben uns immer erst an die Öffentlichkeit gewandt, wenn der Deal perfekt war. Mich nervt es, ständig über die Presse Wasserstandsmeldungen abzugeben", sagte er und schickte Richtung Mannheim hinterher: "Die Protagonisten sollten sich hinter verschlossenen Türen zusammen setzen und eine Lösung finde. Ob die nun heißt, dass Nikola geht oder bleibt", erklärte Schwenker und gab zu verstehen, dass der THW, wenn er einen Wechsel absolut nicht verhindern kann, von einem Millionentransfer ausgeht. "Wir reden vom Welthandballer, der noch drei Jahre Vertrag hat."

Storm kritisierte seinerseits das Vorgehen Kiels. "Man kann nicht Regeln aufstellen, die für alle gelten, nur für sich selbst nicht. Auch Karabatic und Thierry Omeyer sind aus Verträgen herausgekauft worden. Das ist im Sport so. Wenn Trainer oder Spieler wechseln wollen, dann muss man sich damit befassen, und das haben wir getan", sagte er

"Ich will, dass alles gut wird"

Der bissige Kretzschmar-Kommentar ließ Schwenker unterdessen kalt. "Wir haben immer nur mit Spielern verhandelt, die noch ein Jahr Vertrag hatten. Warten wir's ab", sagte der Manager, für den noch nicht klar ist, dass Karabatic geht. Der frühere Welthandballer Daniel Stephan ist dagegen davon überzeugt: "Wenn Karabatic weiter so in die Öffentlichkeit geht, dürfte es für den THW schwer sein, ihn zu halten." Das Objekt der Begierde hielt sich nach seinen zuletzt zum Teil provokanten Äußerungen diesmal aber zurück. "Ich will, dass alles gut wird. Ich habe alles gesagt. Es liegt jetzt nicht mehr an mir, sondern an den Managern", sagte Ausnahme-Athlet Karabatic.

Das Hick-Hack um den Franzosen hat der Harmonie in der Mannschaft, die nunmehr seit dem 1. Dezember 2007 und 39 Spielen in Serie in der Bundesliga ungeschlagen ist, noch nicht geschadet. "Ganz kann man das nicht ausschalten. Es ist mehr als normal, so was gab es in der Form noch nie. Nikola ist ein Vollblut-Profi, und wir ziehen alle an einem Strang", sagte Kiels Kapitän Stefan Lövgren.

dpa / Eurosport

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