Grönefeld: "Habe wieder ein Leben"

Eurosport - Mo 10.Dez. 19:19:00 2007

Anna-Lena Grönefeld hat erstmals seit Beendigung der Zusammenarbeit mit Rafael Font de Mora über ihre schwere Zeit mit dem spanischen Tennis-Coach gesprochen: "Als mein Kontrolleur endlich weg war, habe ich einfach mal gelebt", offenbarte die 22-Jährige, die sich nun endlich "glücklich" fühlt.

TENNIS 2007 Anna-Lena Grönefeld Groenefeld - 0

Grönefeld siedelte 2003 nach Scottsdale in die USA über, um bei Font de Mora in dessen Tennis-Akademie zu trainieren. Was folgte, beschreibt die Spielerin heute als Alptraum: "Ich war sein Besitz, sein Projekt. Er hat mich damals, als ich 17 war, zu sich geholt, um aus mir "seine" Tennisspielerin zu machen. Später habe ich auch in seinem Haus gewohnt, sodass er mich auf Schritt und Tritt kontrollieren konnte", erinnerte sich Grönefeld in einem Interview mit dem "kicker".

Der sportliche Erfolg mit Weltranglistenplatz 14 in der Saison 2006 stellte sich zwar ein, "aber das Leben ansonst war schrecklich. Font de Mora hat mir ständig eingeimpft, dass ich ohne ihn nichts wäre. Irgendwann habe ich ihm das geglaubt. Nichts habe ich mehr allein entschieden - unter ihm habe ich nur noch wie eine Marionette funktioniert. Von den Erfolgen habe ich mich blenden lassen und nicht gemerkt, wie ich als Mensch vor die Hunde gehe", beschrieb die Rechtshänderin weiter.

"Straftraining bei nur einem Gramm zuviel"

Um die Spielerin an sich zu binden und dem Einfluss der Eltern zu entziehen, setzte der spanische Trainer und Ex-Profi mit Volljährigkeit seines Schützlings einen entsprechenden Vertrag auf: "Als ich 18 wurde, hat er sofort einen Managementvertrag vorgelegt und mich gedrängt, ihn zu unterschreiben. Er hatte extra gewartet, damit meine Eltern keinen Zugriff haben. Ich habe unterschrieben, weil ich Angst hatte, er würde mich sonst verstoßen", erklärte Grönefeld.

Zur Trennung von ihrem Trainer kam es schließlich bei den US Open 2006. Font de Mora löste den Kontrakt vorzeitig mit der Begründung auf, die 22-Jährige habe Sponsorentermine nicht wahrgenommen und die sogenannte "Gewichtsklausel" missachtet. Schon während Grönefelds Zeit in der Tennisakademie musste die Sportlerin drei Mal pro Tag auf die Waage. "Hatte ich nur ein Gramm zuviel, setzte er sofort Straftraining an", erzählte Grönefeld.

"Ich durfte keine Freunde haben"

Seit die Norddeutsche eigene Wege geht, hat sie zwar deutlich zugenommen und musste den Absturz auf Platz 201 der Weltrangliste hinnehmen, dafür aber ist sie "froh, Font de Mora erst einmal los zu sein". Grönefeld trainiert derzeit am Olympiastützpunkt in Saarbrücken, wo sie sich pudelwohl fühlt. "Ich habe schon einen neuen Freundeskreis gefunden", und das ist für die Deutsche alles andere als selbstverständlich. "In Scottsdale durfte ich keine Freunde haben. Font de Mora sagte immer, dass es Freunde für mich erst nach meiner Karriere gäbe", so Grönefeld.

Für 2008 hat sich die ehemals größte Nachwuchshoffnung des DTB die Rückkehr in die Top 100 vorgenommen. "Ich glaube fest daran, dass ich das packe. Zwar habe ich ein Jahr verloren, aber ich habe wieder ein Leben. Das ist es, was zählt."

Tobias Laure / Eurosport