Bundesliga - Standpauke für disziplinlose Bremer

Eurosport - Mo 10.Dez. 10:52:00 2007

Eine Tätlichkeit, viele Fehler und vergebene Chancen - bei Werder Bremen herrschte nach der 3:4-Niederlage bei Hannover 96 dicke Luft. Sportdirektor Klaus Allofs stauchte die Mannschaft für ihre fehlende Einstellung zusammen und auch Schiedsrichter Wolfgang Stark brachte die Hanseaten in Rage.

FOOTBALL 2007/2008 Hannover 96 Werder Bremen Rosenberg Hunt - 0

Naldo war nicht zu bremsen. Werders Innenverteidiger hastete wild fluchend und gestikulierend die Treppenstufen zur Umkleide hinauf, dicht gefolgt von Klaus Allofs. Ein kurzes, heftiges Wortgefecht folgte, aber auch Carlos Alberto vermochte seinen Landsmann dabei nicht zu bändigen. Allofs sparte sich seine größte Wut jedoch auf, bis auch der letzte Bremer in der Kabine eingetroffen war, denn an jeden von ihnen war seine lautstarke Ansprache gerichtet.

"Ich habe sie alle zusammengerufen und bin sehr deutlich geworden. Wir haben heute nur verloren, weil wir zu undiszipliniert waren", echauffierte sich Allofs. "Man kann nicht immer machen, was man will und auf dem Spielfeld den Beleidigten spielen. Das gilt auch für Naldo. Da muss man eben mal die Faust in der Tasche ballen, anstatt den Scheibenwischer zu machen. Dafür gab es zu Recht Gelb. Und hinterher nicht zu unseren Fans zu gehen, geht auch nicht", betonte Allofs verärgert.

"Werden das intern klären"

"Klaus ist der Chef und wir respektieren seine Meinung", zeigte sich Regisseur Diego einsichtig. "Vielleicht lag es an der mangelnden Disziplin. Wir werden das intern klären." Eine kollektive Standpauke setzte es für die Bremer Elf, die zuvor in neun Spielen in Folge nicht verloren hatte. Böse Erinnerungen an die bittere Auswärtspleite gegen Dortmund wurden bei den Gästen aus Bremen wach, als sie binnen weniger Minuten in der ersten Hälfte drei Tore hinnehmen mussten. Zwar kämpfte sich die Mannschaft von Thomas Schaaf auf 3:3 heran und hatte den Siegtreffer mehrfach auf dem Fuße, doch sie sollte Keeper Robert Enke nicht mehr überwinden.

"Wir hatten in dieser Phase so viele Chancen, aber man muss eben auch mal den anspielen, der besser postiert ist", kritisierte Mittelfeldmann Jurica Vranjes und traf damit den Schwachpunkt der Hanseaten: Abspielfehler, Abstimmungsmängel und glücklose Abschlüsse. Zudem präsentierte sich die Bremer Abwehrkette wackelig, wobei besonders der Ex-Hannoveraner Per Mertesacker einen rabenschwarzen Tag erwischte und sich zwei der Gegentore ankreiden lassen musste. Zur Halbzeit wurde der Innenverteidiger ausgewechselt.

Mertesacker schleicht sich

"Per ist krank", gab Allofs als Begründung an. "Die Nase ist dicht. Er hat schon nach 35 Minuten signalisiert, dass es nicht mehr geht. Vor dem Spiel fühlte er sich noch fit genug", so Allofs weiter. Wortlos und zu Tode betrübt schlich Werders Abwehrchef, wie ein "langes Elend" (Allofs), aus der AWD-Arena und bekam nicht mehr mit, wie die hitzige Debatte vehement weitergeführt wurde. Denn auch die Leistung von Schiedsrichter Wolfgang Stark war den Bremern sauer aufgestoßen - und das nicht zum ersten Mal.

"Es wäre besser, wenn wir nicht mehr aufeinander treffen würden", stellte Allofs mürrisch fest. Das Verhältnis zwischen Stark und Werder sei nicht, wie es sein sollte. Seit der Partie beim Saisonfinale 2003 gegen Gladbach, als Stark unter anderem ein schweres Foul an Markus Daun nicht ahndete und Werder den Uefa-Cup-Platz mit der 1:4-Niederlage verpasste, habe es "einen Riss" in der Zusammenarbeit gegeben.

Stark auf den Werder-Index

Und auch Kapitän Frank Baumann befand: "Wir hatten wohl beide nicht unseren besten Tag. Wenn es hektisch wird, dann macht er ganz schnell dicht. Da lässt er nicht mehr mit sich reden." Ganz im Stile des FC Bayern wird nun auch Werder Bremen offenbar Schiedsrichter Stark auf den vereinseigenen Index setzen. Ob sie die Wege beider auf dem Spielfeld noch einmal kreuzen werden, bleibt dennoch abzuwarten.

Auch wenn Stark ein Foul an Boubacar Sanogo nicht mit dem Elfmeter ahndete, lag er zumindest mit der Tätlichkeit gegen den eingewechselten Stürmer Hugo Almeida richtig. Der Portugiese ließ sich zu einem Schlag gegen Szabolcs Huszti hinreißen und der Platzverweis in der Nachspielzeit war in der Allof'schen Ansprache über Disziplinlosigkeit mit inbegriffen. Almeida selbst verteidigte sich mit dem Argument, er habe nur möglichst schnell den Ball bekommen wollen und fand seinerseits noch deutliche Worte für den Schiedsrichter: "Congratulations for the fucking job."

Aus Hannover berichtet Petra Philippsen / Eurosport