EURO 2012 - JJ on Tour - Megadinger auf dem Fanfest
Hallo Deutschland, die EM-Reise beginnt! Carpatair-Kommandant Milankosic und seine hervorragend gecasteten Flugbegleiterinnen Dana und Romana bringen uns sicher und komfortabel über Timisoara nach Lviv.
Die rumänischen Flugdurchsagen vermitteln bis dahin das einzig Fremde an der Reise, schließlich ist der Flieger zu 75% mit deutschen EM-Touristen besetzt.
Angekommen in Lviv ist unser Vermittler Igor, den wir zuvor in München kontaktiert hatten, nicht wie besprochen am Flughafen aufzufinden. Wir ignorieren die geiernden Taxifahrer und Wohnungsvermittler und gönnen uns erstmal unsere erste ukrainische Halbe für läppische 18 Hrywnja (1,80 EUR).
"Besser, ihr wartet im Auto"
Eine Stunde später taucht der stark verkaterte Vermittler auf. Seine erste Ansage: Das Geschäftliche regeln! Dummerweise schluckt der erste Geldautomat gleich unsere erste Kreditkarte. Unserer zweiten Karte darf jetzt die nächsten Tage nichts mehr passieren. Über halbfertig gebaute, mit Schlaglöchern übersäte Straßen rast uns Igor inklusive zweier "geschäftlicher" Zwischenstopps ("Besser, ihr wartet im Auto") zu unserer vermittelten Wohnung. Style: 70er Jahre, DDR-Platte.
Später werden wir von anderen Fans erfahren, dass unser verschimmeltes Bad noch zur Luxusklasse gehört. Kurz akklimatisiert, Deutschland-Trikot übergestreift und mit der Straßenbahn für umgerechnet 15 Cent (!) in die Innenstadt zum Fanfest. In der sehr schönen Altstadt fühlen wir uns sofort wohl und kommen bei der ersten Bierbestellung gleich ins Gespräch mit der einheimischen Ausschenkerin. Auf die Frage nach der Sicherheit in unserem neuen Wohnviertel, meint sie nur: "People say it is scary there, but I don't think so..." Wir sind beruhigt.
Unsere Blicke schweifen über das Fanfest. Wir sehen zunehmend betrunkener werdende Deutsche und treffen auch auf einheimische Fußballfans. Grundtenor: "Deutschland ist super und unsere ukrainischen Frauen sind hübsch und haben Megadinger!" Wir bejahen höflich.
Katerfrühstück mit Igor
Einige Lvivske (Lokalbier) später gehören auch wir zu den oben beschriebenen Deutschen und verteilen ein uns spendiertes Bier ungeschickt über den kompletten Tresen. Immerhin kannte uns jetzt jeder, auch der selbsternannte und vollkörpertätowierte 1,90m-Ultrachef von Karpaty Lviv. Nach der fünften Geschichte über die unglückliche Europapokal-Niederlage gegen Dortmund wird es aber Zeit aufzubrechen. Der liebenswerte Ultra und seine Gang verhelfen uns noch zu einer Heimfahrt im Taxi zum Einheimischen-Tarif. Dort totmüde angekommen wartet Igor mit einem Sixpack und einer halben Flasche hiesigen Wodkas, um mit uns den Abend ausklingen zu lassen...
Nach einem Katerfrühstück mit Igor geht's auf die Fanmeile, die in fast komplett deutscher Hand ist. Ausgelassene Stimmung, mehr oder weniger gelungene Verkleidungen sowie das gute Lvivske steigern die Vorfreude auf das Spiel am Abend. Und daran kann auch das penetrante UEFA-Unterhaltungsprogramm nichts ändern. Nach einer holprigen Busfahrt raus zum Stadion stellen wir fest, dass die kleine Stadt Lviv wenig Erfahrungen mit Großevents gemacht hat: Probleme mit dem Ticketscanner, Nahrungs- und Wechselgeldknappheit im Stadion sowie ein Bus-Chaos nach dem Spiel.
Dem gegenüber stehen zahlreiche freundliche und hilfsbereite Volunteers sowie zuvorkommende Ukrainer gegenüber, die uns vieles vereinfachen. Mit drei Punkten in der Tasche steht nun Charkiw mit einem Tagesstopp in Kiev auf dem Reiseplan. Der erste von Igor vermittelte Nachtzug geht heute Abend.
Viele Grüße in die Heimat und bis demnächst!
Jan und Johannes


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