Dakar - Peterhansel: 10. Sieg nach Durststrecke
So 15.Jan. 19:48:00 2012
"Mister Dakar" hat wieder zugeschlagen. Eine Überraschung war der Sieg von Stéphane Peterhansel bei der 33. Auflage der härtesten Rallye der Welt zweifelsohne nicht. Schon vor dem Start am 1. Januar war der 46-Jährige als der Topfavorit gehandelt worden.
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"Ich halte den Atem an. Und ich atme erst wieder, wenn ich auf dem Podium stehe", hatte er vor der gerade mal 29 Kilometer langen Schlussetappe Richtung Zielort Lima aber warnend gesagt.
Denn Peterhansel weiß wie kaum ein anderer, wovon er spricht.
Sechsmal gewann er die Dakar auf dem Motorrad, das erste Mal vor sage und schreibe 21 Jahren. Mit seinem souveränen Triumph im Mini machte er nun den vierten Erfolg in einem Auto perfekt.
Der ehemalige französische Skateboard-Meister hatte seinen bis dahin letzten Dakar-Sieg 2007 gefeiert. Nach dem vorzeitigen Aus 2009 musste er sich in den vergangenen beiden Jahren mit dem vierten Platz begnügen.
Gordon mit letztem Tagessieg
Nach dem Ausstieg der dreimal in Serie siegreichen VW-Flotte avancierte Peterhansel im Mini zum Maß der Dinge. Mit fünf Etappensiegen baute er seine Führung kontinuierlich aus, die er seit der vierten Etappe übernommen hatte. Die Dakar zu fahren, das sei sein Leben, sagt der Franzose einmal.
Auf der letzten kurzen Etappe ließ Peterhansel nichts mehr anbrennen und verwaltete seinen Vorsprung sicher. Die Fahrt hinein ins Stadtzentrum von Lima glich einem Triumphzug. Peterhansel und Joan "Nani" Roma sorgten bei der Dakar 2012 für einen Doppelsieg für die X-raid-Mannschaft. Als Dritter jubelten Giniel de Villiers und Dirk von Zitzwitz im neuen Toyota Hilux vom Podium. Der letzte Tagessieg ging an Robby Gordon im Hummer.
Keine Probleme beim Finale
Die Entscheidung um den Sieg war zwar schon am Vortag gefallen, aber dennoch mussten die verbliebenen 79 Autos noch eine Gesamtstrecke von 283 Kilometern bis zum Ziel in Lima zurücklegen. Die Autos gingen von Pisco als Erste auf die 134 Kilometer lange Verbindungsstrecke. Es musste noch eine 14. und letzte Prüfung über lediglich 29 Kilometer bewältigt werden.
Die Vortage hatten gezeigt, dass auf dem unbekannten Terrain - Peru wurde in diesem Jahr zum ersten Mal besucht und ist das insgesamt 27. Land der Dakar-Geschichte - noch alles passieren kann. Die Spitzenfahrer gingen die letzte Prüfung ruhig an und es gab keinerlei Probleme. Den letzten Tagessieg sicherte sich Gordon im Hummer. Ein letztes Ausrufezeichen einer turbulenten Dakar für den US-Amerikaner. Zweiter wurde heute Ricardo Leal dos Santos, gefolgt von seinem MINI-Teamkollegen Krzysztof Holowczyc.
Sieg nach Durststrecke
Peterhansel ging es ruhig und besonnen an, und spielte seine ganze Erfahrung aus. Er stellte lediglich die zehntbeste Zeit auf, doch für den Gesamtsieg war das die perfekte Taktik. Es folgte der Triumphzug den Pazifik entlang Richtung Lima. Dort wurden die Helden von Tausenden Menschen empfangen, die den Dakar-Helden zujubelten.
Peterhansel feierte seinen bereits zehnten Dakar-Sieg. Der 46-Jährige hat in den Jahren 1991, 1992, 1993, 1995, 1997 und 1998 auf einem Motorrad gewonnen. Anschließend folgten 2004, 2005 und 2007 Siege in der Autowertung.
"Wenn man bedenkt, wie kompliziert es ist, eine Dakar zu gewinnen, ist es unglaublich, dass es mir gelungen ist, deren zehn zu gewinnen", lautet der erste Kommentar des Franzosen. "Es hat so lange gedauert - fünf Jahre -, bis ich nochmal gewinnen konnte. Und das in Südamerika zu schaffen, das ist eine gewaltige Erleichterung, einer meiner schönsten Siege. Und vor allem auch dem Team X-raid einen Sieg zu bescheren, ist wirklich genial, denn Sven Quandt hat schon so lange darauf gewartet."
"Ich weiß nicht, was ich noch besser machen kann! Diesen Rekord zu schlagen wird überaus kompliziert werden... für die anderen. Dieses Rennen ist so stressig, aufregend und begeisternd - und so viel Freude am Ende. Jetzt werde ich erst einmal feiern mit dem ganzen Team, und danach sehen wir weiter." X-raid ist als großer Favorit gestartet und hat sich letztlich auch durchgesetzt. "Nani" Roma komplettierten den Doppelsieg für das Team.
De Villiers/von Zitzewitz auf Podium
Die große Überraschung der diesjährigen Dakar sind Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz. Dass das Duo eine Dakar meistern kann, haben sie im Jahr 2009 mit dem Gesamtsieg bewiesen. Damals waren sie aber Teil des Volkswagen-Werksteams. Diesmal wurde ein brandneuer Toyota Hilux des Imperial-Teams eingesetzt. Das Auto war eine komplette Neuentwicklung und oft wusste man nicht, wo die Limits liegen und wie weit man das Material beanspruchen kann.
Schließlich hat der Toyota keine großen Probleme bereitet und mit einer soliden und kontrollierten Fahrt wurde Platz drei erobert. Das Podium war im Vorfeld der große Traum von de Villiers und von Zitzewitz gewesen. "Es ist wirklich wahr! Platz drei! Erst in dem Moment, in dem man die letzte Zeitkontrolle erreicht, fällt die immense Anspannung der letzten Wochen mit einem Schlag von einem ab und man empfindet stattdessen die pure Erleichterung und Freude", sagt der Co-Pilot aus Deutschland.
"Als Underdogs in die Rallye Dakar zu starten, als neues Team, mit einem neuen Auto, mit seriennaher Technik - da sind natürlich die Erwartungen, auch die eigenen, nicht sehr hoch. Doch wir haben die Erwartungen bei weitem übertroffen. Dank eines unfassbar motivierten Teams, in dem jeder am gleichen Strang gezogen und sein persönliches Maximum gegeben hat. Dritter Platz, das war unser unrealistischer Wunschtraum. Und das ist jetzt Realität. Mit einem Wort: wow."
Auch auf dem vierten Platz war ein Deutscher zu finden. Andreas Schulz, der die Dakar in Afrika zweimal gewinnen konnte, fungierte als Navigator von Leonid Nowitskiy in einem X-raid MINI. Einen Tagessieg konnte das Duo für sich verbuchen. In der zweiten Dakar-Woche gab es allerdings einige Probleme, weshalb man in der Gesamtwertung abrutschte. Erst am vorletzten Tag konnte Platz vier von Gordon zurückerobert werden.
Gordon sorgt für Aufregung
Der US-Amerikaner sorgte mit seinem Hummer für das Salz in der Suppe. Schnell war der H3, doch es gab immer wieder kleine technische Defekte, die letztendlich für einen Zeitverlust von über zwei Stunden sorgten. Dazu gab es die Querelen um die Disqualifikation und deren Einspruch. In Erinnerung bleibt auch die zwölfte Etappe, auf der Gordon den MINIs 20 Minuten abnehmen konnte und im Ziel für markige Sprüche sorgte.
Die restlichen Plätze in den Top 10 nahm ein buntes Feld ein. Lucio Ezequiel Alvarez untermauerte mit dem Toyota Hilux des Overdrive-Teams das Potenzial des neuen Fahrzeuges und belegte den sechsten Rang. Hinter Leal dos Santos kam Bernhar Ten Brinke vom Rivald-Team mit seinem Mitsubishi ins Ziel.
Holowczyc war speziell in der ersten Dakar-Woche ganz vorne mit dabei, doch in der zweiten Hälfte rutschte er noch auf den zehnten Endrang ab. Carlos Sousa wurde mit dem Great Wall, der auf einem BMW X3 basiert, Siebter.
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