Bundesliga - Der Glücksfall von Gladbach

Di 10.Mai. 08:10:00 2011

Eigentlich waren die "Fohlen" schon abgestiegen. Doch unter Lucien Favre setzten sie zur rasanten Aufholjagd an, die ihnen gar noch Platz 15 einbringen kann. Doch der ruhige Schweizer wiegelt ab: "Wir sind glücklich, wir sind 16. Aber wir haben noch nichts erreicht." Es fehlt nur noch ein Sieg.

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In Gladbach glaubt man wieder an Wunder, und kaum einer mag es ihnen auch verdenken, wenn man die Entwicklung der vergangenen Wochen betrachtet. Die "Fohlen" galten bereits als sicher abgestiegen, die 0:1-Heimschlappe gegen Kaiserslautern schien am 27.Spieltag ihr Schicksal zu besiegeln. "In der öffentlichen Wahrnehmung war alles vorbei", sagte Sportdirektor Max Eberl, "auch, weil wir im nächsten Spiel noch in München verloren haben. Auf uns hat keiner mehr einen Pfifferling gesetzt."

Doch von wem nichts mehr erwartet wird, der kann befreit aufspielen. Und das taten die Borussen, die rasante Aufholjagd begann. Aber ohne Lucien Favre auf dem Fahrersitz wäre dieser furiose Endspurt niemals möglich gewesen. Dieser kluge und ruhige Schweizer Fußballlehrer ist ein Glücksfall für Gladbach. Als er Mitte Februar die Nachfolge von Michael Frontzeck antrat, schien sich Favre auf ein Himmelfahrtskommando einzulassen. Doch er schaffte, was niemand für möglich gehalten hätte: geradezu unglaubliche 19 Punkte in elf Spielen. Nur mickrige zehn Zähler hatten die Gladbacher in der gesamten Hinrunde eingespielt.

Favre bringt Ruhe, Ordnung und Taktik

Bis dato galten sie als die Schießbude der Liga, doch unter Favre stand bei den "Fohlen" wieder hinten die Null. Sie kassierten unter seiner Führung nur acht Gegentreffer. Favre hat den Gladbachern Ruhe und Struktur gebracht, sie zu einer flexibel spielenden Mannschaft gemacht. Seine Handschrift ist klar erkennbar, akribisch sucht er permanent nach Verbesserungsmöglichkeiten. "Heute haben wir zweimal unser System gewechselt", erklärte Favre nach dem 2:0-Sieg gegen Freiburg, "wir hatten lange keine Lösungen." Es war der letzte von drei Streichen, nachdem die "Fohlen" zuvor schon Dortmund und Hannover mit 1:0 bezwungen hatten. Schon dort spielten sie effizient und selbstbewusst, traten gut organisiert auf und blieben vor allem geduldig. Es scheint tatsächlich, als hätten die Gladbacher die größte Nervenstärke aller Abstiegskandidaten.

Zugute kommt ihnen natürlich auch, dass ihre Spieler es gewohnt sind, mit der Abstiegsangst umzugehen und den Druck auszuhalten. Und nun haben sie ihr Schicksal selbst in der Hand, nachdem die Borussen erstmals seit dem 8. Spieltag nicht mehr auf einem direkten Abstiegsplatz stehen. "Wir sind glücklich, wir sind Tabellen-16.", sagte Favre, "aber wir haben noch nichts erreicht." Ein Sieg in Hamburg am letzten Spieltag, und sie wären nicht einmal auf Schützenhilfe von Frankfurt und Wolfsburg angewiesen. "Wir dürfen nur auf uns schauen", mahnte Favre, "wir müssen in Hamburg unbedingt gewinnen, wir müssen diese drei Punkte holen, um sicher die Relegation zu erreichen."

Sogar Rang 15 ist für Gladbach plötzlich drin

Dabei ist sogar noch der 15. Platz für die "Fohlen" drin, doch Favre will sich nur auf das Minimalziel fokussieren. Und er weiß, dass das Momentum für seine Mannschaft spricht. Der Lauf hat sie ungemein selbstbewusst gemacht. "Es war ein überragendes Wochenende für uns", jubelte Filip Daems. "Es ist eine unfassbare Erleichterung, nicht immer auf die anderen schauen zu müssen", sagte Torschütze Marco Reus.

In der wohl heikelsten Phase der Saison rufen seine Spieler konstant die besten Leistungen ab. Das Stimmungshoch birgt auch ein gewisses Risiko, denn mittlerweile haben die Gladbacher etwas zu verlieren. Nach dieser Aufholjagd doch noch abzusteigen, wäre rein psychologisch fatal. Es würde wohl lange dauern, bis sich die Borussia davon erholen würde. Der Druck hat sich verändert, doch es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Mannschaft auch damit umgehen kann - und Taktikfuchs Favre bastelt mit Sicherheit schon an einem neuen Schlachtplan gegen die Hanseaten.

TV-Tipp:

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Petra Philippsen / Eurosport

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