Eurosport - Sa 10.Mai. 23:37:00 2008
Rostock und Duisburg sind zwar abgestiegen, wollen aber mit den gleichen Trainern den Wiederaufstieg anpeilen. Doch bei beiden künftigen Zweitligisten muss sich Einiges ändern.
Die Reaktionen auf den besiegelten Abstieg in Rostock und Duisburg ähnelten einander und lassen darauf schließen, dass zumindest in der Trainerfrage weiter Kontinuität herrscht. Sowohl Frank Pagelsdorf als auch Rudi Bommer werden aller Voraussicht nach vom Schicksal vieler Kollegen verschont bleiben, die eine enttäuschende Saison ihres jeweiligen Vereins mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bezahlen müssen.
"Unser Ziel ist der direkte Wiederaufstieg mit Frank Pagelsdorf als Trainer", meinte Hansa-Vorstandschef Dirk Grabow, der ungefähr genauso klang wie Walter Helmich über seinen leitenden sportlichen Angestellten. Der MSV-Boss lobte Bommer als "verlässlichen Mann und guten Trainer", dem man nicht so schnell den Laufpass gebe. Einerseits sind solche Meinungen durchaus nachvollziehbar. Schließlich hätte man sich ja auch vom jeweiligen Trainer bereits während der Saison trennen können, wenn man kein Vertrauen mehr zu ihnen gehabt hätte.
Zweifel an Pagelsdorf
Auf der anderen Seite sind vor allem im Fall Pagelsdorf erhebliche Zweifel angebracht, ob er noch der richtige Mann für die Rostocker Zukunft ist. Die Art und Weise, wie die Hansa-Kogge in den letzten Spielen im Bundesliga-Meer versunken ist, erinnert fatal an den Eindruck, den der Coach schon seit Beginn der Rückrunde macht. Lethargisch, risikoscheu und hoffnungslos naiv.
Dass Hansa überhaupt noch bis zum vorletzten Spieltag die theoretische Chance auf den Klassenerhalt hatte, lag weniger an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit als daran, dass die direkten Konkurrenten zeitweise noch schwächer spielten als Hansa. Als Cottbus und Co. dann doch noch den Ernst der Stunde erkannt hatten, ergaben sich die Rostocker samt ihres stoischen Trainers wehrlos in ihr Schicksal.
Neuzugänge ein Muss in Rostock
Nur mit einem erfahrenen Ersatz für den zurückgetretenen Routinier Stefan Beinlich und einem überdurchschnittlich guten Stürmer-Neuzugang haben die Rostocker die Chance auf den direkten Wiederaufstieg. Denn die vielen jungen Spieler haben eine Führungsfigur genauso nötig wie der harmloseste Angriff der Bundesliga einen treffsicheren "Knipser".
Die Gründe für den Abstieg der Duisburger sind in anderen Bereichen zu suchen. Mit elf Niederlagen vor eigenem Publikum ist der MSV die schlechteste Heimmannschaft der Bundesliga. Mit so einer Ausbeute "hat man es nicht verdient, über dem Strich zu stehen", analysierte Abwehrchef Björn Schlicke nach der 2:3-Heimniederlage gegen Bayern München.
Mangelnde Clevernessbeim MSV
MSV-Coach Bommer sah die Ursachen jedoch nicht allein in der Heimschwäche seines Teams. "Es waren viele Dinge, die dazu geführt haben, dass wir nun abgestiegen sind", sagte er. Eins davon war die mangelnde Cleverness, denn viele Partien haben die "Zebras" in dieser Saison noch in der Schlussphase hergeschenkt.
Im Gegensatz zu den Rostockern haben die Duisburger jedoch bis zum Schluss an sich geglaubt. In der Rückrunden-Tabelle stehen sie mit bisher 16 Zählern auf Platz 14. Das ist sicherlich auch Bommers Verdienst, der zuletzt selbst bei den kritischen Fans wieder mehr Vertrauen gewinnen konnte. Mit ihm als Trainer und weiterem Geld von Präsident Hellmich für nötige Verpflichtungen sollte der Traum vom Wiederaufstieg in Duisburg keine Utopie sein.
Tobias Wiltschek / Eurosport