UEFA Cup - Kaffeefahrt oder "Wind of Change"?

Eurosport - Do 10.Apr. 18:20:00 2008

Betriebsausflug, lästige Dienstreise, Kaffeefahrt: Es ist eine reine Geschmacksfrage, wie man die Reise von Bayer Leverkusen zum Viertelfinal-Rückspiel im UEFA Cup zu Zenit St. Petersburg bezeichnen will. Denn: Nach dem peinlichen 1:4 zuhause scheint das Aus der Werks-Elf praktisch schon besiegelt.

FOOTBALL 2007-2008 UEFA Cup Leverkusen-Zenit Schneider - 0

Die Hoffnungsschimmer für den Tabellensechsten der Bundesliga sind vor der Partie am Donnerstag (ab 18:30 im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de) schnell aufgezählt: Zum einen hat St. Petersburg die Generalprobe einigermaßen verpatzt. Gegen Shinnik Jaroslawl gab es nur ein mageres 2:2 und auch ansonsten überzeugt der Neunte der russischen "Premjer Liga" kaum.

Der zweite Lichtblick: Die Rockgruppe "Scorpions" beginnt just am Donnerstag ihre Russland-Tour in St. Petersburg. Der Vorteil dabei für Leverkusen? Der deutsche Exportschlager zieht besonders in der ehemaligen Sowjetunion abertausende Fans an - möglicherweise lauscht der eine oder andere Zenit-Fan lieber den Klängen von "Wind of Change", statt den Weg ins Stadion anzutreten - zumal für die meisten Anhänger von St. Petersburg der Keks nach dem starken Auswärtsauftritt ohnehin schon gegessen sein dürfte.

Die Luft ist raus

Zugegeben: Das sind dünne Argumente für ein "Wunder von St. Petersburg". Die Hoffnung auf einen "Wind of Change" bei Bayer ist gering. Nach einer bisher überzeugenden Saison-Leistung scheint Leverkusen so langsam aber sicher die Puste auszugehen. Vor der Partie gegen Zenit ist die Luft ohnehin schon raus. "Die Frage, ob wir dieses Spiel noch ernst nehmen, wird uns begleiten", gibt Leverkusens Trainer Michael Skibbe zu.

Keine Frage: Die Klatsche gegen St. Petersburg, die Liga-Pleiten in Dortmund (1:2) und zuhause gegen Frankfurt (0:2) nagen an der Mannschaft und den Vereins-Verantwortlichen. Rudi Völler blickt deswegen schon vorsichtshalber voraus - das Duell gegen Zenit hat Bayers Sportdirektor zwar vor Augen, das kommende Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart scheint aber fast näher. "Wir wollen uns in Russland gut verkaufen, aber der VfB ist natürlich schon im Hinterkopf." Gut möglich, dass die Stuttgarter bis zum Anpfiff in St. Petersburg in den Spielerköpfen noch weiter nach vorne wandern.

Skibbe rotiert

Bei Skibbe sind die Schwaben schon so präsent, dass der Bayer-Coach seine Personalplanung auf diese Partie ausrichtet: "Ich werde einigen Spielern eine Pause geben", kündigt der 42-Jährige eine Rotation an. Definitiv nicht mitfahren wird Tranquillo Barnetta. Der Nationalspieler der Schweiz laboriert an einer Rippenprellung. Für ihn dürfte Paul Freier auflaufen. Der zuletzt schwache Bernd Schneider hat seine Wadenprobleme auskuriert und steht zur Verfügung. Denkbar ist, dass Skibbe auf Simon Rolfes, Stefan Kießling oder Gonzalo Castro schont. "Das heißt aber nicht, dass wir das Spiel herschenken wollen." Natürlich nicht.

Klar ist: Leverkusen beschreitet den Weg des kleineren Übels. Ein Ausscheiden im Viertelfinale des UEFA Cups würde zwar finanzielle Einbußen bedeuten. "Wir scheiden wohl wie im vergangenen Jahr aus, wenn es finanziell interessant wird", bedauert Wolfgang Holzhäuser. Damals scheiterte die Werks-Elf an CA Osasuna nach einer 0:3-Heimniederlage. Doch: Der immaterielle Schaden bei einer gescheiterten Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe am Ende dieser Saison wäre kaum in Zahlen zu fassen. "Es wäre ein erheblicher Imageverlust", so der Bayer-Geschäftsführer. Das Ansehen der Leverkusener hat nach dem indiskutablen Auftritt im Hinspiel ohnehin schon genug gelitten.

Skibbe erwartet Schwerstarbeit. Er muss die Mannschaft trotz der aussichtslosen Ausgangslage motivieren und ihr Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben einimpfen. Wie so oft bedingen sich beide Aufgaben gegenseitig: Denn die beste Motivation sind Erfolge, und Erfolge geben Selbstvertrauen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Zenit St. Petersburg: Malafejew - Anjukow, Schirokow (Hubocan), Krizanac, Sirl - Denisow, Timoschtschuk, Zyriajnow - Arschawin, Faysulin - Pogrebnijak.

Bayer 04 Leverkusen: Adler - Dum, Friedrich, Haggui, Sarpei - Sinkiewicz, Vidal - Schwegler, Schneider, Freier - Bulykin.

Schiedsrichter: Manuel Mejuto Gonzalez (Spanien).

Stefan Zürn / Eurosport