Davis Cup - "Spanische Stiere" bestens gelaunt

Eurosport - Do 10.Apr. 14:16:00 2008

Während im deutschen Team über mangelnden Zusammenhalt diskutiert wird, präsentieren sich die spanischen Herausforderer in Bremen als gut gelaunte und verschworene Gemeinschaft. Und Rafael Nadal scheint entgegen der Hoffnung der Gastgeber in absoluter Bestform.

TENNIS 2008 Davis Cup Rafael Nadal - 0

Rafael Nadal ließ auf sich warten. Seine Teamkollegen waren pünktlich zum Pressetermin erschienen und warteten nun ungeduldig mit den zahlreichen Medienvertretern auf den Star des spanischen Davis-Cup-Teams. Feliciano Lopez rief ihn vorsorglich mal an und fragte, wo er denn bliebe. Sie machten sich einen Spaß aus der Situation und spendeten schließlich mit breitestem Grinsen dem Zuspätkommer Applaus.

Nadal bedankte sich gespielt artig für die Anerkennung und erklärte: "Sorry, aber es war kein Fahrservice am Hotel - ich musste zu Fuß gehen. Deshalb bin ich zu spät." Für diesen Satz lachten ihn seine Teamkollegen genüsslich aus, denn das Bremer Parkhotel liegt nur geschätzte 200 Meter vom AWD Dome entfernt.

Während bei den Gastgebern derzeit zumindest fraglich ist, inwieweit der demonstrierte Zusammenhalt echt ist, lassen die Spanier keinen Zweifel zu, dass sie eine verschworene Gemeinschaft sind. Immer wieder witzeln sie übereinander, während einer von ihnen versucht, den Journalisten ernsthaft eine Frage zu beantworten. "Nein, das stimmt doch gar nicht", wirft David Ferrer plötzlich ein: "Wir haben hier noch gar nicht Karten gespielt. Werden wir auch nicht." Und Fernando Verdasco erklärt dazu: "Stimmt. In der Runde zuvor gegen Peru, da haben wir abends immer gespielt, da ging ja auch alles total einfach. Aber hier müssen wir uns wirklich konzentrieren. Das wird schwer für uns, hier zu gewinnen."

Nadal: "Wir sind hier nicht der Favorit"

Der Papierform nach sind die zurückhaltenden Worte der spanischen Herausforderer schwer verständlich. Zumal sie mit Nadal und Ferrer mit den Nummern zwei und fünf der Welt in Bremen antreten, und von den Top-40-Spielern Lopez und Verdasco als eingespieltes Doppel perfekt ergänzt werden. Zudem sind beide nicht nur die besten Freunde von Nadal, sondern ebenso wie er Linkshänder und damit immer besonders problematisch für ihre Gegner. Dennoch sagt auch Nadal: "Wir sind hier nicht der Favorit. Der Favorit ist immer der, der zuhause spielt."

Doch auch ohne den Heimvorteil scheinen die Spanier für das deutsche Team nur äußerst schwer bezwingbar. Ihre Bilanz gegen Nadal ist im direkten Vergleich bei allen negativ, zuletzt musste sich Nicolas Kiefer in der dritten Runde von Miami dem 21-Jährigen beugen. "Es ist immer toll, im Vorfeld so einen Sieg eingefahren zu haben", sagt Nadal dazu mit breitem Grinsen, wird dann aber ernster und erklärt: "Bilanzen zählen im Davis Cup aber nicht, da ist alles anders. Es wird ein hartes Stück Arbeit für uns, aber eigentlich können wir jeden schlagen."

Mit Kniebandagen, aber topfit

Erst am Dienstagnachmittag war Nadal in Bremen aus Miami eingetroffen, wo er eine bittere Finalniederlage gegen den Russen Nikolaj Dawidenko hinnehmen musste. Dass das spanische Kraftpaket nun frustriert, ausgelaugt und mit schmerzenden Knien nicht in Höchstform in Bremen auflaufen würde, diese Hoffnung zerschlug sich bereits nach den ersten Minuten seiner Trainingseinheit: Zwar waren seine Knie wieder dick mit Tapeband umwickelt, doch das ist schon fast Standard bei Nadal. Die weiße Baseballmütze nach hinten gedreht, das war wohl für ihn der Startschuss zum Angriff - wuchtig prügelte er die Bälle übers Netz, schickte Ferrer an der Grundlinie von links nach rechts bis dieser schließlich gespielt frustriert aufgab.

Nadal lacht viel während der Übungseinheit, doch er arbeitet auch konzentriert und tauscht sich immer wieder mit seinem Onkel Toni Nadal aus, der ihn auch während der Davis-Cup-Woche mitbetreut. Locker, gut gelaunt und scheinbar in bester Verfassung präsentierte sich Nadal schließlich auch noch bei seiner zweiten Trainingsstunde des Tages. Und wurde dann doch etwas selbstbewusster: "Ich glaube, ich spiele derzeit die beste Hartplatzsaison meines Lebens. Und David auch. Wenn wir dieses Level auch hier beibehalten, dann spielen wir im Halbfinale."

Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport