Davis Cup - "Herz und Blut auf dem Platz gelassen"

Eurosport - Di 10.Mrz. 09:39:00 2009

Nicolas Kiefer ist der "Held von Garmisch": Nach seinem starken Auftritt im Doppel holte der 31-Jährige auch noch den entscheidenden Punkt gegen Österreich. Im Interview mit eurosport.yahoo.de spricht er über Glücksmomente, blutigen Einsatz und Minimal-Chancen gegen Spanien.

TENNIS 2009 Kiefer exklusiv - 0

Wie fühlt es sich an, den entscheidenden Punkt geholt zu haben?

Nicolas Kiefer: Das ist überwältigend, ich bin einfach nur super happy. Jürgen hat es mir nicht leicht gemacht, aber ich habe verdient gewonnen. Ich kann mich nur bei den Fans für die tolle Unterstützung bedanken. Ich hatte so viele Höhen und Tiefen in meiner Karriere, aber das hier war sicher eines der wichtigsten Wochenenden für mich. Es gibt nichts Schöneres, als den dritten Punkt zu holen.

Es gab Zeiten, da haben Sie sich selbst zu sehr unter Druck gesetzt, wenn Sie für Deutschland gespielt haben. Warum war das jetzt anders?

Kiefer: Ich denke, ich bin reifer geworden und genieße es jetzt mehr, auf dem Platz zu stehen. Die Routine und die Erfahrung helfen, ich bin auch viel gelassener geworden. Und ich kann mich inzwischen selbst besser einschätzen, besonders, wie ich mich nach Verletzungen fühle. Ich habe mich richtig gut gefühlt, meinem Fuß ging es gut. Ich wusste einfach, mir kann gar nichts passieren.

Ein bisschen was ist aber schon passiert. Sie sind zweimal gestürzt und haben sich an der rechten Hand verletzt. Wie schlimm ist es?

Kiefer: Es war ziemlich schmerzhaft, bis zum Knochen ist alles aufgeschürft. Der Arzt sieht sich das noch mal an, aber das wird schon wieder. Das ist eben Einsatz. Ich habe mein Herz und mein Blut auf dem Platz gelassen. Es war sicher ein schmerzhafter Sieg, aber einer meiner schönsten.

Sie konnten zwei Monate lang kein Match spielen. Wie erklären Sie sich, dass Ihnen die Pause überhaupt nicht anzumerken war?

Kiefer (lacht): Wenn ich das wüsste, würde ich immer zwei Monate Pause machen. Im Ernst, ich denke, es hat viel mit der richtigen Einstellung zu tun. Sicher war die Zeit in der Reha nicht einfach für mich, aber ich habe alles getan. Wichtig war auch, das Vertrauen von Patrik zu spüren, dass er mich mitgenommen hat. Und ich denke, es war die richtige Entscheidung.

Hat der Einsatz im Doppel auch dabei geholfen?

Kiefer: Auf jeden Fall. Im Doppel kann man ein bisschen mehr riskieren und ausprobieren, das ist etwas lockerer. Das Selbstvertrauen aus dem Match hat mir sicher geholfen, nur wusste ich vor dem Einzel trotzdem absolut nicht, wo ich stehe. Aber es ist gut gelaufen, und darüber bin ich überglücklich.

Die 7:0-Bilanz gegen Melzer sprach für Sie. Hält man sich da schon ein bisschen für unbezwingbar?

Kiefer: Ganz bestimmt nicht, das Match fängt ja trotzdem bei null an. Man braucht die richtige Einstellung und man muss kämpfen. Gegen Jürgen hat man nur ein oder zwei Chancen und die muss man nutzen. Ich habe aggressiver gespielt und vor allem eben diese wichtigen Big Points gemacht. Das macht zum Beispiel einen Nadal oder Federer aus. Dass mir das gelungen ist, ist super und gibt mir für die nächsten Wochen viel Selbstvertrauen.

Am Freitag sah es lange so aus, als würde das deutsche Team einem Desaster entgegen steuern. Haben Sie immer an den Sieg geglaubt?

Kiefer: Als es nach dem Sieg von Philipp Kohlschreiber dann doch 1:1 stand, wussten wir, dass die Österreicher jetzt richtig down sind. Das war unsere Chance, die mussten wir ausnutzen. Das ist eben das Spannende am Davis Cup. An diesen kleinen mentalen Dingen kann es immer kippen. Man hat bis zum Schluss immer eine Chance.

Im Juli geht es nun im Viertelfinale wieder gegen Spanien. Diese Siegchance dürfte aber eher gering sein, oder?

Kiefer: Das ist eine super Herausforderung für uns, in Spanien zu spielen. Da werden sicher auch viele deutsche Zuschauer sein. Wir haben letztes Jahr in Bremen gegen sie verloren, jetzt spielen wir bei ihnen auf Sand. Wir müssen dort hinfahren und uns sagen, dass wir es schaffen. Sonst können wir gleich zu Hause bleiben. Vielleicht unterschätzen sie uns auch, wer weiß. Unsere Chance mag minimal sein, doch sie ist da.

Welche Konstellation ist gegen Spanien denkbar?

Kiefer: So, wie das Team hier aufgetreten ist, könnten wir auch in Spanien auftreten. Der Zusammenhalt war prima, wir hatten eine tolle Woche in Garmisch.

Dann hat Ihnen also nur das 1:5 von Hannover 96 bei den Bayern das perfekte Wochenende vermiest?

Kiefer: Ja, das war ganz bitter für mich. Aber unser Sieg ist schon ein toller Trost.

Das Gespräch führte Petra Philippsen / Eurosport

Kommentare 1 - 11 of 51

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  1. ein freilos haben die spanier mit deutschland gewiss­ nicht, mit oder ohne nadal, man muß erst mal 3 punkte­ holen! und das ferrer schlagbar ist , hat ja­ ausgerechnet unser allseits beliebter herr­ kohlschreiber schon MEHRFACH bewiesen. und auch das­ letzjährige halbfinale gg die "sandplatzdiletanten­ " aus den usa hatten die meisten vorher schon mit­ 5:0 abgehackt( ich gebe zu ich auch 8O) ), und nadal­ hatte große mühe mit Querrey und roddick hat fast gg­ ferrer gewonnen, das doppel der amis hat auf 1.2­ verkürzt, erst der durchmarsch von nadalo gg spongejung­ roddick hat in die kerbe glatter durchmarsch für­ spanien gepasst... mittlerweile sind die spanier­ selber gar nicht mehr so sandplatzabhängig, siehe­ verdasco, lopez,robredo,ferrer die mittlerweile lieber­ auf schnellen belägen spielen..

    Von sunnyteddy2008, am Mo 9.Mrz. 14:27
  2. @bognerthomas: Tja der Haken ist nur: Die Spanier sehen­ es nicht so wie Du. Ich wollte nur zum Ausdruck­ bringen, dass es sehr auf die Einstellung zum Match­ ankommt. Sie werden die Deutsche Mannschaft im­ Gegensatz zu Dir schon ernst nehmen und ihre gewohnte­ Kampfkraft aufbieten und dann schätze ich die Chancen­ der Deutschen gegen Nadal und Co. gegen Null, ohne­ Nadal bei ungefähr 10 bis 20% ein, vorausgesetzt­ Deutschland kann ein sandtaugliches Team aufbieten.

    Von anna_luest, am Mo 9.Mrz. 14:15
  3. @anna_luest
    dann ab ins Wettbüro,kriegst sicher geniale­ Quoten,hast vermutlich ausgesorgt wenn Deutschland­ gewinnt

    Von bognerthomas, am Mo 9.Mrz. 13:58
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    @bognerthomas: Also wenn die Spanier das so sehen wie­ Du, dann hat Deutschland doch eine Chance.

    Von anna_luest, am Mo 9.Mrz. 13:05
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    wir haben die gleiche Chance ...wie eine Schneeflocke­ im Juli !

    Von Rudy, am Mo 9.Mrz. 13:02
  6. deutschland hat auf jeden fall eine chance !!!!!
    nach­ den french-open ist bei den sandplatz-popeyes bestimmt­ der "spinat" aufgebraucht........oder­ vielleicht erwischen sie ja den falschen­ "hustensaft" danach sieht nadals bizeps aus­ wie ein luftballon ohne luft .........

    Von breze71, am Mo 9.Mrz. 12:41
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    in Prinzip ists egal ob Nadal spielt oder nicht­ Deutschland hat gegen Spanien keine Chance,Spanien hat­ quasi ein Freilos

    Von bognerthomas, am Mo 9.Mrz. 12:28
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    Schade übrigens, dass die Auslosung unsere Jungs­ ausgerechnet nach Spanien schickt. Nachdem nun Serbien­ nicht mehr dabei ist und auch Frankreich etwas­ überraschend ausgeschieden ist, hätte es viele­ schlagbare Gegner im Feld gegeben :-((

    Von anna_luest, am Mo 9.Mrz. 11:26
  9. In Spanien gibt es allerdings kaum eine Chance für kein­ Team der Welt. Unsere Jungs brauchen eine unglaubliche­ Moral. Ich sehe im Einzel nur Kohli, der auf Asche­ einigermaßen mithalten könnte, vielleicht noch­ Gremelmayr, falls er seine Form steigern kann, bis Juli­ ist ja noch Zeit. Aber wenn Nadal mitspielt, dann­ "Gute Nacht".
    Da kann man die Spaniern nur­ außerhalb Spaniens besiegen. Vielleicht hat Nadal nach­ Paris aber auch wieder Probleme mit seinem Knie? Kiefer­ liegen die Spanier aufgrund seiner Spielweise leider­ überhaupt nicht. Er hat keine Chance gegen Nadal und­ nur sehr minimale gegen die anderen Spanier. Auch Haas­ traue ich nicht mehr zu, dass er sich auf Sand mit den­ Spaniern messen kann. Im Doppel hängen die Trauben­ ebenfalls sehr hoch. Aber ein Fünkchen Hoffnung besteht­ immer. Tennis ist und bleibt ein Spiel Eigentlich­ braucht man nur einen Ballwechsel zu gewinnen: den­ Letzten ;-))

    Von anna_luest, am Mo 9.Mrz. 11:22
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    Glückwunsch an das deutsche Team!!! Habe mit einem Sieg­ gerechnet, wenn die Einstellung unserer Jungs stimmt­ und die war wirklich grandios! Schüttler war leider­ sehr nervös und konnte seine Höchstleistung nicht­ abrufen. Hat aber immerhin gekämpft.
    Für Kohlschreiber­ lief es auch alles als optimal. Erst dreht er mit­ riesigem Spiel und Kampf einen 0:3 Rückstand, dann­ zockt Melzer gegen Ende des ersten Satzes unglaublich­ gut und kauft Kohli, der ebenfalls auf hohem Niveau­ spielte, etwas den Schneid ab bis zum 4:2 im dritten­ Satz. Kohli hat aber unglaublich weitergekämpft und das­ ganze Match umgebogen. Das war der entscheidende Schlag­ gegen Österreich! Die zentrale Figur im­ Österreichischen Team, "Cordoba"-Jürgen­ Melzer war geschlagen. Nach diesem kraftzehrenden Match­ hat er sogar fürs Doppel verzichtet, denn er wusste­ auch, dass er gegen Kiefer wiederum alles aufzubieten­ hatte.
    Am Ende also ein klarer Sieg für Deutschland,­ zur Not hätte Kohli auch Koubek noch bezwungen, da bin­ ich mir sicher. Für mich sind die Leistungen von Kohli­ und Kiefer gleichwertig. Also beides Helden, wie wir­ sie brauchen!!!

    Von anna_luest, am Mo 9.Mrz. 11:09
  11. Super gemacht Kiwi. Aber gegen Spanien wird es schwer­ sehr schwer. Und da wird wohl schluß sein.

    Von Rafael Nadal is the best, am Mo 9.Mrz. 10:28
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