Bundesliga - Den "Fohlen" das Herz herausgerissen

Di 10.Jan. 15:02:00 2012

Mit einem Schlag verliert Gladbachs Trainer Lucien Favre im Sommer zwei extrem wichtige Spieler. Er hatte sie aufgebaut, zu Leistungsträgern geformt. Nun wird seine mühsame Arbeit zunichte gemacht - und das nicht zum ersten Mal.

favre gladbach coach 2011 - 0

Es gibt Tage, an denen kann es kaum noch schlimmer kommen.

Für Trainer Lucien Favre war am vergangenen Dienstag genau so ein Tag. Erst kam Marco Reus in sein Büro, bevor das erste Mal im neuen Jahr bei den Gladbachern trainiert werden sollte. Was Reus ihm sagte, traf den Schweizer wie ein Schlag: Sein bester Spieler verlässt im Sommer Borussia Mönchengladbach und wechselt zu Borussia Dortmund.

Dass sich der 22-Jährige bereits in seinem Weihnachtsurlaub entscheiden würde - und dann noch für seinen Weggang - kam für Favre wie aus heiterem Himmel. Nicht nur, weil er darauf gesetzt hatte, dass das Herz seiner Mannschaft bleiben würde.

Dann kam es noch schlimmer, auch wenn er das Gefühl hatte, dass das kaum mehr möglich war. Denn als Reus sein Büro verließ, gab er seinem Kollegen Roman Neustädter quasi die Klinke in die Hand. Und was der ihm zu sagen hatte, brachte Favres Stimmung auf den Tiefpunkt: Auch Neustädter würde gehen, sehr wahrscheinlich im Sommer zu Schalke 04.

Es war ein Doppelschlag in Favres Gesicht, und auch tags darauf, als die Nachricht publik war, hatte sich der Coach nicht beruhigt. "Ich kann kein Geheimnis aus meiner Enttäuschung machen. Es wird schwer, vielleicht sogar unmöglich, die beiden Spieler zu ersetzen."

Ein Gefühl der Machtlosigkeit

Was Favre wohl so besonders echauffierte, war die Tatsache, dass er dieses Gefühl der Machtlosigkeit nicht zum ersten Mal erlebte. Schon als er in der Saison 2008/09 Hertha BSC mit begrenztem Budget auf einen sagenhaften vierten Platz führte, machte der Ausverkauf alles zunichte. Mit Marko Pantelic, Andrei Voronin und Josip Simunic verließen seine drei wichtigsten Spieler den Verein, die Folge: Hertha stieg in der nächsten Saison ab, Favre wurde vorzeitig entlassen.

Alles, was der kluge Schweizer in der Hauptstadt mit raffinierter Spieltaktik, einem klaren Konzept und positiver Arbeitsatmosphäre in dem sonst so turbulenten Klub erreicht hatte, war zerstört. Sein mühsam aufgepäppeltes Pflänzchen wurde niedergetrampelt.

Immerhin: Dem Verein - genauer gesagt Manager Max Eberl - steht erstmals genug Geld zur Verfügung, um hochkarätige Neuzugänge zu holen.

Doch zunächst muss Favre erstmal seinen Optimismus wiederfinden.

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