Dakar 2009 - Bauers Dakar-Blog: Ein ganz normaler Tag

Eurosport - Sa 10.Jan. 13:49:00 2009

Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für uns einen Blick hinter die Kulissen.

Rally Raid 2009 Dakar 2009 Eurosport Editing Room - 0

Hola,

oft werde ich gefragt, wie denn so ein Tag bei der Dakar für mich aussieht - schließlich müsse ich nicht die ganze Strecke mit dem Auto zurücklegen, sondern sei nur zweimal am Tag kurz live auf Sendung. Da bleibt doch sicher Zeit für Sightseeing, oder? Weit gefehlt...

4:15 Uhr

Pünktlich klingelt der Wecker. Manchmal ist aber auch das nicht nötig, denn je nachdem wo das Zelt steht, macht man eh kaum ein Auge zu. Jetzt die klassische Morgenroutine: Frühstück im Kantinen-Zelt, wo man gerne über dort schlafende Mechaniker oder Fahrer stolpert, deren Assistance-Truck aus irgendwelchen Gründen nicht angekommen ist. Dann Duschen (nur wenn die Schlange nicht zu lang ist).

5:00 Uhr

Packen und Zelt abbauen. Nach wie vor ein heikler Teil, die Flüche hallen morgens in regelmäßigen Abständen durch das Biwak. Gerne brechen dann auch mal Zeltstangen, wenn man spät dran ist und das Zelt in seinen Sack zwingt.

5.15 Uhr

Abfahrt mit dem Bus zum Flughafen. Dabei erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen die ganze Nacht hindurch an den Zäunen um das Biwak herum stehen. Es ist als würde man eine Gladiatoren-Arena verlassen.

6:30 Uhr

Ab in die Herkules. In den Maschinen der argentinischen Luftwaffe sind alle Einrichtungen für die Fallschirmspringer (bei der Bundeswehr nannten wir sie "Aufklatscher") vorhanden, wir sitzen alle in vier Längsreihen auf gespannten Netzen, das Gepäck über unseren Köpfen unter dem Dach oder auf der großen Heckrampe festgezurrt. In der Maschine wird es teilweise so heiß, dass man die Füße nicht mehr auf dem Boden lassen kann. Die Soldaten mit den Springerstiefeln merken das nicht, meine Turnschuhe jedoch sehr.

9:30 Uhr

Nach erneutem Bustransfer kommen wir im Biwak an. Sofort geht es an die Arbeit. Je nach dem wann die LKWs der TV-Produktion angekommen sind, hilft man den Technikern beim Aufbau der Sat-Schüsseln, Bänke, Zelte, Kühlschränke etc. Dann ab ins Internet oder zu Radio Dakar, wo mein Ex-Mitbewohner die Journalisten mit den neuesten Nachrichten aus den Helikoptern versorgt. So hat Eurosport immer als einer der ersten die guten Infos.

10:30 Uhr

Schnelle Dusche, zweites Frühstück, Email checken, Meeting mit meiner Kollegin, um das LIVE-Programm durchzusprechen und letzte Infos einholen.

11:00 Uhr

Im Schnitt-LKW (in Afrika wurde dafür noch ein großes Flugzeug benutzt) sichte ich die ersten Bilder des Tages, sortiere meinen Schnittplan für die erste Live-Sendung und mache mich daran, die Magazin-Partien des Highlight-Programms zu schneiden.

12:00 Uhr

Schnelle Runde durch das Biwak, um zu sehen welches Team sich wo niedergelassen hat. Da es sehr weitläufig ist, fahren wir während der Sendung mit dem Quad, jetzt allerdings geht es zu Fuss. Die meisten Teams schicken immer einen Wagen voraus, um ein Areal mit Bändern abzustecken. Danach ins Presse-Zelt auf ein Schwätzchen mit den Presse-Verantwortlichen der großen Teams und anderen Journalisten. Dann wird versucht, Termine für Interviews abzusprechen.

13:30 Uhr

Produktions-Meeting

13:45 Uhr

Mit Olivier, meinem Cutter, schneiden wir die Berichte für die Tagesetappe. Letzte Infos der Etappe werden recherchiert und die Sendezentrale in Paris gebrieft. Wenn noch Zeit bleibt, wird am Script (auf englisch) für die Tageszusammenfassung gearbeitet.

14:55 Uhr

Ich bekomme meinen Ohrstöpsel und Mikro, erkläre den Kamera-Männern den Sendeablaufplan. Letzte Tests werden gemacht, dann geht es auf dem Quad durch das Biwak.

15:15 Uhr

LIVE-Sendung

15:40 Uhr

Kaffee während wir die Sende-Kritik durchgehen. Dann besprechen meine Produzentin und ich die Abendsendung. Wen wollen wir im Interview? Sind die betreffenden Personen schon da bzw. wann werden sie erwartet? Wo sind sie im Biwak, reicht dort unsere TV-Antenne hin oder setzt Ton/Bild aus?

16:00 Uhr

Die Highlights des Tages werden nach Paris geschickt. In der Zwischenzeit arbeiten Paris und ich parallel an den Infos für das Script.

16:30 Uhr

Biwakrunde. Mit den Werksfahrern kann man jetzt gut sprechen, einen Blick auf die Wagen werfen. Oft begeben sie sich nämlich hier schon nach dem Debriefing mit den Mechanikern und Ingenieuren ins Hotel.

17:30 Uhr

Olivier erhält von mir eine Liste, um Bilder für die Interviewpartner vorzubereiten. Zusammen versuchen wir, jeweils das beste Bild zu finden oder eben genau die Szene, die wir im Interview ansprechen wollen.

18:00 Uhr

Besuch im Pressezelt, Interview-Anfragen, Schliff an der Sendung und Internet-Recherche. Oft auch nur Emails checken oder den Sand aus der Tastatur und dem Rucksack entfernen.

19:15 Uhr

LIVE-Sendung nach dementsprechender, letzter Vorbereitung. Die Abläufe im Vorfeld sind stereotyp. Ab und an kommt mal rasieren oder Hemden waschen vorher dazu.

20:00 Uhr

Feierabend-Bier während der Sende-Besprechung, dann Abendessen.

21:00 Uhr

Je nachdem wer erreichbar ist, drehen wir den Magazin-Beitrag für den nächsten Tag. Das Script wird vorgeschrieben, so dass am nächsten Tag ein Cutter gleich daran arbeiten kann. Zur gleichen Zeit wird der TV-Truck bereits abgebaut und macht sich auf die Liaison, um rechtzeitig im neuen Biwak zu sein.

23:00 Uhr

Freizeit. Meist verbringe ich sie im Biwak oder Essenszelt, plaudere mit den Leuten und genieße die Dakar. Ich versuche die deutschen Teilnehmer zu besuchen, aber meist bleibt man an irgendwelchen Zelten oder Trucks hängen auf einen Schnack.

Meist nach Mitternacht:

Suche ich mir einen Platz für mein Zelt, oder auch nur für die Iso-Matte. So kann ich eventuell Zeit und Nerven sparen mit dem Abbau des Zeltes und fünf Minuten mehr Schlaf heraus schinden.

Aus Chile berichtet Gernot Bauer / Eurosport

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. Knackig und das 14 Tage lang...das gibt Sonderurlaub und Zulage oder? Was sagt der Betriebsrat? (Kleiner Scherz..)

    Von Tomsclub, am Fr 9.Jan. 22:23
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