Int. Fußball - Wende: Blatter gesteht Fehler ein

Do 09.Dez. 14:11:00 2010

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat Korrekturen im Fußball-Weltverband angekündigt. Mit einer Task Force will er das beschädigte Image der FIFA "wieder etwas aufpolieren". Ein erneute WM-Doppelvergabe hält der Schweizer im Interview für nicht sinnvoll.

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Herr Blatter, wie haben Sie denn die ungemütlichen letzten Wochen erlebt?

Joseph Blatter: Es waren turbulente Wochen. Aber gut, es braucht etwas Geduld und Durchhaltevermögen, und am Schluss geht alles gut aus.

Fast hatte es den Anschein, Blatter gegen den Rest der Welt...

Blatter: Ich würde nicht sagen, gegen den Rest der Welt, aber gegen eine gewisse Presse. Und es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. Was hat man nicht alles gesagt: Die WM in Afrika bringt nichts, das ist die schlechteste Idee, die die FIFA, die Blatter je hatte, und es war wunderbar. In der Welt des Fußballs gibt es eben einige Journalisten, die etwas besessen sind.

Wie bewerten Sie denn das Imageproblem der FIFA?

Blatter: Wir haben einige Schläge bekommen. Aber die alten Kamellen von der ISL aufzuwärmen, das geht einfach nicht. Wenn die Weltpresse dann das auch noch übernimmt und sagt, die FIFA ist dies und das, dann muss ich eben eingestehen: Das hat unserem Image geschadet. Sonst wäre ich fern der Realität. Jetzt müssen wir das Image wieder verbessern.

Wie wollen Sie denn das beschädigte Image der FIFA wieder aufpolieren?

Blatter: Indem vielleicht auch die Medien wieder etwas von ihrem hohen Ross runterkommen und in die Realität zurückkehren und sehen, was in der Realität des Fußballs passiert und was in der Zukunft passiert.

Aber welche Schritte will denn die FIFA in der Glaubwürdigkeitskrise einleiten, damit der Verband wieder in ein besseres Licht rückt?

Blatter: "Die Task Force für die Analyse des Spiels und des Wettbewerbs wird bereits im Januar ihre Arbeit aufnehmen. Das müssen wir machen. Das letzte Mal, dass wir so etwas gemacht haben, war nach der WM 1990. Das ist 20 Jahre her und der Fußball hat sich weiterentwickelt. Da wird dann alles untersucht, damit der Wettbewerb attraktiv bleibt: das Problem der Technologie, die Drei Punkte-Regel, Elfmeterschießen ja oder nein, und die Frage, ob die Anzahl der Teilnehmer in einem Finalfeld die richtige ist. Und es wird die 'Task Force compliance' geben - ich weiß nicht, wie man das auf Deutsch sagt. In dieser zweiten Task Force geht es darum, wie können wir das Image der FIFA weiterhin hoch halten und wieder etwas aufpolieren."

Wie sehr sehen Sie denn den Präsidenten Joseph Blatter durch diese Affäre beschädigt?

Blatter: Es muss immer wieder gesagt werden, dass von den FIFA-Offiziellen von damals und von heute niemand von einem Gericht in der Schweiz verurteilt wurde. Niemand wurde angeklagt oder verurteilt. Die Mitglieder der Exekutive wurden ja nicht verurteilt wegen Korruption, sondern wegen Nichteinhaltung der ethischen Regeln.

Nochmal: Wie sehr sehen Sie den Präsidenten Blatter durch die Korruptionsvorwürfe und die Doppel-WM-Vergabe geschädigt?

Blatter: Also, ich habe noch nie soviel Unterstützung von Verbänden, Klubs und von Spielern bekommen wie in diesen letzten Tagen. Seit dem 2. Dezember gibt es nur Glückwunschtelegramme aus der ganzen Welt.

Heißt das, Sie haben in der ganzen Zeit nie an Rücktritt gedacht?

Blatter: Ich und Rücktritt? Da würde mein Vater aus der Ewigkeit zurückkommen und mir die Leviten lesen und zwei-, dreimal einen Kick geben.

Ihre Kritiker verlangen, jetzt muss ein neuer Präsident her?

Blatter: Ja gut, dann sollen sie das den 208 Verbänden mitteilen. Und warum ein neuer Präsident? Nur, weil es ein deutscher Journalist schreibt, muss ein neuer Präsident her? Man soll die ganze Crew auswechseln? Ich sage: Never change a winning team.

Halten sie in Zukunft Doppelvergaben noch für sinnvoll?

Blatter: Nein, das mache ich nicht mehr. Ich würde es auch nicht mehr machen können, weil ich dann nicht mehr da bin. Doppelvergaben halte ich nicht für sinnvoll. Wir haben es jetzt gemacht und es ist gut rausgekommen, wirklich toll rausgekommen. Denn sehen Sie, die zwei großen Seilschaften, die in den Medien waren, haben sich am Schluss eben nicht durchgesetzt. Am Schluss setzt sich doch das durch, was am meisten Sinn macht.

Und warum machen Ihrer Meinung nach die Weltmeisterschaften in Russland und Katar Sinn?

Blatter: Wir gehen mit der WM jetzt in Gegenden der Welt, wo sie noch nie war. Osteuropa, Russland. Das ist Neuland, und das passt genau in die Entwicklungsarbeit des jetzigen Präsidenten und früheren Entwicklungshelfers. Wir gehen mit der Fußball-WM dorthin, wo sie noch etwas mehr bewegt als nur Kommerz. Und das wurde auch vom Exekutiv-Komitee zum Ausdruck gebracht. 2022 gehen wir in die arabische Welt, die auch ein Anrecht auf die WM hat. Katar ist als eine starke Kandidatur aufgetreten.

Interessant, die arabische Welt hat ein Anrecht auf die WM?

Blatter: Es geht ja nicht nur um die arabische Welt. Es geht auch darum, dass eine neue, alte Kultur, sprich, die ganze islamische Welt in den Genuss einer WM kommt. Dort leben immerhin eine Milliarde Menschen, und die sind jetzt auch zufrieden und sagen, dass auf der ganzen Welt der Fußball nicht nur die Wirtschaft bewegt, sondern, dass auch das Sozialkulturelle zum Ausdruck kommt.

Mit Verlaub, wo ist denn das Ende der neuen Märkte? In der Antarktis?

Blatter: Nein, nicht in der Antarktis. Die ist weit weg, wir können nicht in die Antarktis gehen. Wo sind denn die großen Fußballereignisse noch nie gewesen? Wir müssen in den Raum schauen, in dem der größte Teil der Weltbevölkerung lebt. Und zwei Drittel der Weltbevölkerung oder noch mehr leben in Asien. Und dort haben wir zwei große Subkontinente, in denen 1,2 und 1,4 Milliarden Menschen leben. Indien und China wären neue Märkte.

Das sind vor allem Märkte, um viel Geld zu verdienen...

Blatter: Nein. Das sind nicht Märkte, um Geld zu machen, sondern Märkte, um den Fußball weiterzuentwickeln. Unsere Sponsoren haben unterschrieben, ohne zu wissen, wohin die WM 2018 und 2022 vergeben wird. Es geht ihnen nicht um das Geld. Das Produkt FIFA-WM ist die Attraktion, und das WM-Turnier kann man überall spielen. Das wird überall Erfolg haben, solange der Fußball nicht nur Kommerz ist, sondern Emotionen bringt.

Das Interview führte Sven Busch / Eurosport

Kommentare 42 - 61 of 61

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  1. Katar wird die Vorrunde mit 0punkten und mit über 0:25­ toren super beenden. Da wird es wenigstens neue­ Spielrekorde geben. Z.B. Katar gegen Brasilien 0:11,­ gegen Spnien 0:10 oder gegen Deutschland 0:15!
    Das will­ der geldgeile Blatter doch erreichen, damit er in die­ Kroniken eingeht. Diese FIFA muß sofort zurücktreten­ anders geht es nicht mehr!!!

    Von Hajo, am Mo 13.Dez. 20:31
  2. wie lange noch wird der blattersepp eigentlich noch­ leben, bei dem geld?

    Von elrabogrande, am Sa 11.Dez. 6:10
  3. Deine idee das deutschland eine eigene wm machen soll­ ist sehr idiotisch weil es schwere konsequenzen geben­ könnte z.B ausschluss an der cl und der europa league

    Von Ricco, am Fr 10.Dez. 22:02
  4. Die WM in Südafrika war vielleicht wunderbar für seinen­ Geldbeutel.
    Südafrika selber hat mehrere Milliarden­ Euro Schulden, die arme Bevölkerung sitzt weiterhin in­ ihren gemütlichen Wellblechhütten und Arbeitsplätze­ wurden auch keine neuen geschafften.
    Die FIFA hatte im­ Vorfeld fast alle Merchandising-Artikel in Asien­ herstellen lassen, so dass südafrikanische Unternehmen­ ja keinen Umsatz machten.

    Dafür kann sich der Seppl­ aber über Rekordeinnahmen freuen und das ist ja das­ einzige was zählt.

    Von Bernie Bernd, am Fr 10.Dez. 19:12
  5. @Wolf [58]
    Keine schlechte Idee! Aber vorsicht, ein­ ähnliches Vorhaben aus Deutschland aus eine parallel­ Welt einzurichten ging schon mal richtig ins Auge! Die­ Nachwirkungen sind noch heute spürbar!!!
    Abgesehen­ davon, dass deine Idee blauäugig und realitätsfremd­ ist, würden die Araber mit einer heftigen Reaktion­ antworten! Geld aus Deutschland raus! Nix Porsche, nix­ VW, nix Daimler usw. ...

    Von Mo, am Fr 10.Dez. 15:51
  6. Ich frag' mich, warum den BlatterSepp der Blitz­ beim Schei$$n noch nicht getroffn hat!
    Ehrlich!!!

    Von elrabogrande, am Fr 10.Dez. 15:39
  7. Deutschland sollte eine eigene WM ausrichten!! (ohne­ FIFA und DFB) dann können die 2022 ihre WM gegen­ Pakistan und Nord Korea austragen.

    Von WOLF09, am Fr 10.Dez. 13:53
  8. Die Verbände Südamerika und Europa sollen sich mit­ sofortiger Wirkung sich von der FIFA trennen, Was ist­ die FIFA dann?

    Von lms23, am Fr 10.Dez. 9:25
  9. Nord-Südamerika, Europa und Vielleicht auch Afrika­ Sollen 2022 ohne die FIFA ein Eigenes Turnier auf die­ Beine Stellen! Wo? In England :)

    Von lms23, am Fr 10.Dez. 9:23
  10. Wende??? Die Überschrift muss wohl als völlig­ irreleitender schlecht gemeinter Scherz gedacht gewesen­ sein. Anders kann ich mir sie sonst nicht erklären. Von­ Einsicht oder sonst irgendetwas ist jedenfalls im­ Interview nichts zu erkennen. Ganz im Gegenteil...

    Von Traveler, am Fr 10.Dez. 9:13
  11. F**K Sepp B.
    WM 22 im Januar (Katar)
    WM 26 im Juli­ (Grönland)

    Von Eclipse, am Fr 10.Dez. 8:53
  12. Wer korrupt ist schämt sich nicht.
    Ganz im Gegenteil -­ um seine Ziele zu erreichen, würde so einer wie der­ Blatter über Leichen gehen.
    Leute die was anderes sagen­ macht diese korrupte Sau mundtot.
    Beweise über­ Korruption in der FIFA läßt er verschwinden, wenn denn­ überhaupt welche auftauchen.
    Aber nicht nur Blatter und­ seine geldgierigen Gefolgsleute sind korrupt,
    sondern­ schon das ganze System.
    England hat bei dieser FIFA­ schon LANGE fertig.
    Die bekommen nie wieder ein Turnier­ - da bin ich mir sicher.
    Aber auch in den­ internationalen Spielen werden sie beschissen.
    Ein­ gutes Beispiel war das Spiel Chelsea gegen Barcelona­ vor ca. 1 Jahr.

    FIFA steht für Falsch - Intolerant -­ Ferlogen - Arrogant

    o.k. ich weiß, daß man (v)erlogen­ schreibt ;-))

    Von Gerd Müller, am Fr 10.Dez. 8:15
  13. Blatter wurde regelmässig von seinen verbandsinternen­ Gegnern finanzielles Missmanagement vorgeworfen, etwa­ durch FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen­ bezüglich Verlusten von bis zu 100 Millionen US-Dollar­ im Bereich Marketing. Die entsprechende Klage wurde­ durch ein Schweizer Gericht fallen gelassen. Eine­ interne Untersuchung der Vorgänge wurde durch Blatters­ Veto verhindert und sein Kritiker aus dem Amt­ entlassen.

    Von lms23, am Fr 10.Dez. 7:46
  14. Kommentare zum Frauenfussball.
    Blatter erntete Kritik­ von Spielerinnen- und Frauenverbänden für einen­ Kommentar im Jahr 2004 während eines Interviews im­ Schweizer Sonntagsblick, nach dem die Sportkleidung der­ Fussballspielerinnen „femininer“ gestaltet werden­ solle. Diese Massnahme sollte neue Geldgeber, etwa aus­ der Kosmetik- und Modeindustrie anlocken. Blatter­ verglich seine Idee mit der Entwicklung im­ Volleyball.
    Der Man ist doch nur Geldgeil , Sport ist­ Ihn Egal!!!

    Von lms23, am Fr 10.Dez. 7:37
  15. sepp blater ist eine der grosste korrupten in fussball­ geschäft schäme dich

    Von tipiprishtine, am Fr 10.Dez. 6:59
  16. Also ich persönlich finde die WM in Russland klasse.Die­ Russen haben im Fußball viel geleistet.Rußland hat sehr­ gute Mannschaften und Spieler.In Champions League und­ Europa Liga oder Nationalmannschaft haben sich die­ Russischen Teams einen Namen gemacht.Aber Katar?Frage­ mich was wollen die mit einer WM?Haben die überhaupt ne­ eigene Liga oder Nationalmannschaft?Meine persönliche­ Meinung.Ein klares NEIN zu Katar.Da kannste die WM auch­ in San Marino austragen lassen.

    Von Frank Wuppertaler SV, am Fr 10.Dez. 6:31
  17. Katar ist ein Witz, Gut das Internet gibt, Bin auf­­ Facebook in einer Gruppe: "Katar 2022? Ohne­­ uns" beigetreten, malschauen wie Groß wir werden­­ :)

    Von lms23, am Fr 10.Dez. 4:42
  18. Das die WM in russland ist naja find ich jetzt nicht so­ schlim aber Katar haben die überhaupt ne nationalelf­ blatter hat sich nur von den ölscheichs bestechen­ lassen weil er halt koropt ist

    Von Ricco, am Fr 10.Dez. 4:33
  19. Herr Blatter, kommen sie mal in der Realität an!!!

    Von Valerian Dötsch, am Fr 10.Dez. 4:26
  20. blatter und die ganze fifa sind bei mir sowas von­ untendurch da hilft garnichts mehr !!

    henry's­ Hand, und welche krassen offensichtliche­ fehlentscheidungen bei der WM gefällt wurden das war­ echt verarschung !!

    ich kann alles und jeden verstehn­ der etwas tut, aber nicht wenn jemand 100 % und das­ auch noch offensichtlich ungerecht behandelt wird.
    und­ genau das hat die fifa bzw. blatter oft durchgehn­ lassen.

    wenn franz beckenbauer fifa presodent wäre und­ der die regel machen würde wären wir alle zufrieden da­ bin ich 100 % sicher

    Von Nole-Rafa-Fan, am Fr 10.Dez. 4:15
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