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Dicke Luft in Ruder-Kreisen

Di 09 Sep, 10:26 Uhr


Düsseldorf (dpa) - Der Deutsche Ruderverband (DRV) kommt nicht zur Ruhe. Nach der historischen Schlappe von Peking, wo der einstmals als Erfolgsmodell gepriesene DRV erstmals seit 52 Jahren ohne olympische Goldmedaille blieb, regt sich heftige Kritik.

Auch eine eiligst einberufene Krisensitzung nur eine Woche nach der Abreise aus China konnte den Betriebsfrieden nicht wieder herstellen. Vielen Athleten und Funktionären gehen die dort gefassten Beschlüsse nicht weit genug. So stellte Klaus-Dieter Lembke aus Protest seine Ämter zur Verfügung. «Ohne personelle Konsequenzen wird das Ziel 2012 nicht erreicht werden können», klagte der ehemalige Vorsitzender des DRV-Länderrates und sächsischen Landesverbandes.

Im Zentrum der Kritik stehen Sportdirektor Michael Müller und der Sport-Vorsitzende Stefan Grünewald-Fischer. Beide werden für das schlechte Abschneiden von Peking mit nur einer Silber- und Bronzemedaille verantwortlich gemacht. Auch Verbandschef Siegfried Kaidel mochte die Olympia-Bilanz nicht schönreden: «Es ist niederschmetternd, was herausgekommen ist.»

Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre veranlasste ihn zu einer Entmachtung von Grünewald-Fischer und Müller. Auf einer Vorstandssitzung am 25. August erklärte der DRV-Vorsitzende den Leistungssport zur Chefsache: «Ohne meine Zustimmung läuft nichts mehr.» Überraschend kam die Degradierung der beiden Führungskräfte jedoch nicht. Bereits vor den Olympischen Spielen gab es Gedankenspiele, organisatorische und sportfachliche Aufgaben zu trennen. «Damit kann ich gut leben. Schließlich war es mein Wunsch, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren», kommentierte Müller.

Von einem Zerwürfnis in der DRV-Spitze kann deshalb keine Rede sein. Ungeachtet des heftigen Gegenwinds hält Kaidel an Müller fest. Das hat sowohl pragmatische als auch fachliche Gründe. Zum einen kann sich der finanziell klamme Verband eine Kündigung des seit 17 Jahren für den DRV tätigen Sportdirektors kaum leisten. Zum anderen schätzt der im März ins Amt gewählte Kaidel dessen organisatorische Fähigkeiten. «In diesem Bereich halte ich ihn für einen sehr guten Mitarbeiter.»

Die Zeiten, in denen Müller und Grünewald-Fischer massiv Einfluss auf die Zusammenstellung des DRV-Kaders nehmen, sind allerdings vorbei. Darum soll sich in Zukunft ein Cheftrainer kümmern: Harald Jährling (früher SC Magdeburg), Hartmut Buschbacher (ehemaliger DDR-Trainer) und der Däne Morten Espersen gelten als erste Wahl. Nach kritischem Blick auf die Vita der Kandidaten will der Verbandschef noch im September eine Entscheidung treffen. Kaidels Anforderungsprofil lässt tief blicken: «Wir suchen einen Trainer, dessen Kreuz breit genug ist, um die nötigen Veränderungen durchzuziehen.»

Den neuen Hoffnungsträger erwartet eine Herkulesaufgabe. Nicht nur der vielbeachtete Streit um die Neubesetzung des Deutschland-Achters offenbarte die problematischen Zustände im DRV. Zudem erschwert die hohe Erwartungshaltung die Arbeit. Trotz der bedenklichen Entwicklung in den vergangenen Jahren hofft Kaidel darauf, dass der DRV schon bald wieder als führende Ruder-Nation gilt: «Ich möchte 2012 in London viermal die deutsche Nationalhymne hören. Wenn es uns gelingt, unseren starken Nachwuchs schnell an die Spitze heranzuführen, können wir wieder an alte Erfolge anknüpfen.»

 

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. Das Schicksal der Sportler liegt wohl ganz offensichtlich in den Händen von Personen denen das Amt/der Posten den Inhalten voraus geht.
    Die Realitätsverweigerung eines Präsidenten, der ja auch schon als "normales" Vorstandsmitglied den Sportdirektor und dessen organisatorische Brillanz seit vielen Jahren begleitet hat, ist erschreckend.
    Die Hauptfähigkeit dieses Sportdirektors ist es allerdings ein perfides, machiavellistisches Netz von Abhängigkeiten aufgebaut zu haben, bei dem nicht mehr sportliche Ziele im Vordergrund standen, sondern ganz profane, auch persönliche, materielle Interessen, die den Leistungssport Rudern viel Substanz und auch das Vertrauen in das System des DRV gekostet haben.
    Der bis zur Juniorenklasse (18 Jahre) stärkste Verband schafft es nicht eine Kontinuität danach herbeizuführen.
    Jetzt sollen die jungen Sportler auch noch schlecht bezahlte Vollprofis werden und ihre ganze Zukunft in die Hände von diesen unqualifizierten Chaoten legen.
    Die Hilflosigkeit und Verantwortungslosigkeit dieses Führungspersonal ist untragbar. Das Vertrauen der Sportler in ein transparentes leistungsorientiertes System ist völlig verloren gegangen und damit werden junge Menschen für ihr ganzes Leben geprägt.
    Die Fähigkeit intellektuelle und sportliche Leistungsfähigkeit zu charakterlich starken Persönlichkeiten zu entwickeln ist das, was dieser Sport leisten kann und durch diese "Führungselite " verloren hat. Es ist beschämend, wie mit dem Leben dieser jungen Menschen umgegangen wird.
    Der Fisch stinkt immer vom Kopfe her und hier kann nur ein klarer Schnitt das Vertrauen wieder herstellen.
    Und dieses Vertrauen ist allemal mehr wert, als die Abfindung eines unfähigen intriganten charakterlosen Sportdirektors, dessen zuvor genannten Eigenschaften, aus welcher Funktion heraus auch immer, die gedeihliche Entwicklung im Verband torpedieren wird. Also, ihr Vorstände, seid wahre konsequente Ruderer und tretet zurück,wie es sich gehört.

    Von rallimontecarli, am Mi 10.Sep. 23:40
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