New York (dpa) - Vor Novak Djokovic ist niemand sicher. Der Witzbold auf der Tennis-Tour ist nicht nur zur dritten Macht in der Weltrangliste hinter Roger Federer und Rafael Nadal aufgestiegen, sondern auch als Imitator ein Weltstar.
Vor keinem seiner Kollegen macht der Youngster mit dem lustigen Igelschnitt halt, wenn es darum geht, deren Gewohnheiten und Macken zu karikieren. Ob Maria Scharapowa, Andy Roddick oder auch Pete Sampras: Der Aufsteiger der Saison hat sie alle in seinem Repertoire.
Er nimmt sie nicht mehr nur im Verborgenen der Umkleideräume zum Ulk seiner Freunde aufs Korn. Bei den US Open präsentierte der «Lausbub» seine ganz spezielle «After-Game-Show» auch den Zuschauern im Arthur-Ashe-Stadion. «Mach uns den Nadal», forderte ihn der Stadionsprecher nach der Viertelfinal-Nachtschicht gegen den Spanier Carlos Moya auf. Und der 20-Jährige ließ sich nicht lange bitten.
Erst machte er sich über das affektierte Gehabe der stöhnenden Scharapowa lustig, dann musste der muskelbepackte Nadal dran glauben. Die quälend lange Vorbereitung auf den Aufschlag, das Nesteln an der Hose, das Hochziehen der Socken und das Richten der Haare - nichts ließ der Spaßvogel aus Belgrad aus. Die Zuschauer im Stadion und an den TV-Schirmen schlugen sich vor Vergnügen auf die Schenkel.
Nadal kann über derlei Späße gar nicht lachen. In Wimbledon schimpfte er unlängst nach dem Halbfinale gegen Djokovic, das der Serbe im dritten Satz erschöpft aufgeben musste, über das Veralbern durch den Youngster. Einen «schlechten Sportsmann» nannte er ihn und schüttelte dabei genervt den Kopf. Dass der Weltranglisten-Zweite in Flushing Meadows im Achtelfinale ausgeschieden ist, um Djokovic aus dem Weg zu gehen, ist allerdings nicht überliefert.
Novak Djokovic ist in Serbien trotz seiner Jugend schon ein Volksheld, so wie French-Open-Finalistin Ana Ivanovic. Und das nicht nur, weil er als erster Tennisprofi seines Landes überhaupt ein Grand-Slam-Finale erreicht hat, in dem er auf Titelverteidiger Roger Federer aus der Schweiz trifft. Dass er in diesem Jahr schon vier Titel gewonnen hat und auf Platz drei der Weltrangliste gestürmt ist, hat den Boom daheim noch angeheizt.
Leicht hatte es der in den Wirren des jugoslawischen Bürgerkriegs aufgewachsene Shooting-Star freilich nicht. In Belgrad erlebte er die Bombenangriffe gegen das Milosevic-Regime hautnah mit, ehe sich die Familie in den Skiort Kopaonik zurückzog. Während Vater Srdjan, ein früherer Skifahrer und Fußball-Profi, dort eine Pizzeria eröffnete, machte sich Novak mit Hilfe von Sponsoren auf nach München.
In der Tennis-Akademie des früheren deutschen Daviscup-Kapitäns Nikola Pilic bekam er den Feinschliff verpasst zu einer Weltkarriere, die trotz der schon jetzt gelungenen Qualifikation für die Weltmeisterschaft der besten acht Tennisprofis erst am Anfang steht. «Er ist zu einem unheimlich starken Spieler geworden», sagt Federer. «Er hat sich in den letzten Monaten unheimlich verbessert. Eigentlich muss man sagen, er verbessert sich von Tag zu Tag.»
Tag für Tag sind die Späße des Show-Talents Novak Djokovic ein Renner im Internet. So sind schon etliche Clips mit seinen Persiflagen über die Tennisstars von gestern und heute auf einer Videoplattform im Internet zu sehen. Nur an einen wagt sich «Djoko», wie ihn die Kollegen rufen, nicht wirklich heran: «Roger Federer ist einfach zu perfekt.»


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