Primera Division - Der 94-Millionen-Euro-Mann

Eurosport - Mi 08.Jul. 11:14:00 2009

Ein Wahnsinn. 80.000 Fans wollten Cristiano Ronaldo bei seiner offiziellen Vorstellung als Spieler sehen. Aber wen hat sich Real Madrid da für viel Geld überhaupt eingekauft? Der Portugiese ist 24, zudem Weltfußballer und kommt für 94 Millionen Euro von Manchester United. Und sonst?

FOOTBALL 2009 - Real Madrid's Cristiano Ronaldo greets fans at his presentation at the Bernabeu in Madrid - 0

Beim Anblick der imposanten Kulisse im Bernabéu Stadion bekam Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro erst einmal weiche Knie und rang zunächst nach Worten. Dann sagte er doch etwas: "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein." Und dann: "Für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden" - Sätze wie sie ihm ein PR-Profi nicht besser hätte einflüstern können.

Als der Königliche dann auch noch die Fans aufforderte, mit ihm Reals Schlachtruf "Hala, Madrid" (Vorwärts, Madrid) einzustimmen, hatte der teuerste Kicker der Welt die Sympathien auf seiner Seite. "Mit Cristiano Ronaldo ist einer jener auserwählten Fußballer zu Real Madrid gekommen, der die Fans in aller Welt zu begeistern vermag", sagte Vereinsboss Florentino Pérez. "Die Fans werden Dir alles geben. Sie werden Dir aber auch alles abverlangen."

Mehr Zuschauer als damals bei Maradona

Seinem neuen Klub bescherte er gleich den ersten Rekord: Nie zuvor hatte ein Fußballer bei seiner Präsentation so viele Menschen versammelt. Die Bestmarke hielt bisher der Argentinier Diego Armando Maradona, der 1984 von 70.000 Fans beim SSC Neapel begrüßt worden war. Allerdings mussten die Tifosi damals Eintritt bezahlen, die Vorstellung Ronaldos gab's umsonst.

Aber der Flügelflitzer aus Madeira lässt bei Real auch so die Kassen klingeln. Ronaldos Werbeverträge sollen zehn Millionen Euro im Jahr einbringen. Davon will Real, wie einst bei David Beckham, profitieren, ein Teil seiner Image-Rechte gehören dem Verein. Mehr als 5000 Trikots mit der Rückennummer "9" sollen am Montag schon verkauft worden sein - für 80 Euro das Stück. Das ist erst der Anfang. Dabei hatte sich Ronaldo wie zuvor bei Manchester United eigentlich die "7" gewünscht, die passt ja so schön zu seiner Modemarke "CR7". Doch die "7" gehört Reals-Kapitän Raúl.

Täglich 3500 Sit-ups

Ronaldo selber stammt aus armen Verhältnissen. Geboren wurde er in Santo António nahe Madeiras Hauptstadt Funchal als Jüngster von vier Kindern. Seine Mutter Maria Dolores arbeitete als Putzfrau. Vater José Dinis war Gärtner und Platzwart von Ronaldos erstem Club CF Andorinha. Er trank sich zu Tode und wurde nur 52 Jahre alt. Ihm hat er seinen Namen zu verdanken: Der damalige US-Präsident Ronald Reagan war der Lieblings-Politiker seines Vaters.

Seinen Vater konnte Ronaldo nicht vor dem Alkohol retten, wohl aber seinen älteren Bruder Hugo vor den Drogen: Der Torjäger bezahlte ihm diverse Entziehungskuren. Kein Wunder, dass Ronaldo als Gesundheitsfanatiker gilt und seinen Körper trimmt. 3500 Sit-ups für seinen Waschbrettbauch macht er angeblich täglich.

Die Sache mit dem Brunnen

Überdies gilt Ronaldo als Arbeitstier: Bei ManU sei er stets als Erster zum Training erschienen und habe den Platz als Letzter verlassen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Mit Manchester gewann er dreimal die englische Meisterschaft und einmal die Champions League. 2008 wurde er als Welt- und Europas Fußballer des Jahres geehrt - einer klaren Philosophie sei Dank: "In meiner Freizeit genießen und bei der Arbeit alles geben."

Ronaldo umgibt sich gerne mit schönen Frauen und teuren Autos - vor allem Ferraris haben es ihm angetan. Dass er über seinen neuen Verein noch einiges lernen muss, bewies er bei seiner ersten Pressekonferenz. Als er nach Madrids Cibeles-Brunnen gefragt wurde, musste er passen. "Ach ja, da möchte ich auch hin", sagte er, nachdem ihm jemand zugeflüstert hatte, dass Spieler und Fans dort traditionsgemäß jeden neuen Real-Titel feiern. Aber daran wird sich Ronaldo auch noch ziemlich schnell gewöhnen.

TV-Tipp:

Die U-19-Europameisterschaft der Frauen in Weißrussland ab Montag, 13. Juli, LIVE auf Eurosport. Verfolgen Sie außerdem das komplette TV-Angebot von Eurosport auch im Eurosport Player über eurosport.yahoo.de.

Jens Sitarek (mit dpa) / Eurosport

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