Eurosport - Fr 09.Mai. 22:18:00 2008
Bundestrainer Uwe Krupp platzte der Kragen: Nach seiner massiven Fan-Schelte droht die weitgehend verkorkste WM in Kanada nun auch noch im Streit mit den mitgereisten Anhängern zu enden.
"Wenn uns die Fans nicht unterstützen wollen, sollen sie das nächste Flugzeug nach Hause nehmen. Es gehen jeden Tag drei, vier Flüge", schimpfte Krupp wegen der Rücktrittsforderungen an DEB-Sportdirektor Franz Reindl. Seine Mannschaft wird nach dem 4:6 (2:3, 1:1, 1:2) gegen die USA wohl noch vor dem Viertelfinale die Heimreise antreten müssen.
Die mindestens 300 nach Halifax gekommenen Fans hielten im deutschen Block schwarze, rote und gelbe Schilder hoch. Auf eine Seite hatten sie Parolen geklebt. Der Tenor: Profis auf dem Eis und Amateure in der Verbandsführung. Am deutlichsten zu sehen waren vor dem ersten und dem letzten Drittel aber die "Reindl raus"- Aufschriften. Krupp nahm dies irritiert zur Kenntnis, als er vor Spielbeginn seinen Stehplatz hinter der Bank einnahm.
Krupp bezeichnet Fan-Aktion als "unverschämt"
Als "Unverschämtheit" bezeichnete er die Aktion gegen Reindl, der die Verantwortung für den unberechtigten Einsatz des inzwischen zurückgekehrten Ingolstädters Jason Holland übernommen hatte. Der gebürtige Kanadier war noch nicht spielberechtigt.
Reindl hatte überlegt, nach dem "unverzeihlichen Fehler" seinen Posten beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aufzugeben. Der Ex-Nationalspieler, der seit Wochen auch durch die verweigerte Dopingprobe von Florian Busch im Dauerstress ist, entschied sich wegen des großen internen Rückhalts aber zum Weitermachen und gab dies einige Stunden vor der Partie bekannt.
Auch Ex-Verteidiger Krupp stellte sich erneut vor Reindl. Die Mannschaft in Kanada wisse, wer hart für sie arbeite. "Wer politische Statements machen will, soll zu den Politikern gehen. Wir haben zwei Jahre fast vor leeren Hallen gespielt", sagte Krupp und fauchte wegen der Plakate: "Dann ist es besser, wenn niemand kommt."
Deutschland braucht zwei Siege
Spätestens beim zweiten Zwischenrundenspiel gegen Kanada am Samstag (21.30 Uhr) wird sich zeigen, wie die bestens informierten Fans auf den Wutausbruch des bisher populären Hoffnungsträgers reagieren. Am Freitag hatten sich die Wogen zunächst geglättet. Es waren am Nachmittag keine Fans beim Training, in der kleinen Innenstadt verteilte Krupp Anstecknadeln - erkundigte sich aber vorher nach einer eventuellen Beteiligung an der Aktion.
Nur Siege gegen den gastgebenden Titelverteidiger und zum Zwischenrunden-Abschluss gegen Lettland könnten die DEB-Mannschaft noch ins Viertelfinale hieven, weil Krupp nach seinem Ärger über die Fans ansehen musste, wie sein Team nach drei Minuten 0:3 gegen die USA zurücklag. Assistenztrainer Ernst Höfner erklärte in der DEB-Mitteilung zur Partie: "Das unfaire und schlechte Verhalten der Fans hat der Mannschaft geschadet und ist mitunter für den schlechten Start verantwortlich."
dpa / Eurosport