Voigt: "Etappensieg fest eingeplant"

Eurosport - Fr 09.Mai. 10:44:00 2008

Bei der Tour de Romandie landete der CSC-Fahrer Jens Voigt auf dem 19. Platz und war somit bester Deutscher hinter Gesamtsieger Andreas Klöden. Im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de spricht der 36-Jährige über persönliche Aussichten sowie Chancen seines Teams beim Giro d'Italia.

CYCLING 2007 Jens Voigt CSC exklusiv - 0

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Form nach der langen Rennpause?

Jens Voigt: Ich bin eigentlich ganz gut in Schuss und sehr zufrieden. Die Tour de Romandie war ein echter Härtetest, gut besetzt und mit schwerem Profil. Jetzt habe ich wieder meinen Rhythmus gefunden und deshalb wird es beim Giro noch besser laufen.

Bjarne Riis hat angekündigt, man müsse in Italien "immer mit einem oder zwei Etappensiegen" von Ihnen rechnen, sehen Sie das ähnlich?

Voigt: Eigentlich schon. Jeder kennt mich doch inzwischen schon sehr lange und weiß: Wenn der Voigt halbwegs in Form ist, darf man ihn nie abschreiben. Irgendwann erwische ich die richtige Ausreißergruppe und kann dann mit um einen Etappensieg kämpfen. Das ist fest eingeplant bei uns im Team, dafür bin ich schließlich dabei.

Los geht's mit einem Mannschaftszeitfahren, der "Lieblingsdisziplin" vom Team CSC: Klappt es da wie beim Giro 2006 mit einem gemeinsamen Sieg im Kampf gegen die Uhr?

Voigt: Wir hoffen schon, dass wir da wieder ganz vorne mitfahren können. Es gibt ja keinen schöneren Auftakt, als gleich einen Sieg zu holen: Da kann man dann ganz entspannt den Rest der Rundfahrt angehen, weil man die halbe Miete schon unter Dach und Fach hat. Natürlich peilen wir einen solchen Traumstart, aufs Podium sollten wir es zumindest schon schaffen.

Falls es einen Sieg gibt: Wer fährt dann vom Team als erster Fahrer ins Ziel und übernimmt das "maglia rosa"? Beim Team Liquigas gab es ja im Vorjahr in genau dieser Situation Streit ...

Voigt: Das ist zwar einerseits ein Luxusproblem, aber ich würde das schon vorab im Team ansprechen: Sollen wir das, falls wir mit so viel Vorsprung ankommen würden, unter uns ausmachen? Ich wäre eher dafür, einen jener Fahrer mit dem Rosa Trikot zu belohnen, der sonst das ganze Jahr seinen Buckel für die Kapitäne krumm macht - wieso soll der nicht auch mal ein paar Tage im Rampenlicht stehen? Die Topfahrer können noch den Rest des Rennens glänzen.

Die Schlusswoche des Giro ist extrem schwer: Ist es da Pflicht, sich bis zuletzt durchzukämpfen, gerade wenn man wie Sie den eigentlichen Saison-Höhepunkt bei der Tour hat?

Voigt: Ich wollte schon durchfahren, denn ich bin in diesem Jahr noch nicht so viel gefahren. Zudem brauche ich diese Belastungen einfach in meinem Alter. Ich will unbedingt nach Mailand, alles andere kam mir nicht eine Sekunde in den Sinn.

Beim Giro 2006 haben Sie in einer sehr fairen Geste auf der Königsetappe ihrem einzigen Begleiter in der Ausreißergruppe den Sieg überlassen: Dieser hatte die ganze Tempoarbeit alleine gemacht, weil Ihr Kapitän Ivan Basso dahinter im Feld fuhr. Diesmal wären die Vorzeichen andere ...

Voigt: Ich bin nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass ich mich damals richtig verhalten habe. Das wäre sonst so gewesen, als ob man einer alten Frau die Handtasche oder einem Kind den Lolli klaut - das macht man einfach nicht. Dieses Jahr könnte ich ja vielleicht in einer Spitzengruppe auch meinen Teil zur Arbeit beitragen und dann mit um den Sieg kämpfen - das würde ich natürlich auch tun. Ein Etappensieg beim Giro fehlt mir noch in meiner Siegerliste und ist ein tolles Ziel!

Im Bergzeitfahren geht es auf nicht asphaltierter Straße hinauf zum "Kronplatz" - wie beurteilen Sie solche "Extrem-Etappen"?

Voigt: Das ist ein großes Spektakel, aber da kommt ja nicht einmal der LKW hoch, der den Zielbogen transportiert! Ich finde, alle Steigungen, für die man ein Dreifach-Kettenblatt braucht, gehören zum Mountainbike und nicht zum Straßenradsport. Klar, später kann man seinen Enkeln davon erzählen - aber ich halte da nicht viel von. Zudem ist so etwas sehr wetterabhängig - was ist denn, wenn es dort in Strömen regnet?

Sie haben mit Andreas Klöden die Tour de Romandie bestritten, können seine aktuelle Form genau einschätzen: Führt der Weg zum Giro-Sieg nur über ihn?

Voigt: So wie mein Eindruck war, würde ich fast uneingeschränkt "ja" sagen. Er wirkt frisch und motiviert, war am Berg leichtfüßig und im Zeitfahren stark - einfach rundum überzeugend! Ein Platz auf dem Podium ist sehr, sehr realistisch. Wenn auch sein Team dementsprechend stark ist, traue ich ihm das zu.

Hinweis:

Mit dem Giro d'Itallia steht die erste der drei großen Landesrundfahrten an - und Eurosport präsentiert Ihnen den dreiwöchigen Kampf um das "maglia rosa" vom 10. Mai bis 1. Juni täglich LIVE im TV sowie im Ticker auf eurosport.yahoo.de!

Das Interview führte Andreas Schulz / Eurosport