Eurosport - Fr 09.Mai. 21:06:00 2008
Mit fast schon brutalem Einsatz haben sich die Bremer Platz drei erkämpft. Doch sie wollen noch weiter nach vorn, denn nur mit der Champions-League-Teilnahme lassen sich Hochkaräter nach Bremen locken. Und die brauchen sie, wenn Diego und Per Mertesacker tatsächlich im Sommer gehen sollten...
Auch am Tag nach dem extrem hitzigen Duell mit dem Hamburger SV weigerte sich Werder-Trainer Thomas Schaaf vehement, eine der vielen strittigen Szenen zu kommentieren. Aber eines sei sicher: "Das Spiel war nicht überhart. Es war ganz normale Härte." Das Auftreten seiner Elf sei nicht nur völlig in Ordnung gewesen, im Grunde hätten sie endlich mal "richtig dagegengehalten", so Schaaf. Genau das habe er in der Rückrunde oft verlangt, aber meist waren die Bremer in Schönheit gestorben und hatten sich dabei schmerzliche Kontertore gefangen. Gegen den HSV war von spielerischer Klasse nichts zu sehen, dafür von rustikalem Körperkontakt umso mehr. Fünfmal Gelb, zweimal Rot und im Fall Tim "Kung-Fu" Wiese gegen Ivica Olic einmal Glück, dass es nicht noch einen weiteren Platzverweis gab.
Taktieren, verhandeln, Marktwert abchecken
Nicht nur ein Quäntchen, sondern ein riesiges Quantum Glück hatten die Bremer gehabt, dass sie den Sieg und damit den sicheren Tabellenplatz drei aus Hamburg mit nach Hause nehmen durften. Doch das reicht den Bremern nicht und deshalb stachelt Schaaf seine Spieler weiter mit Nachdruck an: "Gegen Hannover müssen wir jetzt alles aufbieten." Nur Rang zwei und damit die sichere Qualifikation für die Champions League kann das Ziel für Werder sein. Der Grund ist klar, Schaaf muss seinen Kader im Sommer verstärken und hochklassige Spieler lassen sich eben nur mit der Königsklasse an die Weser locken. Und wohlmöglich wird man teuer einkaufen müssen - denn es könnten sich einige Leistungsträger mehr aus Bremen verabschieden, als Schaaf lieb ist.
Das Taktieren, verhandeln und den eigenen Marktwert abchecken ist zum Ligaendspurt längst im Gange, alles läuft nur noch unter dem Motto Eigenwerbung: Die unzufriedenen Spieler, wie Patrick Owomoyela, melden sich gewohnheitsmäßig zu Wort und kokettieren mit Angeboten anderer Vereine. Im Fall von Ivan Klasnic sagt die Klage gegen die Werder-Ärzte wohl deutlich, dass man nach der Saison getrennte Wege gehen wird. Abgeschriebene Spieler, wie Dusko Tosic erklären bereits öffentlich: "Ich will weg aus Bremen" und es wird sie sicher niemand aufhalten. Spieler wie Tim Borowski, dessen Wechsel zum FC Bayern lange feststeht, versuchen sich noch auf den letzten Metern für den EM-Kader zu empfehlen und nutzen daher jede Möglichkeit, sich in jeder Hinsicht wirksam zu präsentieren.
Weiterhin Gerüchte um Diego und Mertesacker
Dann gibt es aber noch jene Leistungsträger mit laufenden Verträgen, die seit Monaten immer wieder mit großen Vereinen in Verbindung gebracht werden und deren Dementi die Gerüchte einfach nicht zum Verstummen bringen. Während Diego zumindest zugab, dass ihm Angebote vorliegen, geht Per Mertesacker den Medienvertretern in den letzten Wochen immer konsequenter aus dem Weg, wohl auch, um bloß nichts mehr zu seinem Verhältnis zum FC Bayern sagen zu müssen. Aber seine gemäßigte Verweigerungshaltung verstärkt dabei eher den Eindruck, dass die Verlockung, mit seinem Mentor Jürgen Klinsmann in München zusammenzuarbeiten, vermutlich doch zu groß für ihn ist.
Am Samstag ist mit Hannover 96 der Verein zu Gast, mit dem sich Mertesacker immer noch heimatlich verbunden fühlt und in dem er zum Nationalspieler geformt wurde. Und nicht nur die Bremer Fans dürften sich fragen, ob es tatsächlich sein letzter Auftritt im Weserstadion sein wird. Das Hinspiel geriet für Mertesacker zum reinen Desaster, es war sein wohl schlechtestes Spiel überhaupt, bei dem er allein zwei der vier Gegentore verschuldete. Er hätte krank nicht spielen dürfen, "das war ein Fehler", gab er später zu. Aus den Fehlern, die Miroslav Klose bei seinem Wechsel zu den Bayern machte, hat zumindest Borowski gelernt. Wie sich die Situation bei Mertesacker entwickelt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Er selbst beschreibt sich als "ruhig, besonnen und ehrlich". Die Fans an der Weser werden hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt.
Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport