Paris-Roubaix - Triumph für O'Grady

Eurosport - Mi 09.Mai. 19:29:57 2007

Paris-Roubaix - Der Australier Stuart O'Grady (CSC) ist beim Ritt über die Pflastersteine von Paris-Roubaix über sich hinausgewachsen und hat nach 259,5 harten Kilometern seinen Teamkollegen Fabian Cancellara in der Siegerliste abgelöst. Dahinter kämpfte sich Juan Antonio Flecha auf Rang zwei vor Steffen Wesemann.

CYCLING Stuart O'Grady CSC Paris-Roubaix 2007 - 0

Fast bis ins letzte Detail glich die finale Rennphase des monumentalen Klassikers der des Vorjahres - damals hatte der Schweizer Cancellara 20 Kilometer vor dem Ziel sämtliche Favoriten abgeschüttelt und mühelos den Vorsprung ausgebaut. Exakt derselben Strategie folgte O'Grady: 20 Kilometer vor dem Finish setzte der Mann aus Adelaide die entscheidende Attacke, profitierte dabei von der Uneinigkeit der ersten Verfolgergruppe mit Wesemann (Wiesenhof) und Flecha (Rabobank) und zog anschließend alle Register seines Könnens als Zeitfahrer.

Wesemanns Überraschung

Mit 33 Jahren scheint O'Grady, der mit 52 Sekunden Vorsprung die Ziellinie im Velodrom von Roubaix überquerte, auf dem Höhpunkt seiner Leistungsfähigkeit angelangt zu sein: "Ich bin in der Form meines Lebens und wusste schon am Start, dass das heute mein Tag werden könnte." Vor Erschöpfung und Glück völlig fassungslos nahm der tempoharte Allrounder, der als erster Australier auf dem Podium stand, tränenüberströmt den traditionellen Pflasterstein als Trophäe seines wohl größten Triumphes entgegen.

O'Grady hatte sich bereits bei Kilometer 30 in einer 34 Mann starken Spitzengruppe abgesetzt, Wesemann hatte die unruhige Pavepassage im Wald von Arenberg, auf der sich der einzige Massensturz des Tages ereignete, zum Absprung aus dem Hauptfeld genutzt. Der Zweite von 2002, dessen Team Wiesenhof dank einer Wildcard am Start in Compiegne stand, hatte schon im Vorfeld eine "große Überraschung" prophezeit und Wort gehalten. Mit einer gnadenlosen Aufholjagd schaffte der Schweizer den Anschluss zu der Verfolgergruppe mit Flecha, der sich als einziger der vermeintlichen Favoriten im Finale hatte behaupten können.

Enttäuschende Favoriten

Titelverteidiger Cancellara war bei der 105. Austragung ebenso chancenlos wie Magnus Backstedt (Liquigas), Leif Hoste (Predictor-Lotto) oder Peter van Petegem (Quick Step). Auch bei Tom Boonen (Quick Step) hatten die Alarmglocken zu spät geschellt: Der Belgier, der erst 17 Kilometer vor dem Ziel "erwacht" war, versuchte es im Finale mit der Brechstange, setzte Attacke um Attacke und trieb die Zuschauer tosenden Jubelstürmen an. Doch die beachtlichen Mühen waren vergeblich - im Ziel blieb dem Sieger von 2005 nur der sechste Rang.

Boonen scheint nicht zuletzt das ungewöhnlich warme und trockene Wetter zu schaffen gemacht zu haben: "Bei diesen Bedingungen sieht man in den Staubwolken nicht viel, keine Schläglöcher und nicht die schlimmsten Steine. Regen ist mir fast lieber, dann wird auch langsamer gefahren." Glänzend in Szene gesetzt hatten sich indessen Milram-Profi Ralf Grabsch, der 20 Kilometer ein Solo in Front fuhr, sowie David Kopp (Gerolsteiner) und Olaf Pollack (Wiesenhof-Felt), die dem Rennen als zeitweilige Spitzenreiter über weite Strecken den Stempel aufdrückten.

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