Eurosport - Mi 09.Apr. 12:52:00 2008
Selbst für Tiger Woods ist Martin Kaymer längst kein Unbekannter mehr und vor seiner Premiere beim wichtigsten Golf-Turnier der Welt, dem US-Masters, holte sich der Senkrechtstarter auch noch die letzten Ratschläge von Routinier Bernhard Langer.
Doch vor seinem Start beim legendären US-Masters nimmt Kaymer auch jede Chance wahr, um seine Nerven vor dem ersten Abschlag am Donnerstag auf einem der schwierigsten Plätze im Zaum zu halten. Schätzungsweise 600 Millionen Fernsehzuschauer werden das Spektakel im Golf-Mekka Augusta im US-Bundesstaat Georgia verfolgen - und damit auch den Einstand des 23 Jahre alten Senkrechtstarters aus Mettmann, der innerhalb von zwei Jahren aus dem Nichts auf Rang 25 in der Weltrangliste stürmte.
"Es ist ein Wahnsinn, wie schnell das alles gegangen ist. Mein ganzes Leben hat sich rasant verändert. Ich bin überrascht, wie offen meine Kollegen sind. Ich glaube, ich bin auf der Tour angekommen. Die Größen der Europa- und US-Tour haben mit mir das Gespräch gesucht und gratuliert", erzählte Kaymer über seinen ersten Toursieg, den er am 20. Januar in Abu Dhabi gefeiert hatte.
Lehrstunde bei Bernhard Langer
Besonders bei Langer genießt der deutsche Hoffnungsträger höchste Akzeptanz. Zwei Tage vor seinem Turnierauftakt ging Kaymer auf eine Lehrrunde mit dem Schwaben über die anspruchsvollen 18 Löcher. An der Seite des Musterprofis nahm Kaymer Ratschläge entgegen, um das "Monster" an der Magnolia-Lane zu bezwingen. "Es ist schon sehr besonders, dass Herr Langer mir die Chance gib", meinte Kaymer höflich. Langer gewann bislang als einziger Deutscher das Masters. 1985 und 1993 durfte er sich das berühmte Grüne Jackett überziehen.
Kaymer erkundigte sich vor allem über die Tücken des berüchtigten "Amen Corner" mit den Grüns 11, 12 und 13. Dort fielen immer wieder die dramatischen Entscheidungen über Sieg und Niederlage. "Ich habe den Respekt vor dem Kurs nicht verloren. Der Platz liegt mir. Ich kann gute Runden spielen", sagte der Debütant. Langer indes begeisterte die doppelte Schlagfertigkeit: "Martin braucht keine Tipps. Er hat alles drauf. Ich bin sehr überzeugt, dass er sich langfristig in der Weltspitze etabliert."
Den überlegt und behutsam auf die steile Karriere vorbereiteten "netten Golfprofi von nebenan" treibt vor allem die Lust an der Arbeit und die Herausforderung an, mit den 92 Konkurrenten, um das Prestige und die 1,3 Millionen Prämie aus dem 7 Millionen Euro-Topf zu spielen. "Ich nehme Golf wie jeder andere seinen Beruf ernst und gehe immer mit Freude ins Training. Ich habe auf vieles verzichtet, was gleichaltrigen Freunde genießen konnten", sagt Kaymer, dessen Vater Horst die Karriere des Filius mit Bedacht lenkte.
Platz 5 der Europa-Geldrangliste
2006 begann der von Günter Kessler seit zehn Jahren trainierte, einstige Jugend-Auswahl-Fußballer auf der drittklassigen EPD-Tour den Durchmarsch bis 2007 in die 1. Liga. Seit November wird er von Johan Eliot gemanagt und der erfahrenen Caddie-Frau und Turnier-Beraterin Fanny Sunesson in der Platz-Strategie geschult. Hoch dotierte Sponsorenverträge haben den durchtrainierten Kaymer inzwischen zum Euro-Millionär gemacht. Mit 475.364 Euro Prämie liegt er auf Platz 5 der Europa-Geldrangliste.
Mit Branchenprimus Woods kann Kaymer da zwar noch nicht mithalten, doch als der Deutsche den Superstar der Szene bei dessen Sieg in Dubai fast ins Stechen zwang, kam Woods auf ihn zu. "Er hat mir die Hand gegeben und gesagt: Hi, I'm Tiger Woods. Dann haben wir 30 Minuten gefachsimpelt. Das ist wirklich ein ganz Netter", sagt Kaymer über den viermaligen Masters-Sieger und -Topfavoriten.
dpa / Eurosport