Eurosport - Mi 09.Apr. 15:47:00 2008
Kaum Pause für die Klassiker-Asse: Mit Gent-Wevelgem (ab 14:30 Uhr im Live-Ticker) steht bereits der nächste Höhepunkt an. Das prestigeträchtige Rennen ist alles andere als nur ein "Trostpreis" zwischen den "Monumenten" Ronde und Roubaix und verspricht packende Action.
Mit "nur" 209 Kilometern und lediglich zwei kurzen Anstiegen ist das Traditionsrennen zwar sicherlich kein so extremer Härtetest wie seine beiden "großen Brüder" aus dem Trio der Kopfsteinpflaster-Prüfungen. Doch damit haben auch weitaus mehr Fahrer eine Chance, im Kampf um den Sieg ein Wörtchen mitzureden und genau dies dürfte für einen abwechslungsreichen Nachmittag auf dem Weg vom Genter Vorort Deinze nach Wevelgem sorgen.
Youngster vs. Routinier
Im Vorteil könnten dabei jene Fahrer sein, die nicht die Strapazen der Flandern-Rundfahrt in den Knochen haben. Ein ganz heißer Kandidat auf die Nachfolge seines verletzten Teamkollegen Marcus Burghardt ist Mark Cavendish: Der britische Sprinter vom Team High Road hat mit zwei Siegen während der "Drei Tage von de Panne" zuletzt seine Topform bewiesen und pausierte am Sonntag. "Wenn es zu einem Massensprint kommt, ist er definitiv einer der Favoriten", unterstrich Teamchef Rolf Aldag. Daneben hat der Rennstall mit Andreas Klier (Sieger 2003), George Hincapie (USA/Sieger 2001) sowie dem Österreicher Bernhard Eisel noch mindestens drei weitere Sieganwärter im Aufgebot. Zudem gilt es für Andre Greipel, seine Führung in der ProTour-Wertung zu verteidigen.
Neben der "Armada" von High Road muss man aber auch einen "alten Bekannten" auf der Rechnung haben: Erik Zabel hat kurzfristig das Rennen mit ins Programm genommen und wird zum zwölften Mal versuchen, endlich einmal in Wevelgem aufs Podium zu kommen. In seiner langen Karriere kam der 36-Jährige bislang nicht über Rang sechs (1998) hinaus - sollte er diesmal triumphieren, würde er zum ältesten Sieger des seit 1934 ausgetragenen Rennens.
Team Gerolsteiner setzt auf Heinrich Haussler, sein einstiger Mannschaftskamerad David Kopp (2. im Jahr 2006) wird zusammen mit dem Schweizer Steffen Wesemann für den Collstrop-Rennstall antreten. Die Truppe erhielt wie auch Landbouwkrediet, Barloworld, Topsport Vlaanderen, Acqua e Sapone, Skil und Mitsubishi eine Wildcard und tritt neben den 18 ProTour-Teams an.
Revanche oder Premiere?
Für den verpassten Podiumsplatz bei der Flandern-Rundfahrt wollen sich etliche Stars mit einem Sieg entschädigen: Alessandro Ballan (Lampre) brennt ebenso auf Revanche wie Philippe Gilbert (Francaise des Jeux) - auch wenn der Belgier offen eingesteht: "Ich bin sehr müde - aber vielleicht reichen die beiden Tage Erholungspause aus."
Ausgeruht geht hingegen Robbie McEwen (Silence-Lotto) ans Werk - dem Australier fehlt wie Zabel noch der Erfolg beim "Sprinter-Klassiker" im langen Palmares. Bei der belgischen Konkurrenz von Quick Step sind die beiden Sprinter Tom Boonen und Gert Steegmans erste Kandidaten auf einen "Heimsieg" - und auch Stijn Devolder pausiert nach seinem Coup bei der "Ronde" nicht. Sollte er erneut triumphieren, würde er als erster Fahrer seit Eric Vanderaerden dieses Double schaffen.
Wut im Bauch dürfte Team CSC haben, wo Fabian Cancellara nicht wie erhofft in Flandern auftrumpfen konnte. Neben dem Schweizer ist auch fast jeder seiner Begleiter, wie etwa Stuart O'Grady, Kurt Asle Arvesen oder Allan Johansen, für einen Spitzenplatz gut. Ein Aufgebot voller Asse schickt auch Rabobank auf die Reise: Oscar Freire, Juan Antonio Flecha, Graeme Brown - der Weg zum Sieg dürfte nur über dieses Trio führen. Sie würden damit auch Geschichte schreiben: Noch nie stand ein Spanier oder Australier am Ende ganz oben.
Schlüsselstelle entschärft
Nachdem das Rennen im Vorjahr von einem fürchterlichen Sturzfestival in der Abfahrt vom berüchtigten Kemmelberg überschattet wurde, haben die Veranstalter zur 70. Auflage Konsequenzen gezogen. Die Schlüsselstelle bleibt im Streckenplan, wird aber diesmal in umgekehrter Richtung überfahren: Damit geht es über Pflaster bergan, die Abfahrt hingegen ist asphaltiert.
Der Doppelpack aus Monteberg und Kemmelberg steht im letzten Renndrittel zweimal auf dem Programm: Rund 60 bzw. 35 Kilometer vor dem Ziel sind die beiden Anstiege kurz hintereinander zu bewältigen - ideales Terrain für eine Attacke. Die Sprinter wiederum können das lange Flachstück nach Wevelgem zur Verfolgungsjagd nutzen und den Sieg in einem großen Showdown bei Höchstgeschwindigkeit unter sich ausmachen. In jedem Fall dürfte es einmal mehr knapp werden - in den letzten zehn Jahren lag der Vorsprung des Siegers nie über einer halben Minute.
Hinweis:
Verfolgen Sie die Kopfsteinpflaster-Klassiker nicht nur im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de: Auch im TV präsentiert Ihnen Eurosport die Rennen hautnah LIVE: Es geht weiter mit Gent-Wevelgem am Mittwoch, 9. April ab 14:45 und Paris-Roubaix am Sonntag, 13. April ab 16:30 Uhr!
Andreas Schulz / Eurosport