Champions League - Ballack: Herzschlag der "Blues Brothers"

Eurosport - Mi 09.Apr. 14:50:00 2008

Er war der Leitwolf, der Dreh- und Angelpunkt - und der Torschütze, der Chelsea den Weg ebnete: Michael Ballack stach beim 2:0-Viertelfinalsieg in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul aus dem Starensemble der "Blues" heraus und zeigte: Seine Präsenz ist für Chelsea Gold wert.

FOOTBALL 2007-2008 Champions League Chelsea Chelsea-Fenerbahce Ballack - 0

Das erkannten sogar die für ihre häufig überzogene und oft auch unfaire Berichterstattung berüchtigten englischen Sportjournalisten. Die britischen Medien überschlugen sich - für ihre Verhältnisse - fast schon mit Lobeshymnen auf Ballack: Die Boulevardblätter "Sun" und "Mirror" kürten ihn zum "Mann des Spiels", die "Daily Mail" erkannte in ihm den Kopf der Mannschaft ("Head Boy") - ungewohnte Töne im Krach-Orchester der englischen Medienlandschaft.

Der "Independent" erhebt den Ex-Bayern-Spieler sogar zum Schlüsselspieler für den Titelgewinn in der "Königsklasse": "Die Art und Weise, wie der deutsche Mittelfeldmann scheinbar mühelos den Freistoß von Frank Lampard erreichte, bestätigt wieder Jose Mourinhos Behauptung, dass er der Mann ist, mit dem Chelsea die Champions League gewinnen kann", so die Zeitung.

Ballack forciert, Lampard unterhält

Der herrliche Kopfballtreffer in der 3. Minute, bei dem sich Ballack in gewohnter Manier hochschraubte und den Ball unhaltbar für Fenerbahce-Keeper ins lange Eck bugsierte, geriet dabei fast zum Nebengeräusch. Fast, weil das frühe Tor die Fans der "Blues" auf Betriebstemperatur und die Mannschaft der Nordlondoner auf Kurs brachte.

Noch beeindruckender als der Treffer war allerdings Ballacks Präsenz und Spielübersicht über 90 Minuten. Ballack war überall und doch oft nicht zu sehen. Die Erklärung: Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hat ein Gespür für die Situationen. Der 31-Jährige muss nicht immer im Brennpunkt des Geschehens stehen, um seinen Wert zu demonstrieren. Er muss nicht permanent in Ballbesitz sein, um das Spiel zu steuern.

Für Grant unverzichtbar

Das erledigt sein kongenialer Strippenzieh-Partner Frank Lampard. Der Torschütze zum 2:0 drängt sich noch ein wenig mehr auf als der Deutsche in den Reihen des Starensembles. Lampard ist einen Tick lauter, schriller. Zusammen ergeben die beiden die Fußball-Version der "Blues Brothers" - Ballack schlägt vornehmlich die leisen Töne an, um plötzlich Tempo und Rhythmus zu forcieren, Lampard mimt den Entertainer, den Frontmann, der die Blicke auf sich zieht. Und dank dieser "Band-Leader" trifft auch der Rest des "blauen" Orchesters die Töne.

Fest stehen nach diesem Auftritt zwei Dinge. Erstens: Ballack und Lampard zusammen auf dem Feld - das geht. Zweitens: Der deutsche Mittelfeldspieler ist in dieser Form für Trainer Avram Grant unverzichtbar. Mit diesem Ballack ist für Chelsea alles möglich - und für die Nationalelf bei der EURO 2008 sowieso.

Stefan Zürn / Eurosport