Madrid/St. Petersburg (dpa) - Der FC Bayern München will sich von Europacup-Neuling FC Getafe nicht vom Weg ins UEFA-Pokal-Endspiel nach Manchester abbringen lassen, für Bayer Leverkusen ist der Trip nach St. Petersburg kaum mehr als eine lästige Pflicht.
Während die Werkself nach dem 1:4 im Hinspiel gegen Zenit praktisch keine Chance mehr auf ein Weiterkommen hat, herrscht beim Rekordmeister trotz des mageren 1:1 aus der Vorwoche Optimismus. «Ich freue mich auf einen großen Europapokal-Abend», sagte Ottmar Hitzfeld und verbannte ein mögliches Scheitern im Viertelfinale aus seiner Vorstellung: «Ich bin überzeugt davon, dass wir das Finale erreichen werden. Wir werden frech nach vorne spielen. Wir sind immer gut für zwei Auswärtstore.»
Ein 2:2 würde den Bayern reichen, aber Hitzfeld hat sich für alle Eventualitäten gewappnet - inklusive Elfmeterschießen: «Ich habe einen Zettel dabei, auf dem ein paar Schützen stehen. Ich gehe aber davon aus, dass wir es vorher schaffen.» Ans große Zittern mag vor der Reifeprüfung für Ribéry & Co. im mit 16 000 Zuschauern erstmals in seiner Geschichte ausverkauften «Coliseum Alfonso Pérez» aber niemand denken. «Wir haben die bessere Mannschaft und wunderbare Spieler», betonte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und untermauerte vielmehr die Titel-Ambitionen: «Unser Ziel ist Manchester - und das werden wir morgen angehen.»
Hitzfeld zieht Selbstvertrauen aus dem mit zehn Mann errungenen 3:1 gegen den VfL Bochum. «Die Spieler sind noch mehr zusammengerückt.» Nur eine Veränderung dürfte er vornehmen: In vorderster Linie ist Miroslav Klose neben UEFA-Cup-Toptorschütze Luca Toni (8 Treffer) wieder erste Wahl. Lukas Podolski muss zurück auf die Bank.
Vor allem Oliver Kahn will seine internationale Karriere auf keinen Fall in einer 160 000-Einwohner-Vorstadt von Madrid beenden. Deshalb beschwor der Torhüter vor seinem 140. Europacupspiel das Sieger-Gen des FC Bayern. «Vielleicht brauchen wir die Art von Drucksituation, um unser Potenzial zu entfalten.» Gegen die Bayern spricht allerdings die Statistik: Nur einmal kamen sie im Europapokal nach einem 1:1 im Heimspiel weiter, 1991 im Viertelfinale des Meistercups gewannen sie beim FC Porto mit 2:0. Drei Mal kam es dagegen gegen die Glasgow Rangers (1972) und in jüngerer Zeit gegen Real Madrid (2004) und den AC Mailand (2006) auswärts zum K.o.
Nach zuletzt vier Pflichtspiel-Niederlagen geht es für Bayer Leverkusen in St. Petersburg vor allem darum, die Negativserie zu stoppen. «Wir wollen uns in Russland gut verkaufen, aber die Begegnung am Sonntag gegen den VfB Stuttgart ist im Hinterkopf», sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, der den deutschen Meister als Hauptrivalen um den erneuten Europacup-Einzug ansieht.
Natürlich ist es für Trainer Michael Skibbe eine Frage der Ehre, sich mit Anstand von der europäischen Bühne zu verabschieden: «Auch wenn wir nahezu aussichtslos nach St. Petersburg fahren, wir wollen uns für die schlechten Spiele revanchieren.» Allerdings ist seine Personalplanung praktisch auf das Duell mit dem Tabellenfünften aus Stuttgart ausgerichtet und deshalb eine Rotation zu erwarten. «Ich werde einigen Spielern eine Pause geben», kündigte Skibbe an, «aber das heißt nicht, dass wir das Spiel herschenken wollen.»
Definitiv nicht dabei sein wird der verletzte Tranquillo Barnetta, für den wohl Paul Freier spielt. Der zuletzt formschwache Bernd Schneider hat seine Wadenprobleme auskuriert. Denkbar ist, dass die zuletzt müden Stammkräfte Simon Rolfes, Stefan Kießling oder Gonzalo Castro geschont werden und Reservisten wie Sascha Dum oder Dmitri Bulykin zum Einsatz kommen.


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