Crans-Montana - Schritt für Schritt an die Spitze

Eurosport - Mo 10.Mrz. 00:58:00 2008

Maria Riesch ist am ersten Ziel ihrer Träume angelangt. Mit dem Gewinn der kleinen Kristallkugel in der Super-Kombination ist die 23-Jährige in die Fußstapfen von Hilde Gerg und Martina Ertl getreten. Beim Saisonfinale in Bormio kann die Partenkirchnerin sogar ihren nächsten großen Coup landen.

ALPINE SKIING 2007-2008 Crans-Montana Super Combined Maria Riesch - 0

Die große Kristallkugel für die beste und konstanteste Skifahrerin im Weltcup-Zirkus ist in greifbare Nähe gerückt. Vier Rennen vor Saisonende rangiert Riesch in der Gesamtwertung mit 1106 Punkten exakt 157 Zähler hinter Hauptkonkurrentin Lindsey Vonn (1263) auf Platz zwei. Zwar verbindet die Deutsche und das US-Girl bekanntermaßen eine enge Freundschaft, doch zu verschenken haben beide nichts. Riesch wäre die erste Gesamtweltcup-Siegerin des Deutschen Skiverbandes (DSV) seit zehn Jahren. Damals triumphierte Katja Seizinger im Jahr 1998.

Emotionale Sportlerin

Noch besser sieht es für sechsfache Weltcup-Siegerin im Super-G aus, deren Stern am 30. Januar 2004 mit dem Gewinn der Abfahrt in Haus im Ennstal aufging. Am kommenden Donnerstag wird sie auf der Jagd nach der zweiten kleinen Kristallkugel im letzten Rennen der Saison mit der roten Startnummer der Weltcup-Führenden im Super-Riesentorlauf an den Start gehen. In der Mischung aus Abfahrt und Riesenslalom fand sich die merklich gereifte Vorzeigeathletin des DSV, die in diesem Winter trotz einiger unnötiger Ausfälle an Konstanz und Profil gewonnen hat, am besten zurecht.

Die emotionale Sportlerin, die nach Ausfällen gerne einmal in einem Meer von Tränen versinkt, hat sich in diesem Winter als Stehaufmännchen gezeigt. In St. Anton ließ Riesch nach einem folgenschweren Patzer, der das Aus in der Abfahrt zur Folge hatte, nur 24 Stunden später Rang zwei in der Super-Kombination folgen. Auch die Ausritte beim Slalom in Zagreb und bei der Olympia-Generalprobe in der "Königsdisziplin" von Whistler-Mountain konnten der vierfachen Junioren-Weltmeisterin nichts anhaben. Mit dem Gewinn der Super-Kombination von Whistler legte Riesch den Grundstein für den späteren Gewinn der ersten kleinen Weltcup-Kugel ihrer Karriere.

Lob von allen Seiten

Nicht immer stand Riesch, die mit zwei Jahren erstmals auf Skiern unterwegs war und mit fünf ihr erstes Rennen für sich entschied, in ihrer Laufbahn als Rennläuferin auf der Sonnenseite. Eine schwere Schulterverletzung (November 2004) und zwei Kreuzbandrisse (Januar 2005 und Dezember 2006) beeinträchtigten das Ausnahmetalent gleich mehrmals in seiner Entwicklung. An ein vorzeitiges Karriereende dachte die derzeit beste deutsche Skiläuferin jedoch zu keiner Zeit. Im Gegenteil: Riesch lernte aus den Fehlern der Vergangenheit und fing an, ihren Traumberuf ernst zu nehmen. Sowohl im physischen als auch im konditionellen Bereich legte sie im Gegensatz zu den vergangenen Jahren in der Vorbereitung merklich zu. Die harte Arbeit im Sommer zahlte sich aus: Riesch feierte in der Saison 2007/2008 bei 34 Weltcup-Starts zwei Siege und stand insgesamt acht Mal auf dem Podium.

Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der als Mentor von Riesch gilt, gab seinen Stolz über die hervorragenden Leistungen seines Schützlings zum Ausdruck: "Das Mädel ist hochtalentiert. Wir sind froh, dass wir so eine Athletin haben. Sie ist durch Verletzungen zurückgeworfen worden und kommt Schritt für Schritt dahin, wo sie eh schon mal war." Auch Damen-Cheftrainer Mathias Berthold war sichtlich erleichtert: "Der Erfolg von Maria ist in Anbetracht der finanziellen Situation des DSV Gold wert und Balsam auf die Wunden." Der Jubel um das DSV-Ass ist bereits nach dem Gewinn der Super-Kombi-Kristallkugel groß. Dem deutschen Skisport bleibt zu wünschen, dass sie ihre Kristall-Sammlung ab kommenden Mittwoch (alle Rennen beim Weltcup-Finale in Bormio im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de) um zwei weitere Exemplare erweitern kann.

Thomas Janz / Eurosport