Bundesliga - Grafite bedankt sich auf seine Art

Eurosport - So 08.Nov. 21:23:00 2009

Der VfL Wolfsburg macht im Spitzenkampf Boden gut, weil Torjäger Grafite wieder trifft, während die TSG Hoffenheim nach der ersten Heimniederlage der Saison die schmerzliche Erfahrung macht, noch keine Spitzenmannschaft zu sein.

Grafite - 0

Was in Armin Vehs Kopf vor sich ging, warum Stürmer Grafite nach desolater erster Hälfte weiter mitspielen durfte, bleibt Vehs Geheimnis. Es ist ja nicht so, dass es keine Alternative gegeben hätte. Auf der Bank wartete Obafemi Martins, der Wolfsburger Angreifer, der von allen die wenigste Einsatzzeit bekommt, aber mit fünf Bundesliga-Toren die größte Ausbeute aufweist.

Es gibt Trainer, die hätten Grafite ausgewechselt. Aber VfL-Trainer Veh setzte auf den mit 28 Treffern in der Vorsaison erfolgreichsten Torjäger der vergangenen Jahre, er brachte ihn sogar von Beginn an, vielleicht vertraute Veh auch seiner Maßnahme. "Er hat wesentlich frischer gewirkt, als es vorher der Fall war", sagte Veh. Es ginge ihm nicht um die Maßnahme, sondern nur darum, ob die Maßnahme der Mannschaft helfe. Wegen Grafites Torflaute, die seit dem 12. September andauerte, hatte Veh dem brasilianischen Stürmer einen einwöchigen Heimaturlaub verordnet.

Erst das dritte Saisontor

"Er macht sich sehr, sehr viel Druck, will zur Nationalmannschaft, mit 28 Toren. Er meint, das wiederholen zu können, aber das schafft kein Mensch", betonte Veh. "Darum hat Grafite auch die Leistung nicht gebracht und deswegen auch die Entscheidung, ihn wegzuschicken. Das Tor tut ihm sicher gut."

Es war das Siegtor zum 2:1 gegen Hoffenheim. "Ich werde gleich bei meiner Frau und meinen Kinder anrufen", so Grafite nach der Partie. Er lächelte übers ganze Gesicht. "Ich bin sehr glücklich und sage: Vielen Dank für das Vertrauen." Der Dank galt dem Trainer. Denn: Grafite hatte Zweifel, ob er überhaupt zum Einsatz kommt. "Aber der Trainer hat mir vertraut und mich in die Startelf gestellt, obwohl die Mannschaft beim 3:0 in der Champions League bei Besiktas Istanbul super gespielt hat."

Für Teamkollege Christian Gentner "war es nur eine Frage der Zeit, bis Grafite wieder trifft". VfL-Torwart Diego Benaglio ist sich sicher, "dass wir bald wieder den alten Grafite sehen werden". Das dritte Saisontor gegen Hoffenheim war wohl erst der Anfang, sollte das wohl heißen. Wolfsburg schob sich durch den Sieg in der Tabelle an Hoffenheim und Bayern vorbei, hat wieder Kontakt zur Spitze.

Wolfsburg noch gut bedient

Wo die Hoffenheimer stehen, wissen sie selber nicht so genau. "Sind wir eine Spitzenmannschaft?" - das war die Frage, die sie noch lange nach Spielschluss beschäftigte. Wieder einmal hatten sie gegen einen Großen der Liga - und dazu muss man den VfL nach dem Gewinn des Meistertitels zählen - verloren.

"Wir haben es trotz der dominanten ersten Halbzeit nicht geschafft, gegen eine Spitzenmannschaft zu gewinnen, deswegen sind wir noch keine Spitzenmannschaft", auf diese einfache Formel brachte es TSG-Trainer Ralf Rangnick. Keeper Timo Hildebrand legte noch einen Erklärungsversuch drauf. "Eine Spitzenmannschaft sind wir erst, wenn wir 90 Minuten lang so spielen wie die ersten 30 - Genau genommen waren es nicht nur 30 Minuten, die sich sehen ließen, sondern sogar 45 Minuten.

Es hatte alles so gut begonnen für den Herbstmeister der vergangenen Saison. Er dominierte das Geschehen, spielte schnell, machte Druck und auch das erste Tor durch Vedad Ibisevic in der 23. Minute. Wolfsburg war mit dem 0:1 noch gut bedient. Das Problem war: Dabei blieb es bis zur Pause, und das sollte sich rächen.

"Das kotzt mich an"

Nicht nur Veh sah anschließend eine "komplett andere zweite Halbzeit". Hoffenheim ließ sich hinten reindrängen - sehr zum Leidwesen von Verteidiger Christian Eichner. "Wir haben 15 Minuten alles vermissen lassen, was man zum Fußballspielen braucht", sagte er. Hildebrand wurde noch deutlicher: "Das kotzt mich an, wie wir spielen. Wir hatten keine Körpersprache mehr, keine klaren Aktionen."

Und dann kamen auch noch zwei Fehler direkt vor dem Strafraum hinzu. Das eine Mal spitzelte Marcel Schäfer Eduardo den Ball vor dem 1:1 durch Misimovic (52.) weg, das andere Mal vertendelte Isaac Vorsah selbigen vor dem 1:2 durch Grafite (57.).

Trainer Rangnick machte es sich später zum Vorwurf, Vorsah, einen von zwei Sechsern, nicht schon zur Pause ausgewechselt zu haben. "Er hat gesagt, dass er sich platt fühlt", so Rangnick, und weiter: "Ich bin davon ausgegangen, dass es noch eine Viertelstunde geht. Dem war im Nachhinein betrachtet nicht so."

TV-Tipp:

Die letzten Tickets für Südafrika werden vergeben und Eurosport ist live dabei! Das Relegations-Hinspiel Irland gegen Frankreich live und exklusiv am Samstag, 14. November 2009, um 21:00 Uhr auf Eurosport und im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!

Aus Sinsheim berichtet Jens Sitarek / Eurosport

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .