US Open - "Sister-Killerin" Henin im Finale

Eurosport - Sa 08.Sep. 18:41:00 2007

Justine Henin hat im Halbfinale der US Open Venus Williams mit 7:6 und 6:4 bezwungen und steht zum dritten Mal in New York im Endspiel. In der Vorrunde hatte die an Position eins gesetzte Belgierin bereits die Titelträume von Serena Williams beendet.

TENNIS 2007 U.S. Open Justine Henin - 0

Seit Martina Hingis 2001 in Melbourne war es keiner Spielerin mehr gelungen, die beiden Schwestern beim selben Grand-Slam-Turnier zu besiegen. Allerdings hatte die Bezwingerin danach nie den Titel errungen. Henin möchte dieses Novum schaffen, dafür muss sie am Samstagabend New Yorker Zeit nur noch gegen die Russin Swetlana Kusnezowa gewinnen.

Mit einem rein russischen zweiten Damen-Halbfinale und den Herren-Halbfinals komplett in europäischer Hand, war Venus Williams die letzte große Hoffnung der amerikanischen Fans. Kein Wunder also, dass das Arthur-Ashe-Stadium mit 23.700 enthusiastischen Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt war. Beim Loswurf vor Beginn des Matches standen sich die beiden Hauptdarstellerinnen noch fast ein wenig verlegen am Netz gegenüber, getreu dem Motto: Lange nicht gesehen... Fast vier Jahre lag ihr letztes Duell zurück, im Halbfinale der Australian Open ging Williams dabei als Siegerin vom Platz. Mit 7:1 führte sie auch den direkten Vergleich an, der nach derart langer Zeit allerdings nur noch wenig Aussagekraft besaß.

Venus kämpft im Namen der Familie

Auch wenn Vater Richard Williams wie gewöhnlich den Mund vor der Partie ziemlich voll genommen hatte ("Meine Venus kann hier keine besiegen."), wusste es seine Tochter besser: "Justine hat sich inzwischen sehr gesteigert."Und so sollte Venus Williams auch gleich in ihrem ersten Aufschlagspiel zu spüren bekommen, dass Henin zu recht die Weltrangliste anführt. Die Amerikanerin kassierte das frühe Break und wirkte unsicher. Viele leichte Fehler unterliefen ihr, so mancher Volley flog weit über die Feldbegrenzung hinaus. "Ich will für die Familie Williams gewinnen", hatte sie vor der Partie gesagt und sich damit vielleicht etwas zu sehr unter Druck gesetzt.

Ihre Schwester Serena, für deren Niederlage sie sich bei Henin auch revanchieren wollte, hatte sich nach ihrem unrühmlichen Abgang aus dem Turnier allerdings in Richtung Florida verabschiedet. Dabei hätte Venus ihre Unterstützung nötig gehabt. Henin dominierte mit ihrer eleganten und gleichermaßen gefährlichen einhändigen Rückhand von der Grundlinie. Mit kleinen, trippelnden Schritten spielte die Belgierin ihre Schnelligkeit aus, deckte den Platz perfekt ab. Williams musste dagegen um jeden Punkt weit mehr kämpfen. Doch angetrieben von den Fans, die jeden erfolgreichen Spielzug frenetisch und einmal sogar mit Standing Ovations feierten, schaffte Williams das Rebreak zum 5:5, nachdem sie zwei Satzbälle abgewehrt hatte. Den Tiebreak kontrollierte jedoch wieder Henin, die ihre Kontrahentin auf den langen Rallyes zu Fehlern zwang. Mit 7:2 ging gewann sie ihn schließlich nach einer Stunde Spielzeit und setzte sich auch im zweiten Durchgang schnell mit 3:0 ab.

Schwindelig nur geschwindelt?

Einmal konnte Williams sich ihren Aufschlag zurückholen, doch nachdem sie drei Breakmöglichkeiten beim 3:3 etwas fahrlässig vergeben hatte, kassierte sie postwendend selbst ein weiteres Break. Henin war der Sieg damit nicht mehr zu nehmen. Die Vorjahresfinalistin hatte ihn sich rein spielerisch verdient, auch wenn sich Williams im zweiten Satz von der Physiotherapeutin behandeln ließ. Ihr sei schwindelig gewesen, erklärte sie später. "Ich weiß nicht, was es ist. Ich fühle mich nicht gut", sagte sie und erinnerte damit an die wenig respektvollen Aussagen ihrer Schwester, die die Leistung Henin nicht anerkennen wollten. Das tat ihre ältere Schwester zwar, doch wollte sie unbedingt verstanden wissen, dass sie nicht auf ihrem besten Level gespielt habe. Gehandicapt hatte Williams während der Partie jedoch nicht gewirkt.

"Ich bin nicht überrascht, dass sie das sagt", erklärte Henin knapp. "Aber das interessiert mich nicht. Wir haben beide gut gekämpft und für mich ist nur wichtig, dass ich sie endlich wieder besiegen konnte und dass ich im Finale stehe."

Aus New York berichtet Petra Philippsen / Eurosport