US Open - Federer vom Winde fast verweht

Eurosport - So 09.Sep. 01:34:00 2007

Roger Federer ist in New York in sein zehntes Grand-Slam-Finale in Folge eingezogen. Der Weltranglistenerste bezwang den Russen Nikolai Dawidenko mit 7:5, 6:1 und 7:5 und könnte nun der erste Spieler in der Geschichte des Profitennis werden, der vier US-Open-Titel in Serie gewinnt.

TENNIS 2007 US Open Roger Federer - 0

Es gibt Matches, bei denen schon der Blick auf die Statistiktabellen den Gang auf den Platz für die Akteure eigentlich überflüssig macht. Man könnte den Sieg gleich am Grünen Tisch vergeben und sich das Schwitzen ersparen. Federers beeindruckende Bilanz von 9:0-Siegen gegen den Weltranglisten-Vierten führte einen fast in diese Versuchung, denn Dawidenko konnte dem Schweizer in den letzten sechs Duellen gerade mal einen Satz abnehmen.

In einem Grand-Slam-Halbfinale wurde Federer überhaupt erst zweimal bezwungen: 2005 in Melbourne und Paris von Marat Safin bzw. Rafael Nadal, die beide an besagten Tagen ihren Geburtstag feierten. Überflüssig zu sagen, dass Dawidenko an diesem Samstag nicht seinen Ehrentag hatte.

"Break-Festival" bei schwierigen Bedingungen

Dass die beiden Halbfinalisten dennoch das Arthur-Ashe-Stadium betraten, war ihnen also schon hoch anzurechnen und die 23.700 Zuschauer sollten mit einer zumindest zeitweilig spannenden Partie belohnt werden, bei der sich Federer für seinen 26. Sieg in New York in Folge ein wenig strecken musste. Der Schweizer hatte es im Vorfeld bereits angedeutet, seine beiden Matches zuvor bestritt er abends unter Flutlicht, an die heißen und vor allem windigen Bedingungen am Nachmittag werde er sich wieder gewöhnen müssen. Dawidenko nutzte diese Unsicherheit zu Beginn aus und nahm Federer im ersten Spiel den Aufschlag ab und hätte mit dem zweiten Break die Führung ausbauen können. Doch Federer fand besser in seinen Rhythmus, glich zum 3:3 aus und ging danach mit dem Break zum 5:3 in Führung.

Vollkommen angekommen war Federer auf seinem normalen Niveau noch nicht, zudem machte die "russische Ballwand" ihrem Namen alle Ehre und brachte von der Grundlinie stoisch alles zurück, was der Schweizer ihm anbot. Dawidenko gelang das Rebreak, doch es sollte ihm wenig nützen: Sein Spiel zum Erreichen des Tiebreaks gab er ab und Federer sicherte sich den ersten Satz mit 7:5. Im zweiten Durchgang schien der "Fed-Express" endlich richtig in Fahrt gekommen zu sein, nach dem schnellen 6:1 geriet er allerdings wieder ins Straucheln. Böse Zungen wollten einen Satz à la Damen-Tennis gesehen haben sechs Breaks in Folge leisteten sich die Akteure, sieben waren es insgesamt. Zwei Satzbälle musste Federer abwehren und hatte dennoch das bessere Ende für sich. Bei 6:5 wurde es ihm dann offenbar doch zu bunt und er brachte mit vier Punkten in Folge das Match nach Hause.

"Roger hatte einfach Glück"

"Das war ein hartes Stück Arbeit für mich. Mit den windigen Bedingungen war es extrem schwierig, vor allem von der einen Seite des Platzes. Ich bin froh, dass ich in drei Sätzen durchgekommen bin. Ich habe viele Breakbälle verpasst, das hätte nach hinten losgehen können", erklärte Federer erleichtert.

Sein Gegner, der bis zum Halbfinale keinen Satz im Turnierverlauf abgegeben hatte, klopfte sich selber für seine Leistung auf die Schulter: "Mein Trainer hat gesagt, dass ich gut gespielt habe. Und Roger hatte einfach oft Glück. Besonders wenn es eng wurde. Und manchmal schlägt er eben diese Bälle, bei denen man nicht versteht, wie er das macht. Dazu war es heute mit dem Wind sehr schwierig von der Grundlinie zu spielen. Ich hatte meine Chancen, das war eben Pech", sagte Dawidenko selbstbewusst.

Für seinen weiteren Eintrag in den Tennis-Geschichtsbüchern muss Federer am Sonntag nun noch an Novak Djokovic vorbei, mit dem er seit der Niederlage beim Masters in Montreal noch eine Rechnung offen hat: "Ich freue mich auf das Spiel. Schön, dass ich so schnell eine Revanche bekomme. Das war ein tolles und intensives Match in Montreal. Ich bin sehr gespannt, aber ich hoffe, dass ich hier meinen vierten Titel holen kann."

Aus New York berichtet Petra Philippsen / Eurosport
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