Eurosport - Sa 08.Sep. 20:41:00 2007
Neben Roger Federer, Nikolai Dawidenko und David Ferrer steht mit Novak Djokovic ein Spieler bei den US-Open im Halbfinale, der auch abseits des Courts für das ein oder andere Highlight sorgt.
Es hatte schon was: Nach der Viertelfinal-Paarung gegen Carlos Moya präsentierte der erst 20 Jahre alte Serbe die ganze Bandbreite seines Komiker-Repertoires.
"Shootingstar" zeigt Emotionen
Erst bot er einem eifrig fragenden Journalisten eine Tasse Kaffee an, danach imitierte er gekonnt sämtliche Eigenheiten von den Stars der Szene über Andy Roddick bis Maria Scharapowa. Zuvor hatte er im "Duell der Generationen" den 31-jährigen Spanier Carlos Moya glatt in drei Sätzen mit 6:4, 7:6 (9:7) und 6:1 bezwungen und steht erstmals in seiner Karriere in einem Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.
Doch Djokovic ist nicht nur aufgrund seines Talents die große Tennis-Hoffnung auf der ATP-Tour. Der 20-Jährige versteht es wie kaum ein anderer, die Zuschauer mitzureißen. Seine Mimik während des Spiels ist einzigartig. Im Gegensatz zu Dawidenko ist der "Shootingstar" sehr extrovertiert und lässt die Zuschauer durch seine emotionalen Gefühlsausbrüche an seinem Spiel teilnehmen.
Mit 16 auf der Pro-Tour
Der Karriereverlauf des Serben hingegen liest sich für einen Tennis-Profi relativ "normal": Vater und Onkel waren professionelle Skifahrer und förderten den Sprössling von Beginn an - wenngleich der Vater zunächst für den Kleinen eher den Fußball im Auge hatte. Doch schon mit vier Jahren entwickelte Novak eine derart große Begeisterung für Tennis, dass der Vater von seinen ursprünglichen Plänen abrückte.
Mit zwölf Jahren besuchte Djokovic für zwei Jahre die Niki-Pilic-Academy in Oberschleißheim bei München. Mit 16 bestritt er bereits sein erstes Profi-Match. Damit war der Grundstein für seine erfolgreiche Tennis-Karriere gelegt. Der große Durchbruch gelang ihm dann im vergangenen Jahr, als er die ATP-Turniere in Amersfort und Metz gewann. Inzwischen ist Djokovic die Nummer drei der Welt.
Sympathien der Zuschauer
Im Halbfinale von New York trifft Djokovic auf den bisher eminent starken David Ferrer, der selbst die Nummer zwei, Rafael Nadal, in Flushing Meadows aussschaltete. Bisher duellierten sich die beiden dreimal. Einmal gewann Djokovic, zweimal Ferrer. Man darf gespannt sein, aber eines scheint gewiss: die Sympathien werden auf der Seite von Novak Djokovic sein.
Ansonsten nimmt bei den US-Open alles seinen gewohnten Lauf: Da ist zum Beispiel Roger Federer, der, wie die letzten vier Jahre schon, einfach einen Tick besser spielt als die anderen. Da sind fleißige Tennis-Arbeiter wie David Ferrer oder Haas-Bezwinger Nikolai Davidenko, die weitgehend ohne allzu große Gefühlausbrüche ihr Pensum herunterspielen. Aber für diese ist ja Djokovic verantwortlich.
Martin Einsiedler / Eurosport