Eurosport - Fr 08.Aug. 09:35:00 2008
In seiner täglichen Olympia-Kolumne berichtet Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich von seinen Erlebnissen bei den Sommerspielen. Diesmal nimmt er chinesische und nicht-chinesische Glücksbringer unter die Lupe.
Bis jetzt ist das alles schon sehr interssant und vor allem ungeheuer abwechslungsreich. Vom Hotel geht die rauschende Fahrt morgens mit dem Shuttlebus vorbei an immer gleichen Hochhausschluchten zum IBC, dem zentralen Gebäude für alle Fernsehstationen dieser globalen Welt (wir haben die ukrainischen und japanischen Kollegen als Nachbarn) und abends, nach getaner Arbeit, so gegen Mitternacht also, etwas schneller, weil staulos, wieder retour.
Eine Runde süß-sauer jammern? Keineswegs. Jede Sekunde ist ja ausgefüllt, spannend und auch lehrreich. Oder haben sie gewusst, so aus dem Ärmel schüttelnd, dass die Mischung von 75 (Gewichts-)Prozent Kaliumnitrat, 15 Prozent Holzkohle, vornehmlich aus dem Holz des Faulbaums gewonnen, und zehn Prozent absolut säurefreiem Schwefel am Ende Schwarzpulver ergibt? Das ist nämlich wichtig, weil bei der Eröffnungsfeier ein Feuerwerk nach dem anderen in den Himmel - oder in den Dunst - geschossen wird und weil möglicherweise das Schwarzpulver in China erfunden wurde (es gibt da unterschiedliche Theorien).
Luk, Fuk und Sau
Auf jeden Fall ist die Anwendung in der jetzigen Form die schönste als Antrieb für einfache Raketen und als Ladung von Böllern aufgrund der niedrigen Leistung. Oder dass schon im 5. Jahrhundert die Kaiserfamilien hellgelbes, weiches und parfümiertes Toilletenpapier bekamen? Das ist jetzt auch wichtig, weil in China definitiv das Papier von Tsai-Lun 105 n. Chr. erfunden wurde und Schriftrollen bei der Eröffnungsfeier auch eine Rolle spielen werden - was sonst? So schließen sich dank der Hilfe unserer chinesischen Kollegen, die uns zugeteilt wurden, viele Wissenslücken und das tut uns und auch unseren Gastgebern richtig gut.
"Wir haben ja eine große und bedeutende Geschichte", meint An Ming Ming mit leiser Stimme und greift lächelnd nach meinem Taschenbuch von Feng-Shui Glücksbringern, das neben dem Computer liegt: "Ob ich daran glaube", will sie wissen. Ich zeige ihr Luk, Fuk und Sau, die mächtigen Götter für Gesundheit, Reichtum und ein langes Leben, die angeblich in China bevorzugt im Esszimmer stehen sollen. Ich kann nicht ergründen, ob sie mich auslacht und auch nicht herausfinden, was sie von Feng Shui hält. Wie auch immer.
Schaden kann es auf keinen Fall und die drei Jungs haben jedenfalls mehr spirituelle Kraft als die in Europa in chinesischen Restaurants ausgegebenen Glückskekse mit den sinnreichen Sprüchen im inneren der harten Schale. Diese Geste gibt es in China nämlich nicht. Nur die Europäer glauben, sie erhielten mit den in Holland produzierten unsäglichen Zahnbrecherwürfeln ein Stück chinesisches Brauchtum. Da lobe ich mir doch meine kleinen Götter, zumal sie auch noch für Erfolg zuständig sein sollen. Und davon kann man ja bei Olympischen Spielen nicht genug bekommen.
Kommentare 1 - 1 of 1
Bei der letzten Olympiade wollte ich immer mal wissen, wie sieht er denn aus, der Siggi Heinrich. Internet und so hatte ich nicht, Bilder gab es auch nicht. Dann gab es auf Eurosport eine Interview Sendung ( war nur ganz kurz) und da war er auf einmal zu sehen. Man war ich überrascht, nach der Stimme habe ich einen mitte dreißiger erwartet und sehe dann ein "gstandendes Mannsbild" ( hoffe mal als Nordlicht ist das richtig geschrieben). Das war übriegens beim Eiskunstlauf, sehe ich nur auf Eurosport, wenn es meine Zeit erlaubt oder nehme es auf. Ihren Moderatoren Stiel kann keiner erreichen.
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