Wimbledon - Venus strahlt wieder

Eurosport - So 08.Jul. 12:27:00 2007

Nach ihrem Triumph in Wimbledon konnte Venus Williams den Erfolg am Abend noch gar nicht fassen.

TENNIS 2007 Wimbledon Venus Williams finale (Reuters) - 0

Gedankenverloren stand sie vor der mächtigen Ehrentafel mit den Namen aller Wimbledon-Sieger und betrachtete lächelnd den frischen Schriftzug ganz am Ende der langen Liste. Venus Williams ist dort seit Samstag zum vierten Mal verewigt - nach 2000, 2001 und 2005.

Die grüne Tür zum Center Court war gerade schwer ins Schloss gefallen, als sich die "Queen von Wimbledon" ("Sunday Times") für einen Augenblick ganz allein wähnte. Die große Silberschale, die ihr der Herzog von Kent überreicht hatte, hielt sie mit verschränkten Armen an sich gepresst. Sanft streichelte sie über die kostbaren Verzierungen, kopfschüttelnd, so als wollte sie sagen: "Das gibt es doch gar nicht."

Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist es her, da war Wimbledon für die Amerikanerin so weit entfernt wie London vom Planeten Venus. Statt zu trainieren, verbrachte die 27-Jährige Stunde um Stunde bei Ärzten und Physiotherapeuten, die sich um ihr kaputtes Handgelenk kümmerten. Und eigentlich fand sie Gefallen am Leben weitab vom Tennisplatz. Nach dreizehn Jahren auf der Tennis-Tour stand ihr der Sinn nach anderen Dingen, als stundenlang einen gelben Filzball über ein Netz zu schlagen.

Die ältere und zartere der beiden Williams-Schwestern interessiert sich seit Jahren für Innenarchitektur und Design. Sie studierte, entwarf Möbel, richtete Wohnungen ein und kümmerte sich nur noch zeitweise um die Tennis-Szene. Doch irgendwann begann es wieder zu kribbeln. Und wer Venus Williams' Vater Richard kennt, der weiß auch, woran das lag. "Ja, er ist ein großer Motivator", erzählte die "imponierende Williams". "Das war schon früher so, als er Serena und mir erzählt hat, wir würden mal Wimbledon gewinnen und die Nummer eins und zwei der Tennis-Welt werden."

Von großen Taten träumte die in der Zwischenzeit auf Platz 31 abgerutschte Kalifornierin Anfang des Jahres nicht. Frischen Ruhm sollte ihre Schwester erringen, von der sie nach dem Sieg bei den Australian Open behauptete: "Sie ist so gut wie nie und schnell wie der Wind." Dass das in Wimbledon nicht mehr stimmte, wurde spätestens bei Serenas Aus im Viertelfinale gegen Justine Henin klar.

Venus ihrerseits hatte zu viel in Understatement gemacht, auch wenn noch nie eine an Nummer 23 gesetzte Spielerin Wimbledon gewonnen hat. Doch im Verlaufe des Turniers wurde sie immer besser. Und John McEnroe sah "die beste Spielerin überhaupt auf Rasen". Sie gewann schließlich auch das Finale gegen die überforderte Französin Marion Bartoli mit 6:4, 6:1 und damit ihren sechsten Grand-Slam-Titel. "Ich fühle mich fantastisch, wie auf dem Gipfel", sagte die Championesse, die nun in einem Atemzug mit Martina Navratilova (USA/9 Siege), Steffi Graf (Brühl/7) und Billie Jean King (USA/6) genannt wird. "Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt."

Im wahrsten Sinne des Wortes. Wovon Navratilova, Graf & Co. nur träumen konnten, das hat sie geschafft. Als erste Damen-Siegerin bekam sie das gleiche Preisgeld in Höhe von 1,05 Millionen Euro wie der Champion den Herren. "Es wurde höchste Zeit, dass der All England Club dies als letztes Grand-Slam-Turnier eingeführt hat", meinte die an diesem Montag wieder zu den besten zwanzig Tennisprofis zählende Venus Williams und fügte kichernd hinzu: "Ein gerechter Lohn."

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